Kultur

Nobelpreis für Peru: Vargas Llosa, Literatur und Macht

Article published on 8. November 2010
Article published on 8. November 2010
Seit Wochen ist sein Name in aller Munde: Mario Vargas Llosa - ausgezeichnet mit dem Literaturnobelpreis 2010. Die Schwedische Akademie würdigt den 74-Jährigen für seine „Kartographie der Machtstrukturen und scharfkantigen Bilder individuellen Widerstands, des Aufruhrs und der Niederlage“.
Zeitgleich findet eine Ausstellung in Paris über das Leben und Werk des peruanischen Schriftstellers und Politikers statt, den ein großer Teil seines Lebens mit der französischen Hauptstadt, Madrid und London verbindet.

Feuer ist Hitze, Leidenschaft und Weisheit. Aber auch mit Krieg und Kampf wird es in Verbindung gebracht. In der Literatur kann es für Liebe, Wut und Erkenntnis stehen. „Literatur ist Feuer“, sagt Vargas Llosa - 1936 in der peruanischen Stadt Arequipa geboren. „Sie bedeutet Nonkonformismus und Rebellion. Der Daseinsgrund eines Schriftstellers ist der Widerstand, der Widerspruch und die Kritik.“ (Auszug aus seiner Rede bei der Entgegennahme des Rómulo-Gallego-Preises 1967, einem der wichtigsten Literaturpreise Lateinamerikas.)

Als Schriftsteller mit Leib und Seele begeisterte sich Mario Vargas Llosa schon von klein auf für Literatur. Kaum hatte er gelernt zu schreiben, da verfasste er schon Gedichte. Mit 16 Jahren schrieb er sein erstes Theaterstück Die Flucht des Inka (1952). Gegen den Widerstand seines Vaters begann er zu studieren und promovierte 1958 an der Universität in Madrid mit einer Dissertation über den nicaraguanischen Poeten Rubén Darío. Er hatte noch einen weiten Weg und zahlreiche Stationen vor sich, bis er zu einem bedeutenden Schriftsteller wurde: In Lima, Madrid, London und New York verbrachte er einen großen Teil seines Lebens.

Seit 1980 wurde Mario Vargas Llosa auch politisch aktiv. Seine liberale Gesinnung prallte auf die linksgerichtete Politik der damaligen Zeit, was ihn jedoch nicht daran hinderte im Jahre 1990 für das Präsidentenamt in Peru zu kandidieren. Er verlor in einer Stichwahl gegen Alberto Fujimori, Peruaner japanischer Abstammung, und kehrte nach Madrid zurück. Das Fest des Ziegenbocks (2000) spiegelt seine politischen Ideale wider. Politik und Ideale gehen für ihn Hand in Hand. „Ich werde weiterhin über das schreiben, was mich am meisten beflügelt und meine Ideen, die Demokratie und den Liberalismus verteidigen und an jeglicher Form des Autoritarismus Kritik üben.“

Zwanzig Jahre nach seiner politischen Niederlage widmet ihm die Maison de l’Amérique Latine [Lateinamerikahaus] in Paris in Zusammenarbeit mit dem Instituto Cervantes eine Ausstellung über sein Leben und Werk. Paris, die Stadt in der Gespräche in der Kathedrale (1969) entstand, ist auch die Stadt, zu der er nach eigenen Worten eine innige Liebe verspürt. “London ist eine Stadt, in der ich mir vorstellen könnte zu leben, aber sie erweckt in mir nicht diese Leidenschaft wie Paris.“

Am 7. Oktober ehrte ihn die Schwedische Akademie mit dem Nobelpreis. „Ich war völlig überrascht“, sagte er noch am gleichen Tag in einem Interview mit dem spanischen Radiosender Cadena Ser. „Da es ein Literaturnobelpreis ist, hoffe ich, dass man ihn mir mehr für mein literarisches Schaffen und weniger für meine politischen Ansichten überreicht. Erst jetzt wird meinen Bemühungen zur Verteidigung der Demokratie und Freiheit und Ablehnung von Diktaturen Beachtung geschenkt. Es wurde auch langsam Zeit.“

Die Worte des Schriftstellers werden für immer unvergesslich bleiben: „Unsere Berufung hat uns zu Schriftstellern gemacht, zum Sprachrohr der Unzufriedenen, zu Unruhestiftern der Gesellschaft, zu Rebellen und Aufständischen, zu ungeliebten Fürsprechern des Teufels. Ich weiß nicht, ob das gut oder schlecht ist. Ich weiß nur, dass es so ist. Das ist das, was uns Schriftsteller ausmacht und diesem Anspruch müssen wir gerecht werden“.

Foto: Memoiren von Vargas Llosa "Der Fisch im Wasser" (Verlag: Seix Barral)