Kultur

Ode an einen Abend in Rom

Artikel veröffentlicht am 7. Juli 2009
Artikel veröffentlicht am 7. Juli 2009

Der Sonnenwagen

steht bereits

am tiefsten Punkt

der Tagesreise

und taucht

in rotgoldenen Schein

Hügel,

Dächer,

Kirchturmspitzen.

Der sanfte Atem

des Aiolos

trägt Kinderstimmen,

die einem Ball nachjagen,

der eben verschwand

im glitzernden Nass

des Tiber.

Wie eine Schlange

mit verborgenem Haupt

windet sich dieser

im Herzen

der Stadt,

vor deren Mauern

einst Remus starb.

Breitgepflastert

laden engelsgleiche Brücken ein,

auf ihren Schwingen

zu verweilen.

Am Platze,

wo Stufen den Hügel erklimmen,

auf denen Wanderer

rasten,

flattern auf

die grauen Tauben

zu landen auf den Stühlen,

wo sich Weißbrotkrumen

durchtränken mit

toskanischem Wein.

Wir tauchen

unsere Gesichter

tiefer und tiefer

in das tomatenrote Paradies

aus Hefeteig

und Büffelmozarella,

die sanft verschmolzen

manche Seele streicheln.

Himmlischer Duft

von Basilikum

und Liebesglück,

Plauderei und Räucherspeck

erfüllt

das friedliche Summen des Abends.

Nebenan

spritzen Neonröhren

buntes Licht,

zu wecken

das schlummernde Nachtleben,

das sogleich

aufschlägt die Augen

und neugierig blickt

ins Angesicht der Dämmerung.

Schmuckhandwerk

aus süßlichem Kitsch

verstreut über

Klapptischchen mit Samtbezug

lächelt

von jeder Straßenecke,

die das Geheimnis birgt

eines neues Kopfsteinweges

der irgendwann

wieder zum Anfang führt.

Venus blickt

wohlgesonnen

aus der Brunnen Freudenstrahl,

lässt erglimmen

die Gemüter

zu Melodien

von Herzenswärme

in fremd-bekannten Tönen.

Gelassen schlendern

wir Vertrauten

der Dunkelheit entgegen,

unter Brücken,

über Brunnen,

irgendwo

zwischen Pflaster und

dem Gewölbe des Firmaments.

Ein Flüstern,

vielleicht

ich liebe dich,

ich weiß es nicht.

Du lächelst

und deine Augen glühen

gleich flirrenden Lichtern der Stadt

im dunkeln Meer

aus rotbraunen Dachterrassen,

in dem sich spiegeln

die Sterne,

die zu erwachen beginnen

am Himmelszelt.

Platz 3 - Das sagte die Jury: "Du lächelst und deine Augen glühen gleich flirrenden Lichtern der Stadt". In ihrem Gedicht beschreibt Joanna Louise Rom, und fängt dabei die Facetten der ewigen Stadt einmalig atmosphärisch ein.