Kultur

Oscar für das nicht besonders dänische "In einer besseren Welt"

Artikel veröffentlicht am 10. März 2011
Artikel veröffentlicht am 10. März 2011
Susanne Biers "Hævnen" handelt von Blut, Gerechtigkeit und harter Realität. Aber wieso kommt ein so finsterer Film ausgerechnet aus Dänemark, dem Land mit den glücklichsten Menschen der Welt?

Susanne Bier ist wohl die bekannteste Regisseurin Dänemarks. Ihre Filme umspannen elementare Emotionen wie Liebe, Hass und Rache, die sie auf simple, aber faszinierende Weise vermittelt. Sie haben ihren Namen über die dänischen Grenzen hinaus bekannt gemacht: Brothers - Zwischen Brüdern (Brødre, 2004) wurde 2009 vom irischen Regisseur Jim Sheridan mit Nathalie Portman, Jake Gyyllenhall und Toby Maguire in den Hauptrollen neu verfilmt. Die jüdische Regisseurin ist auf Preisverleihungen keine Unbekannte, wurde sie doch 2006 in der Kategorie Bester Fremdsprachiger Film für Nach der Hochzeit (Efter brylluppet) nominiert.

Die Rache

Alejandro González Iñárritus mexikanisch-spanischer Kandidat ‘Biutiful’ (mit Javier Bardem in der Hauptrolle) was Oscar-Favorit in der KategorieEs war aber Hævnen, eine dänisch-schwedische Produktion, die im Dänischen den passenderen Titel "Rache" trägt, die Bier eine der begehrten Statuetten eintrug. Der Film erzählt die Geschichte zweier Familien: Anton (Mikael Persbrandt) pendelt zwischen der ländlichen Idylle Dänemarks und einem Flüchtlingslager in Darfur, Sudan. Der Arzt sieht sich mit Tod und Grausamkeit konfrontiert, und sein Kampf mit blutdurstigen Clan-Führern hindert ihn daran zu erkennen, dass sein Sohn Elias (Markus Rygaard) selbst einen ungleichen Kampf gegen Schulrüpel auszustehen hat. Als Christian (William Jøhnk Nielsen), der Sohn der anderen Familie, Elias zu Hilfe kommt, entsteht zwischen beiden eine Freundschaft, die auf Verzweiflung und Einsamkeit beruht, dem zentralen Punkt des Films. Die beiden Zwölfjährigen finden einen Weg, mit ihren Schwierigkeiten fertig zu werden - Elias mit den Schulrüpeln und Christian mit dem Krebstod seiner Mutter.

Der Stil der Kopenhagener Regisseurin stellt zusammen mit den beunruhigenden Werken von Lars von Trier und Thomas Vinterberg (Dogma 95) eine Abkehr vom klassischen humoristischen dänischen Kino dar. Biers Film ist kein Film über Dänemark, noch ist er ein besonders dänischer Film. Vielmehr geht es um den Kampf gegen die Regeln der Zivilisation: So sehr Menschen sich auch bemühen, mit Trauer und Wut fertig zu werden, der Urtrieb, Rache zu üben und für Misshandelte Gerechtigkeit einzufordern, lässt sich nicht unterdrücken.

Vielleicht kein so glückliches Land, aber ein menschliches

Der Konflikt zwischen dem, was wir tun sollen, und dem, was was uns unser Herz sagt, ist Teil des Lebens. Der Trick ist herauszufinden, wie man damit umgeht. Soll man Ideale aufgeben und dem Instinkt folgen und fatale Konsequenzen in Kauf nehmen? Oder sich in sein Schicksal finden?

Dänen sind die glücklichsten Menschen der Erde. Sie sind stolz auf ihre zivilisierte Gesellschaft; umso beunruhigender ist es, eine Geschichte von Rache, Gerechtigkeit und Gewalt mit der friedlichen dänischen Landschaft im Hintergrund zu erleben - Teile des Films wurden auf Funen, Dänemarks drittgrößter Insel gedreht. Ist die dänische Zivilisiertheit also nur ein dünnes Mäntelchen, das animalistisches Triebverhalten notdürftig verdeckt? Die Antwort, die Hævnen gibt, ist erschreckend.

Haevnen (In einer besseren Welt) kommt am 17. März in deutsche Kinos. Kinostart in Großbritannien: 13. März; in Frankreich: 16. März; in Griechenland: 24. März.

Foto: (cc)In a Better World bei imdb