Kultur

Nachruf: P183 aka der ‚russische Banksy’

Artikel veröffentlicht am 10. April 2013
Artikel veröffentlicht am 10. April 2013
Am 2. April 2013 verbreitete sich die Meldung vom Tod des 29-jährigen Street Art Künstlers wie ein Lauffeuer im Internet. P183 war in Russland nicht sehr bekannt, aber im Ausland berühmt: einige britische Zeitungen hatten Fotos seiner Arbeiten veröffentlicht und Aufmerksamkeit auf das junge Talent gelenkt, das sie mit Banksy verglichen – sehr zum Verdruss von P183.

Eine riesige Brille im Schnee, Bereitschaftspolizisten auf den Glastüren einer U-Bahnstation (siehe Video) oder der Brückenbrandstifter: Das sind einige Beispiele für die Arbeiten des russischen Graffitikünstlers, der sich hinter dem Pseudonym Pasha183 oder kurz P183 verbarg. Manche bezeichneten ihn als den „russischen Banksy“, seit einige Zeitungen des Vereinigten Königreichs, unter anderem der Guardian, den Street Art Künstler vor etwa einem Jahr entdeckt hatten. Aber der „russische Banksy“ mochte seinen internationalen Spitznamen nicht: durch diesen Vergleich würden sein eigener Stil und seine Technik nicht genug gewürdigt, meinte er. Über seine Identität war zu seinen Lebzeiten nicht viel bekannt und bleibt auch nach der überraschenden Nachricht von seinem Tod am 2. April ein Rätsel. Über die Todesursache teilte die Moskauer Theatergruppe Teatralnoye Delo, die die Nachricht bekannt gab, nichts mit.

Identität: unbekannt

Pasha183 hatte Rampenlicht und Medienrummel stets gemieden – deshalb ist nur wenig über sein Leben und seine Identität bekannt. Die russischen Medien kennen nicht einmal seinen Nachnamen – sie nennen ihn einfach Pawel. Die einzigen verlässlichen Informationen finden sich auf seiner offiziellen Webseite und seinem Blog, wo er sich selbst mit wenigen Worten vorgestellt hatte. Er schreibt, dass er 1983 in Moskau geboren wurde und einen Studienabschluss in Kommunikationsdesign hat. Einige munkeln, er legte so großen Wert auf den Schutz seiner Privatsphäre, um als politischer Aktivist nicht für sein Engagement verfolgt zu werden. In dem einzigen Fernsehinterview, das er dem englischsprachigen Sender Russia Today gab, versteckt er sein Gesicht unter einer Maske.

P183 liebte es, mit vergänglichen Materialien wie Schnee zu arbeiten.

P183 benutzte verschiedene städtische Umgebungen als Hintergrund für sein künstlerisches Wirken: verlassene Gebäude, Brücken oder freie Plätze. Er liebte es, Metaphern mit vergänglichen Materialien wie Schnee zu schaffen (zum Beispiel die Brille im Schnee), weswegen seine Kunst nicht von langer Dauer war. P183s Vermächtnis: Installationen und Projektionen seiner Kunst. Denn Pasha filmte seine Arbeit oft und postete die Videos auf YouTube, um seine Projekte so unsterblich zu machen. In letzter Zeit wirkte er aktiv an einer Vielzahl von verschiedenen Ausstellungen in Europa und den USA mit. Eines seiner letzten Projekte war das Musical Todd, eine Rock-Oper der berühmten russischen Punkband Korol I shut, das momentan in Moskau aufgeführt wird. P183 hat das Bühnenbild dafür erstellt. Dieses Projekt sollte sein letztes gewesen sein.

Illustrationen: Teaser: aus der Installation ‘Spirits of the Forest’ von P183; alle ©P183