Kultur

Politische Choreographen

Artikel veröffentlicht am 19. Juli 2007
Im Magazin veröffentlicht
Artikel veröffentlicht am 19. Juli 2007
'Art is politics'. Dies ist der dritte Teil unserer Porträtreihe von Künstlern, die versuchen dem 'kulturellen Tschernobyl' Weißrusslands unter Präsident Alexander Lukaschenko ihre Kunst entgegenzuhalten.

Eine neue Tanzgruppe wollte der 44-jährige Alexander Furman, ehemaliger Startänzer und Professor für Tanz an der Choreographieschule in Minsk, gründen: ein unabhängiges Ballett. Seit mittlerweile sechs Jahren kämpft er nun gegen die weißrussische Verwaltung. Und es ist ihm schier unmöglich, auch nur die kleinste offizielle Unterstützung zu erhalten.

Dabei ist Furmans Vorhaben nicht im Geringsten politisch unkorrekt. Geschweige denn provokativ. Doch Alexander Lukaschenko lehnt jegliche Form der Selbstbestimmung im sozialen, politischen oder wirtschaftlichen Leben ab. Das gesellschaftliche Leben hängt am Tropf des Regierungsapparates. Unabhängige Vereinigungen, bürgerliches Engagement oder privatwirtschaftliches Handeln wird dabei immer öfter als umstößlerisch und revolutionär angesehen.

Vielleicht ist es die Bezeichnung "Moderner Tanz", die dazu führt, dass dieses Ballett die weißrussischen Behörden aufscheucht. Die beiden übrigen und einzigen Ballettgruppen des Landes sind erstens fest in staatlicher Trägerschaft und zweitens ganz klar klassisch ausgerichtet.

Natalia, Alexanders Ehefrau, ist übrigens die einzige Frau in Weißrussland, die große Ballett-Projekte verantwortet. Im Jahr 2000 inszenierte sie Macbeth in der Akademie des weißrussischen Theaters, mit Original-Musik und Choreographie.

Das Ereignis ist durchaus erwähnenswert, berücksichtigt man die Tatsache, dass Inszenierungen in diesem Land durchschnittlich 15 Jahre alt sind. "Das Hauptproblem", erklärt Natalia, "ist zum Einen das Erschließen von Fördergeldern. Außerdem ist es sehr schwierig, Aufführungsorte für unser Ballett zu finden." So existieren in Weißrussland genau zwei Bühnen, die aber vor allem bewährte Inszenierungen zeigen.

In Natalias Tanzgruppe arbeiten ausschließlich unabhängige Künstler und erfahrene Schauspieler, die bereits mit der Tänzerin zusammengearbeitet haben und nun zu ihr zurückgekehrt sind. Derzeit studiert die Gruppe Don Juan ein. Aber die Oper ist noch in Arbeit, die Gruppe hat enorme Probleme, Räumlichkeiten für Proben zu finden. So kommt es, dass die professionellen Künstler, die jahrelang studiert haben und Tanzerfahrung mit renommierten Gruppen im Ausland sammeln konnten, zum Proben wieder in die Grundschule müssen. Nach Schulschluss natürlich.

Alles in allem eine ermüdende Situation für Natalia und ihren Mann, die derzeit unlösbar scheint. Dazu kommt, dass es seit einem Erlass des Präsidenten von 2005 unmöglich ist, Gelder von privaten Sponsoren zu bekommen, aus Angst, sie könnten in die Opposition fließen. Viele wären prinzipiell bereit Künstler finanziell zu unterstützen.

Eine Vielzahl an juristischen Klauseln vereitelt aber jeden Schritt in diese Richtung. So musste die Kultur-Beauftragte der französischen Botschaft in Minsk, die die Furman-Gruppe durch den Kauf von Kostümen unterstützen wollte, dabei zusehen, wie ihr entsprechende Bankaktivitäten verboten wurden. Grund: Die Botschaft wird nicht als Staatsbürger von Weißrussland angesehen. Am Einfachsten wäre es sicherlich, der Gruppe einfach bares Geld zu geben. Aber wer kann sich das heutzutage schon leisten?