Kultur

Oscars 2008: And the winner is…Europa

Artikel veröffentlicht am 22. Februar 2008
Artikel veröffentlicht am 22. Februar 2008
Auch bei den 80. Oscarverleihungen am 24. Februar flaniert Europa wieder in ihrer schönsten Festrobe mit zahlreichen Produktionen und Schauspielern über den roten Teppich.

Selbst der Autorenstreik, der Hollywood seit dem 5. November 2007 lahmlegte und am 12. Februar rechtzeitig beigelegt wurde, konnte die Oscarverleihungen nicht beeinträchtigen. Am 24. Februar flaniert in Hollywood wieder alles was Rang und Namen im Filmbusiness hat in Couture-Robe und unter Blitzlichtgewitter über den roten Teppich des Kodak Theatre in Los Angeles.

Der europäische Film läuft dabei auch 2008 wieder zu Hochform auf. Bereits im letzten Jahr konnten Filme wie das Stasi-Drama Das Leben der Anderen des deutschen Regisseurs Florian Henckel von Donnersmarck oder die britische Schauspielerin Helen Mirren - als Königin Elisabeth II. in Stephen Frears Die Queen - den berühmten goldenen Schwertträger auf der Filmrolle für Europa nach Hause holen. In der Nacht von Sonntag auf Montag fiebern Filmfans in über 200 Ländern erneut vor ihren Bildschirmen mit. Europäische Schauspieler und Filmproduktion haben erneut die Chance, ein neues Kapitel EU-Filmgeschichte zu schreiben: The nominations are…

Daniel Day-Lewis: nominiert als bester männlicher Hauptdarsteller

Der Brite Daniel Day-Lewis (50), der mit Filmen wie Sunday, Bloody Sunday (1971), die Verfilmung von Kunderas Roman Die unerträgliche Leichtigkeit des Seins (1988), Der letzte Mohikaner (1992) oder Scorseses Gangs of New York bereits Filmgeschichte geschrieben hat, geht gegen George Clooney (Michael Clayton), Johnny Depp (Sweeney Todd), Tommy Lee Jones (Im Tal von Elah) und Viggo Mortensen (Tödliche Versprechen) ins Rennen. Mit seiner Hauptrolle als Ölbaron in Paul Thomas Andersons Drama There will be blood gilt er als klarer Oscarfavorit.

Kinotrailer: There will be blood

Marion Cotillard: nominiert als beste weibliche Hauptdarstellerin

Als überzeugende Hauptdarstellerin der französischen Musiklegende Edith Piaf in Olivier Dahans biographischem Drama La vie en rose ist die 32-jährige Französin Marion Cotillard drauf und dran, ihrer britischen Konkurrentin Julie Christie (66) - unvergessen als Lara in Doktor Schiwago (1965) - die Show zu stehlen. In Sarah Polleys An ihrer Seite spielt Christie eine Alzheimerpatientin. Cotillard hat als Spatz von Paris im Vorfeld bereits den Golden Globe und den Bafta abgeräumt, was in Fachkreisen gern als negative Vorahnung auf die Oscarverleihungen gedeutet wird.

Kinotrailer: La vie en rose

Javier Bardem: nominiert als beste männliche Nebenrolle

Der gebürtige Spanier (38) überzeugt in seiner Rolle als psychopathischer Serienkiller Chigurh mit angsteinflößendem Mireille Matthieu-Haarschnitt in No country for old men der Brüder Coen, ein ästhetisch-brutales Roadmovie nach dem gleichnamigen Roman des Pulitzer-Preisträgers Cormac McCarthy. Konkurrenz könnte dem auf Gran Canaria geborenen Spanier der 85-jährige amerikanische Schauspieler Hal Holbrook machen, der für seine Rolle als väterlicher Ratgeber und Ex-Veteran in Sean Penns Into the wild viel Lob geerntet hat.

Kinotrailer: No country for old men

7 Nominierungen für Abbitte

Gleich für sieben Oscars ist die britische Ian McEwan-Adaptation Abbitte (Originaltitel: Atonement) mit Keira Knightley und James McAvoy nominiert. Die englische Dreiecksbeziehung vor dem Hintergrund des Zweiten Weltkriegs wurde Mitte Januar bereits mit einem Golden Globe ausgezeichnet, wird es nach Kritikermeinungen allerdings schwer haben, sich als bester Film gegen There will be blood, No country for old men, Michael Clayton mit George Clooney oder die kanadische Produktion Juno durchzusetzen.

Kinotrailer: Atonement

Persepolis: nominiert als bester Animationsfilm

Die iranische Illustratorin Marjane Satrapi und ihr französischer Lebensgefährte Vincent Paronnaud haben mit den in schwarz-weiß verewigten Kindheitserinnerungen vor dem Hintergrund der Iranischen Revolution in Persepolis 2007 alle Rekorde gebrochen und können 2008 auf einen Oscar für den besten Animationsfilm hoffen.

Kinotrailer: Persepolis

Schmetterling und Taucherglocke: 4 Nominierungen

Nur wenige Regisseure wagen sich in Hollywood an die Mehrsprachigkeit: Julian Schnabel ist einer von ihnen. In Schmetterling und Taucherglocke adaptiert der New Yorker Regisseur den gleichnamigen Roman des Franzosen und ehemaligen Elle-Chefredakteurs Jean-Dominique Bauby, der nach einem Schlaganfall fast vollständig gelähmt war und nur noch mit dem linken Auge kommunizieren konnte. Filmische Meisterleistung - auf Französisch!

Kinotrailer: Schmetterling und Taucherglocke

Photo homepage: Frenchwoman Marion Cotillard wins best actress