Kultur

Ostern: Polen rund ums Ei

Artikel veröffentlicht am 20. März 2008
Artikel veröffentlicht am 20. März 2008
In Polen werden Ostereier mit einer besonderen Wachstechnik bemalt, eine Tradition, die keinesfalls mehr nur Frauensache ist und sich im Ausland blendend verkauft.

Die Polen geben sich überaus kreativ, wenn es um das Bemalen von Ostereiern geht. Für die Verzierung nutzt man Hühner-, Enten-, Gans- oder sogar Straußeneier. Dafür werden die Eier zunächst ausgeblasen und zu so genannten wydmuszki, das heißt 'leeren Schalen' gemacht. Die beliebtesten Ostereier werden mit heißem Wachs mit Hilfe eines Holzstückchens oder einer Nadel verziert und anschließend in bunte Farben getaucht. Die bewachste Fläche wird somit nicht eingefärbt, so dass nach der Entfernung der Wachselemente kunstvolle, weiße Muster auf dem Ei zu Tage treten. "Diese Maltechnik kann in einer modifizierten Version auch eine Inspirationsquelle für Kinder sein", sagt ein Mitarbeiter der Bildungsabteilung des Ethnografischen Museums in Warschau.

Eine andere Eier-Variante aus Polen sind die so genannten kraszanki. Dafür färbt man die Eier zunächst in einer Brühe aus bunter Wolle oder braunen Zwiebelschalen. Dann ritzt man feine Muster in die Schale. Es ist eine Technik, die einer geschickten Hand und plastischer Fähigkeiten bedarf. "Um eine kraszanka zu machen, benötigt ein Profi mindestens zwei Stunden", sagt eine Volkskünstlerin aus dem südwestpolnischen Oppeln. "Amateure benötigen sicher mehr Zeit."

(Foto: ©BZedan/flickr)

Osterei - nicht nur Frauensache

Früher oblag die Bemalung der Eier ausschließlich Frauen. Männer hatten ein Eintrittsverbot in die Stube, in der Ostereier vorbereitet wurden. Aber auch in puncto Ostern hat die Emanzipation wahre Wunder vollbracht. Ostereierworkshops, in der ganze Familien unter dem wachsamen Auge von Volkskünstlern arbeitsintensive und traditionelle Techniken erlernen, erfreuen sich zunehmend großer Beliebtheit. "Eine sehr angenehme und gleichzeitig lehrreiche Art und Weise, die Zeit mit seinen Kindern zu verbringen", erzählt ein junges Ehepaar, das mit ihren zwei kleinen Kindern an einem Workshop teilnimmt. "Wir können unsere handwerklichen Fähigkeiten entdecken und die Kinder haben die Möglichkeit, einen Teil der polnischen Volkskunst kennen zu lernen." In vielen polnischen Häusern wird die Tradition der Ostereiverzierung von Generation zu Generation weitergegeben: "Früher habe ich Ostereier mit meinen Geschwistern bemalt. Heute werde ich zusammen mit meiner Frau und Tochter kreativ", sagt Marcin, ein 30-jähriger Ökonom.

Polnische Volkskunst 2.0

Clevere Ostereier-Künstler aus Polen haben mittlerweile aus der beliebten Volkstradition ein Geschäft gemacht. Internetseiten, auf denen der Kunde die volkstümlichen Handarbeiten kaufen kann, sprießen wie Pilze aus dem Boden. "Ich habe meine Ostereier zuerst über Allegro (das polnische Pendant zu ebay, A.d.R.) verkauft, bis ich selbst eine Seite und ein Themenforum gegründet habe", erklärt die Künstlerin Anna Gobniak. "Meine kunterbunten Ostereier sind äußerst begehrt. Ich habe einige Stammkunden, die sie jedes Jahr bestellen, weil sie einzigartig sind und sich hervorragend als Geschenk eignen. Auf Gobniaks Seite tummeln sich Besucher aus aller Herren Länder. "Letztes Jahr flogen meine Eier in die USA, nach Australien, Österreich, Frankreich, in die Niederlande und nach Kanada."

Eierei auf Europäisch

Das Ei steht in vielen Kulturkreisen für das Gute. Bereits in der Antike war es das Symbol für Glück, Fruchtbarkeit, Wohlstand und Gesundheit. Das Ei symbolisiert auch die Wiedergeburt des Lebens im Frühling. Einem polnischen Aberglauben zufolge wurde ein doppeltes Eigelb mit Glück und einer baldigem Nachkommenschaft in Verbindung gebracht. Die Engländer haben Talismane aus Eiern alter Hühner gemacht, während Deutsche die Angewohnheit besaßen, auf Eier zu schwören.

Das älteste, mit Zeichen verzierte Tonei, gab es bereits um 3000 vor Christus. Archäologen haben es im Gebiet des heutigen Mesopotamien gefunden. Die Tradition der Malerei und Verzierung von Eiern stammt aus Persien, wo man das neue Jahr als das Fest des Roten Eis feierte. In Ungarn nennt man Ostereier bis heute Kokon, "das rote Ei". In Bulgarien wird das erste Osterei immer rot angemalt und darf bis zum nächsten Osterfest nicht weggeworfen werden. Das ganze Jahr hindurch aufbewahrt soll es der ganzen Familie Glück und Gesundheit bringen. In Griechenland wird der Tag der Ostermalerei als der Rote Tag bezeichnet und fällt auf den Karfreitag. In Rumänien sagt man im Volksmund: Wenn die Christen aufhören, ihre Eier rot anzumalen, ist das Ende der Welt nicht weit

(Fotos in Reihenfolge: Intext - ©Zormasa/flickr; ©BZedan/flickr; Homepage - ©jmurawski/flickr; Box - ©madelinetosh/flickr)