Kultur

PISA-Studie: Jungs ‘grün hinter den Ohren’

Artikel veröffentlicht am 15. Dezember 2010
Artikel veröffentlicht am 15. Dezember 2010
Ob grün oder blau hinter den Ohren, ob Milchbart oder halbgebacken: Wir haben schon immer gewusst, was die neueste PISA-Studie pubertären Jungs schwarz auf weiß bescheinigt.

Hurra, es ist wieder einmal soweit. In der letzten Woche veröffentlichte die OECD die PISA-Studie für das Jahr 2009 und zeigt Kids und Eltern in Mitteleuropa einmal mehr auf, dass sie im weltweiten Vergleich nur Mittelmaß sind. Vorne liegen die 15-jährigen pubertären Mathe-, Naturwissenschafts- und Leseleistungen aus China, Singapur, Südkorea, Hongkong und Konsorten. Bitter waren beispielsweise die Ergebnisse für Österreich, Luxemburg und Spanien, deren Kids im Bereich Lesen die europäischen Schlusslichter sind. Europaweit können nur die Finnen (Im Norden nichtes Neues!) und Esten (europaweit Platz 5!) in den Top Ten mithalten. Im Großen und Ganzen bleibt also alles beim Alten...

Ansonsten bescheinigt die PISA-Studie, neben der Notwendigkeit der Lehrer-Förderung, der besseren Integration von Migrantenkindern und eines besseren sozialen Umfelds, schwarz auf weiß, was wir Mädels schon seit jeher wussten. Jungs - besonders im zarten Alter von 15 Jahren - hinken einfach hinterher. 10 Jahre nach der ersten Studie hat sich der Trend sogar verstärkt: 15-jährige Halbstarke sind und bleiben in diesem kritischen Alter nun mal grün hinter den Ohren (green behind the ears)!

Und zwar ohne Ausnahme: In allen Mitgliedsländern der OECD liegen die Mädels im Verständnis von Wort und Schrift 39 Punkte vor ihren männlichen Altersgenossen. In Frankreich sind die Jungs in diesem Alter nicht grün (hinter den Ohren), sondern schlicht und einfach bleu - vielleicht wie das fast rohe Rindersteak, das der Franzose bevorzugt auf seinem Teller hat. Im Hexagon haben 26% der 15-jährigen Jungs große Schreibschwierigkeiten im Gegensatz zu nur 14% der Mädels.

Italienische und spanische Nachzügler sind schultechnisch noch nicht aus ihren Eiern hervorgekrochen (Ita: Non è ancora uscito dall ‘uevo; Spa: Aún no ha salido del cascarón), während ihre polnischen Mitstreiter Milchspuren unter der Nase haben (mieć mleko pod nosem) und britische Schüler nur halb durchgebacken sind (to be half-baked).

Ist schlussendlich die Jungenförderung europäischer Schulen daran schuld, dass die lieben Kleinen durch die Bank weg grüner hinter den Ohren sind als ihre Altersgenossinnen und häufiger von der Schule fliegen? Werden zu hohe und genderspezifische Erwartungen an Jungs gestellt? Eine deutsche Studie aus dem Jahr 2009 sieht die Ursachen insbesondere darin, dass das Bildungssystem fest in weiblicher Hand liege. Am Ende sind also doch wieder die Mädels schuld…

Illustration: ©Henning Studte/ http://www.studte-cartoon.de/