Kultur

Plattenkritik 'Broken Brights' von Angus Stone: Rolling stoned

Artikel veröffentlicht am 25. Oktober 2012
Artikel veröffentlicht am 25. Oktober 2012
Angus Stone ist mit seinem Soloalbum Broken Brights (Desert Harvest Records) zurück. Eine Platte, die nach Hipster-Hippierasen und Instagram-Filtern klingt. Trotz seines instrumentalischen Talents, spielt sich der knackige Australier zu sehr als Bob Dylan auf. Klingt aber eher nach Dawson's Creek, meint unsere italienisch-deutsche Plattenkritik.

Katharina: Im Ernst, der Title Track "Broken Brights" ist die perfekte Musiktherapie nach einem anstrengenden Arbeitstag. Der Titel lässt dich die brummende Großstadt vergessen und nimmt dich irgendwo hin mit - weit weg - mit einer simplen Gitarre, einer rauen und gleichzeitig sanften maskuline Stimme, die irgendwie an Kings of Convenience und zeitweise auch an Damien Rice erinnert – aber irgendwie lässiger. Findest du nicht?

Federico: Willst du eine ehrliche Antwort? Nein! Einen Typen von gerade mal 26 Jahren, der immer wieder davon dudelt wie schön es doch war „when we were young“, finde ich schlicht und einfach lächerlich. Was ich damit sagen will ist, er nimmt mich nicht auf seine Reise mit. Er hat einfach nicht die Erfahrung, um mich an der Hand zu nehmen und auf seinen Trip zu bringen. Mann, diese „new hippies“, die nicht die geringste Ahnung von den Siebzigern haben.

K: Und wie alt bist du, um dich hier als Allwissender aufzuspielen? Ja, Angus ist jung, aber um ehrlich zu sein, die 1970er verleiten doch jeden ein bisschen zum Träumen. Mit ihren orgiastischen Konzerten, den Blumenkleidern und lässigen Jungs mit ihrer Nach-mir-die-Sintflut Einstellung, die heute ein bisschen verloren gegangen ist. Es stimmt schon, Angus Stone spielt mit diesem Image, mit seinem Frauenschwarm-Look aus Dawson's Creek. Er ist die haarige Version von Ashton Kutcher, der sich auf den Wiesen von Woodstock austobt. Mir gefällt diese Maskulinität. Nur mit seiner Gitarre, einen Joint im Mundwinkel vor einem australischen Cottage. Allein mit seiner Musik…

F: Maskulinität? Und wo willst du die gesehen haben? Beim ersten Reinhören dachte ich direkt an diese neue Kategorie von metrosexuellen Typen, viel zu sanft, mit ihrer subtilen und weinerlichen Stimme. Ganz im Ernst, es wundert mich rein gar nicht, dass er die Musik für Twilight gemacht hat (« Love will take you », ein Duo mit seiner Schwester Julia). Angus ist ein Frauenversteher, genauso wie Dawson ein Frauenversteher ist. Aber können wir den Dingen mal auf den Grund gehen? Wo bleibt die Musik?

Die haarig-singende Version von Dawson's Creek

K: Stimmlich gebe ich dir recht. Im Verlauf des Albums verliert sich Angus Stimme komplett im Instrumentalen. Auch die Texte haben allgemein wenig Präsenz. Der Akzent liegt eher auf der Reinheit der Vintage-Instrumente: Gitarre, Mandoline, Mundharmonika, Trompete. Aber gib schon zu, dass es Angus in diesem Bereich echt drauf hat.

F: Seine Stimme verliert sich nicht, sie wird von seiner fehlenden Kreativität fast vergewaltigt. Wie hast du vorhin so schön gesagt? Es geht los mit Kings of Convenience (« Broken Brights »), dann kommt Bob Dylan (« Apprentice of the rocket man »), später eine psychedelische Wolke mit Pink Floyd (« Only a woman ») und sein Abgang mit The Verve (« End of the world », und zum Glück auch Ende der Platte). Wusstest du außerdem, dass dein Beau auch schon ein Album mit dem Producer von Richard Ashcroft [Leadsänger von The Verve; A.d.R.] in London aufgenommen hat? Vielleicht sollte er noch ein bisschen suchen in puncto Stil.

K: Schön und gut. Mich erinnert der Track« Only a Woman » eher an « Knockin’ on Heaven’s Door » von Dylan. Aber stimmt schon, er inspiriert sich ziemlich an dieser Musikepoche. Und das ist gut so. Wer die Siebziger liebt, wird auf dieser CD auch fündig, ohne notwendigerweise in der alten Plattensammlung wühlen zu müssen. Außerdem ist Stone ziemlich ehrlich mit seinen Referenzen. Eines der letzten Stücke auf dem Album ist eine Hommage an eine der Hymnen des Peace and Love (« Happy Together » von den Turtles).

F: Zunächst einmal, wer die Siebziger verehrt, hört doch wohl lieber direkt die Worte von Dylan oder die Gitarren von Pink Floyd – anstatt diesen australischen Surfer. Aber mal im Ernst, wenn du nicht einmal selbst weißt, wer du bist, mach bitte keine Cover-Versionen: « Happy together » (« exclusive track », vielen lieben Dank, aber ich möchte lieber kein Mitglied in diesem exklusiven Club sein) geht echt gar nicht. Für ein gutes Cover braucht es eine musikalische Geschichte, ein Markenzeichen. Muse, die The Smiths covern zum Beispiel, das ist ein Cover mein lieber Angus.

K: Ja ja, lass nur deinen ollen Reaktionär raushängen, guten Geschmack gab es nicht nur gestern. Ich jedenfalls würde gern einen relaxten Nachmittag mit Angus am Strand verbringen – mit nacktem Oberkörper, Vintage-Gitarre und 'stoned'.

Illustrationen: ©Discograph; Videos (cc)angusstoneofficial/YouTube