Kultur

Paweł Szajda: Schauspieler zwischen Polen und Amerika

Artikel veröffentlicht am 13. Februar 2009
Artikel veröffentlicht am 13. Februar 2009
Der letzte Berlinale-Wettbewerbsfilm, der heute Abend das Festival abschließt, ist Tatarak-der Kalmus vom polnischen Regisseur Andrzej Wajda. Es geht wie auch schon im Vorleser (Stephen Daldry) um eine unmögliche Liebesbeziehung zwischen einer älteren Frau und einem Jungen.
Der amerikanisch-polnische Schauspieler Paweł Szajda (HBO TV-Serie Generation Kill) spielt den jungen Bogus und erzählt im cafebabel.com Interview, warum er zu seinen europäischen Wurzeln zurückkehren möchte.

Bei Tatarak-der Kalmus hat Oscarpreisträger Andrzej Wajda Regie geführt und Du spielst an der Seite der bekanntesten polnischen Schauspieler. Wie kamst Du zu dieser Produktion?

Ich kann’s noch immer nicht richtig glauben, denn damit ist ein kleiner Traum in Erfüllung gegangen. Es war alles ein großer Zufall, denn der Produzent Michał Kwieciski hatte mich in meinem ersten Film Unter der Sonne der Toskana [von Audrey Wells, A.d.R.] gesehen, sich an mich erinnert und dann meinen amerikanischen Agenten angerufen. Eine Woche später war ich für Probeaufnahmen mit Andrzej Wajda and Krystyna Janda in Polen und blieb gleich da.

Wie war es mit polnischen Größen wie Krystyna Janda und Jan Englert zu spielen? Hat man Dich als Newcomer beachtet?

Ich war so glücklich diese Rolle bekommen zu haben, dass ich von Stress überhaupt nichts gemerkt habe. Außerdem war die ganze Crew hilfsbereit und sehr verständnisvoll. Wirklich eine tolle Atmosphäre, niemand brüllte oder schrie. Bis jetzt war ich militärischen Drill gewöhnt beim Film. Mit Wajda verlief es anders. Er hörte jedem zu und wollte unsere Ideen wissen. Es fühlte sich eher wie Theater an, nicht wie in einem Film zu spielen. In jedem Fall war es eine tolle Erfahrung.

Erinnerst Du Dich an die schwierigste Szene des Films?

Es gab viele schwierige Szenen, aber heikel waren vor allem die Unterwassereinstellungen. Es war verdammt kalt und ich musste bis zum See in meinen Unterhosen. Die ganze Crew war eingepackt in ihre Mäntel und ich war fast nackt. Im Nachhinein würde ich auch sagen, dass das ebenfalls der lustigste Moment war.

Was machst Du in Amerika?

Nachdem ich Unter der Sonne der Toskana in Italien abgeschlossen hatte, ging’s zurück nach Amerika, wo ich meinen Abschluss in Englisch, Literatur und Wirtschaft gemacht habe. Danach habe ich eine Weile Schauspielunterricht genommen bis ich schließlich nach New York ging. Dort habe ich dann an der Fordham Universität im Lincoln Center ein Schauspielstudium begonnen.

©berlinale.de

Mittlerweile spielst Du am Broadway und in der HBO-Serie Generations Kill. Wann hast Du Dich den dafür entschieden, Schauspieler zu werden?

Schon als Kind habe ich davon geträumt. Und als ich mit 16 Jahren in einem Theaterstück unserer Schule mitmachen konnte war es passiert. Ich erinnere mich genau. Nach der Pause wurde geklatscht und ich wartete bis alle aufhörten. In diesem Moment wurde mir klar, dass Schauspieler mein Traumberuf war. Danach las ich ein Drehbuch und malte mir vor Augen aus, wie alles angeordnet sein müsse. Ich war sofort begeistert und begann meinen Traum umzusetzen.

Du hast die amerikanische Staatsbürgerschaft. Wie polnisch fühlst Du Dich in Deinem Herzen?

Mein polnischer Großvater ging 1912 nach Chicago, wo er meine Großmutter kennerlernte. Sie heirateten und bekamen Kinder. Nach dem ersten Weltkrieg ging es wieder nach Polen, wo sie sich ein Stück Land kauften. Aber Großvater wollte nach dem zweiten Weltkrieg nicht der Komunistischen Partei beitreten und so ging es 1964 wieder in die USA. Meine Mutter studierte in Amerika, aber zog wieder nach Polen, wo sie meinen Vater kennerlernte. Nachdem dort das Kriegsrecht verhängt wurde [1981; A.d.R.] ging es zurück nach Amerika, wo ich geboren bin. In unserem Haus in Connecticut sprechen wir Polnisch. Ich ging in eine polnische Kirche, war ein polnischer Pfadfinder…

Und wo siehst Du Dich in der Zukunft?

Ich würde gerne in Polen arbeiten, denn hier fühle ich mich zuhause, hier ist der Rest meiner Familie, mit der ich mehr Zeit verbringen möchte. Ich habe während des Drehs viel gelernt über mich selbst, meine Familie und die Geschichte.

Und wenn Du mal nicht drehst?

Ich fotografiere gerne. Als wir Tatarak-der Kalmus in Grudziądz gedreht haben, hab ich tolle Fotos vom Himmel gemacht, der unglaublich schön war. Vielleicht mag ich auch deshalb so gerne in Polen arbeiten, um das Land zu erkunden. Ich liebe Reisen.