Kultur

Museum: die 27 Gesichter Europas

Artikel veröffentlicht am 25. Februar 2008
Im Magazin veröffentlicht
Artikel veröffentlicht am 25. Februar 2008
Eine Ausstellung in Brüssel erzählt die Geschichte von Europa und dessen Bewohnern. 'C’est notre histoire' wurde anlässlich des 50-jährigen Jubiläums der Römischen Verträge ins Leben gerufen.

Alltagsgegenstände, Kunstwerke, Dokumente und Bilder aus dem Archiv: mit modernsten museologischen Mitteln und insbesondere den persönlichen Geschichten von Bürgern aus den 27 Mitgliedstaaten, werden 50 Jahre Europaabenteuer im Brüsseler Musée de l'Europe ausgestellt. Es ist im Übrigen das Bild seiner Bewohner, das den Besucher am Eingang der Ausstellung empfängt. Das Porträt gleicht einem offiziellen Foto beim Zusammentreffen von Staatsoberhäuptern.

Die Brüsseler Vision der Siebenundzwanzig ist eine 'betagte' Vision Europas (Foto: ©expo-europe.be/TOUR & TAXIS)

Die Geschichte Europas ist nicht nur eine Geschichte der Institutionen und Regierungschefs: "Europa ist auch ein Ort des Friedens", erklärt Benoît Remiche, Kurator der Ausstellung, "ein Ort gemeinsamer Erinnerungen". "Dabei ist die europäische Identität nicht exklusiv. Sie fügt sich anderen Identitäten hinzu, sie ersetzt sie nicht." Der Krieg gehört zu den Erinnerungen, die allen Europäern gemein sind. Ein Höhepunkt der Ausstellung sind hundert schwarze Schuhe, die, angebunden an Schnüren, im Marschschritt gehen und den Schrecken des Krieges symbolisieren.

Handschlag am Ende des Tunnels

Die Geschichte Europas ist aber auch die der einfachen Leute. Wie zum Beispiel die von Inge und Klaus Stürmer, die am 14. September 1962 durch einen Geheimtunnel aus Ost-Berlin flohen. Oder die Sandra Kalnietes: Die im Gulag geborene Lettin organisierte 1989 den "Baltic Way" in Lettland, bei dem eineinhalb Millionen Menschen eine 630 Kilometer lange Menschenkette bildeten und die Hauptstädte der drei baltischen Staaten verbanden. Die Ausstellung zeigt auch die Geschichte von Jean-Louis Beckene, Oberfeldwebel des Eurokorps, der an Einsätzen im Kosovo und in Afghanistan teilnahm. Nicht zu vergessen ist auch die Erinnerung an die zwei Bauarbeiter Roger Lavis (Großbritannien) und Philippe Cozette (Frankreich), die sich am 1. Dezember 1990 die Hand reichten und die Verbindung Frankreichs und Englands durch den Ärmelkanal besiegelten.

Eine Folge optischer, akustischer und sensorischer Eindrücke regen zum Nachdenken an. Durch die interaktiven Ausstellungsobjekte wird der Besucher von 'C’est notre histoire' eingeladen, selbst aktiv zu werden und 'unsere Geschichte', deren Idee und Entwicklung nachzuverfolgen.

Praktische Informationen

'C'est notre histoire' verlängert bis 12. Mai 2008.

Öffnungszeiten: Montag bis Freitag von 9.00 bis 17.00 Uhr; Samstag, Sonntag und Feiertage von 10.00 bis 18.00 Uhr.

Adresse: Tour & Taxis, 86, avenue du Port, Brüssel

Eintritt: 15 Euro

(Fotos: ©expo-europe.be/TOUR & TAXIS)