Kultur

Popikonen der 70er: Jung stirbt, wen die Musikgötter lieben

Article published on 2. März 2009
Article published on 2. März 2009
Die Seventies sind wieder in? Frank Sinatras berühmten Titel 'My Way' hat ein Franzose geschrieben? Panorama zu Europas größten Sängerikonen der 1960er und 70er Jahre.

©Oslo in the Summertime/flickr„Im romantischen Modell ist der Künstler der ewig Leidende, der auf seiner aussichtslosen Suche nach Erfolg frühzeitig aus dem Leben scheidet“, erklärt Jaume Ayats, Professor für Musikethnologie an der Universidad Autónoma in Barcelona. „In den 1960er und 70er Jahren fand ein tiefgreifender sozialer Wandel im Leben der Europäer statt, der unter anderem auf den zahlreichen Befreiungsbewegungen, der Hippie-Kultur und der 68er Revolte beruhte. Europas Vorbilder für Rebellion und Auflehnung oder Kitschballaden aus einer anderen Generation? Ein Überblick.

Krzysztof Komeda, polnischer Jazz und amerikanisches Kino

©wikipediaKrysztof Trzcinski 'Komeda' studierte Medizin. Seiner Leidenschaft für Musik tat das jedoch keinen Abbruch. Der polnische Musiker entwickelte neue Formen des Jazz, die er mit traditionellen polnischen Rhythmen vermischte. In den 1960er Jahren komponierte er hauptsächlich Soundtracks. Fans können sich in Roman Polanskis Knife in the water von Komedas Können überzeugen. Ein Unfall 1968 unterbricht Krysztof Komedas Succes Story Einige Monate später erliegt er einer Fehlbehandlung. Er war 38 Jahre alt.

Nino Bravo, Spanien überquert den Atlantik

Obwohl Nino Bravo vor mehr als 30 Jahren starb, kennen Fans in allen Generationen in Spanien und Lateinamerika seine Lieder noch immer im Schlaf. Bravo wurde als Luis Manuel Ferri Llopis 1944 in dem valencianischen Ort Aielo de Malferit geboren, wo vor 2 Jahren ein Museum zu seinem Gedenken eröffnet wurde. „Er ist der einzige Sänger in der Geschichte der spanischen Popmusik, der mit nur drei Jahren aktiver Musiklaufbahn immer noch zahlreiche Generationen begeistern kann“, stellt Darío Ledesma (26), Webmaster der offiziellen Nino Bravo Seite, fest. Außerdem ist Ledesma Co-Autor des Buches Memoria Viva de Nino Bravo. De Sänger starb mit nur 29 Jahren an den Folgen eines Verkehrsunfalls in der Nähe von Madrid.

Rino Gaetano, Ein kleiner Italiener?

©obbino/flickrRebellisch, originell und provokativ verkörpert der kalabrische Sänger und Songwriter bis zur Perfektion den Geist einer Epoche - eines Unverstandenen. “Rino erschien immer fröhlich und locker, eher oberflächlich. Aber beim Lesen seiner Liedtexte zeigen sich seine Reflexionen zur italienischen Gesellschaft. Seine inneren Dramen werden deutlich. Ich glaube, dass nur sehr wenige ihn wirklich kannten“, sagt Anna Castellari, seit jeher großer Gaetano-Fan. 1995 feierte ein Film über die Musiklegende Premiere, der nach einem seiner bekanntesten Songs benannt ist, Il cielo è sempre più blu ('Der Himmel wird immer blauer'). Im Oktober 2007 fand zudem das große Erinnerungskonzert Big Mama di Roma Happy Birthday Rino statt. Auch Rino Gaetano erlag mit jungen 31 Jahren den Folgen eines Autounfalls. Ihm war die Aufnahme in 5 verschiedenen Krankenhäusern verweigert worden.

Claude François - Cloclo did it his way

©LGF 20041939 geboren, versetzte Claude François - von Kennern Cloclo gennannt - in den 1960er und 1970er Jahren ganz Frankreich in einen Rock- und Pop Taumel. Er sang von weinenden Telefonen ('Le téléphone pleure'), liebte kurzzeitig France Gall und trat in neonfarbenen Paillettenoutfits mit seinen 'Clodettes', einer Tanzgruppe, in allen berühmten Konzertsälen in Paris auf. 1979 sorgte ein Stromschlag im Badezimmer seiner Pariser Wohnung für das abrupte Ende seiner Sängerkarriere. Unvergessen bleibt sein Titel Comme d´habitude, der durch die englischen Interpretationen ('My way') von Elvis Presley und Frank Sinatra Kultstatus erlangte.

Ted Gärdestad, vom Teen-Idol zum Sektenmitglied

©Ted Gärdestad/wikipediaDer Schwede Ted Gärdestad, Jahrgang 1956, hatte sein musikalisches Debüt bereits im zarten Alter von 15 Jahren. Das Teen-Idol kombinierte skandinavisches Musikerbe mit neueren Tendenzen seiner Zeit. Zu Beginn der 1980er Jahre trat Gärdestad allerdings der Neo-Sannyas-Bewegung bei, die in weiten Kreisen als Sekte gilt. Fortan nannte er sich Swami Sangit Upasani und stürzte in immer tiefere Depressionen. Erst Jahre später kehrte er aus den USA nach Schweden zurück, wo er in den 1990er Jahren noch einmal an seine musikalischen Erfolge anknüpfen konnte. In der Zwischenzeit erlitt der Sänger einen harten Schlag: Gerüchte gingen um, er sei an der Ermordung des schwedischen Premierministers Olof Palme beteiligt gewesen. 1993 setzte Gärdestad seinem Leben ein Ende. Er warf sich vor einen fahrenden Zug.

John Lennon, Pop und Peace

©orsorama/flickr„Lennon war ein Popstar, der zum Massen-Friedensbotschafter wurde“, sagt Lucy Carter, Autorin der Beatles-Fanzeitschrift. Der Ex-Beatle wurde 1980 von dem psychisch gestörten Fan Mark David Champman getötet, der sechsmal auf ihn schoss. Ein wahrhaftiger Mythos bildete sich um den Frontmann der unvergesslichen ersten Boyband Europas. „John war schon zu Lebzeiten eine Legende. Aber nach seinem Tod wurde er zum Märtyrer“, meint Ken McNab, 45-jähriger Journalist bei der Glasgow Evening Times und Lennon-Fan, der bald ein Buch über die Beatles in Schottland veröffentlichen wird.