Kultur

Playing for Change: Wie man Frieden durch Musik voranbringt

Artikel veröffentlicht am 4. September 2014
Artikel veröffentlicht am 4. September 2014

Playing for Change ist eine Band mit 180 internationalen Mitgliedern. Sie reisen durch die Welt, um sich mit Musikern zu treffen und sie vor Ort aufzunehmen. Außerdem sollen weltweit internationale Musikschulen errichten werden. Cafébabel hat drei Mitglieder der multikulturellen Band direkt im Anschluss nach ihrem Auftritt bei Esperanzah, einem Weltmusikfestival in Belgien, befragt.

Eine bunte Truppe erwartete uns nach ihrem Auftritt. Nicht nur die Instrumente sind vielseitig, sondern auch die Nationalitäten: Mark Johnson ist Mitbegründer von Playing for Change aus den USA. Clarence Bekker ist ein Sänger aus den Niederlanden und Jason Tamba ist ein kongolesischer Gitarrist.

Cafébabel: Stellt euch doch bitte kurz vor und erzählt uns, warum ihr daran Interesse habt, beim Projekt Playing for Change dabei zu sein.

Mark Johnson: Playing for Change hat begonnen, weil wir etwas finden wollten, an das jeder auf der Welt glauben kann, etwas das uns dazu inspirieren würde, über die Dinge hinwegzusehen, die uns eigentlich trennen und die Aufmerksamkeit auf etwas zu richten, das uns vielmehr verbindet. Genau dies kann Musik erreichen. Und Playing for Change ist ein Projekt geworden, bei dem die beteiligten Menschen daran glauben.

Clarence Bekker: Ich war früher in Belgien bekannt als Dance-Musiker CB Milton. Unter dem Namen hatte ich ein paar Hit-Erfolge wie „It´s a loving thing“ und „Send me an angel“. Im zweiten Teil meines Lebens war ich aber nicht mehr richtig an Dance-Music interessiert. Ich bin durch die Welt gereist auf der Suche nach einem Ziel und einer neuen Lebensweise. Ich landete in Barcelona und wurde Straßenmusiker. Als ich dort so auf der Straße saß und spielte, kamen Mark und seine Crew vorbei, die sehr von meiner Stimme angetan waren. Er hat mir ein paar Videos gezeigt und ich fand diese ganze Bewegung sehr interessant. Sie war direkt zu Beginn größer als ich es mir jemals hätte vorstellen können. Und seitdem bin ich ein Teil von Playing for Change.

Jason Tamba: Ich komme aus dem Kongo und bin in den 80ern nach Südafrika gezogen wo ich dann auf den Straßen, in den Kneipen, einfach überall spielte... Als die Leute von Playing for Change dann kamen, um ihr erstes Album 2008 aufzunehmen, habe ich mich ihnen in Cape Town angeschlossen.

Cafébabel: Ich habe gehört, dass ihr 185 Bandmitglieder zählt...

Mark Johnson: An dem neuen Playing for Change-Album mit dem Titel PFC 3 Songs around the World, sind insgesamt 180 Musiker aus 32 Ländern beteiligt. Die Leute auf der Bühne treten auf, aber genauso spielen auch Keith Richards, Sara Bareilles – eine namenhafte Sängerin - Taj Mahal, Toots & The Maytals, Los Lobos, uvm. Von daher spielen alle diese Musiker gemeinsam.

Cafébabel: Heute wart ihr zu zehnt auf der Bühne. Wie wählt ihr die Leute aus, die auf der Bühne stehen und spielen?

Mark Johnson: Es ist noch immer die gleiche Grundbesetzung wie zu Beginn. Was beim neuen Album geändert wurde, ist dass wir Keiko Komaki, eine begnadete Pianistin aus Japan mit eingebunden haben. Sie war heute Abend mit dabei. Als wir sie trafen, haben wir ihre Songs aufgenommen, danach hat die Band sie kennenlernen dürfen. Und heute ist sie Teil der Band und tourt mit uns gemeinsam durch die Welt. Wie sie können andere Musiker dazustoßen und die Besetzung erweitern oder verändern, aber die Gründungsmitglieder sind weiterhin Teil des Projekts. Ich glaube die Band wird im Wesentlichen durch 8 verschiedene Länder vertreten: den Kongo, Südafrika, Kuba, die Niederlande, Israel, Italien, die USA und Japan.

Cafébabel: Du hast heute abend einige Stellen von „Stand by Me“ auf Französisch gesungen, machst du das auf die gleiche Weise in jedem Land, das du besuchst?

Clarence Bekker: Wir versuchen daraus einen Brauch zu machen. Jeder kennt das Lied und es macht den Einheimischen und auch uns große Freude, es in der jeweiligen Sprache zu singen. Für sie macht es den Song noch wichtiger, wenn sie in der Lage sind, mitzusingen und sich in der eigenen Sprache auszudrücken. Das setzt alle Hebel in Bewegung und erschafft eine richtig gute Atmosphäre.

Jason Tamba: „Stand by Me“ ist immer Teil unseres Repertoires weil dies der Song ist, der den Gedanken des Projekts Playing for Change trägt, und das wissen viele Leute.

Clarence Bekker: Uns gibt der Song jede Nacht aufs Neue einen kleinen Antrieb zu spielen, wenn wir auf der ganzen Welt unterwegs sind. Das macht es auch sehr interessant für uns.

Eure Hauptbotschaft ist Frieden durch Musik zu verbreiten. Um es konkreter zu formulieren: ihr habt eine Stiftung gegründet. Kannst du mir ein bisschen mehr darüber erzählen?

Mark Johnson: 2009 haben wir die Playing for Change Foundation ins Leben gerufen, eine gesonderte gemeinnützige Wohltätigkeitsorganisation, die sich dem Aufbau von Musikschulen rund um den Globus verschrieben hat. Dieser liegt die gleiche Philosophie zugrunde wie den Songs around the World. Wir möchten hiermit alle Kinder und Jugendlichen in verschiedenen Ecken der Welt untereinander vernetzen. 

Welche nächsten Reiseziele habt ihr und wie sucht ihr sie aus?

Mark Johnson: Morgen geht es zurück in Clarences Heimat: Amsterdam. Dann fahren wir zurück nach Italien, Roberto Lutis Zuhause, unserem weiteren Gitarristen. Und dann nach Schweden, Südafrika...Es ist eine Welttournee.

Wir wollen die Botschaft überall verbreiten. Wir haben dieses Jahr mit Nordamerika begonnen, dann Europa, Südafrika. Wir bleiben auf Achse. Es geht auch noch nach Asien. Und wieder Australien, Japan. Wir geben nicht auf, die Musik zu verbreiten und die Familie weiter auszubauen. 

Wie können Menschen Teil der Bewegung werden?

Mark Johnson: Der einfachste Weg ist, playingforchange.com aufzusuchen und dort mehr zum Projekt zu erfahren. Man kann sich auf verschiedene Art und Weise beteiligen: man kann die Band, die Songs around the World oder die Schulen unterstützen, sich dort aber auch anmelden und Informationen einholen.

Die Leute reichen ständig Musik ein, mit der wir einen Katalog von jedem Land und den Künstlern anfertigen. Oft lädt die Band aber auch Gäste ein. Heute Nacht hatten wir einen Gast aus Belgien dabei, und das ist eine ganz besondere Sache. Es erzeugt bei den Leuten hier besonders viel Stolz und Freude.