Kultur

Moby Play(s)4Climate: "Man sollte nicht einfach nur wütend sein"

Artikel veröffentlicht am 16. September 2009
Artikel veröffentlicht am 16. September 2009
Im Rahmen der Umweltoffensive Play4Climate gibt Moby in Europa eine Reihe Gratiskonzerte im Kampf gegen den Klimawandel. Cafebabel.com hat ihn in Stockholm getroffen.

Moby arbeitet hauptsächlich in New York. Heute treffen wir ihn jedoch in Schweden. Der ursprünglich aus Connecticut stammende DJ, Sänger und Songwriter wirkt lässig. Moby hat sich in den letzten Jahren verändert. Beigetragen haben dazu hauptsächlich seine Erfahrungen im Präsidentschaftswahlkampf der USA, die Diskussionen mit Al Gore über den Klimawandel und sein neustes, durchaus vertraut klingendes Album Wait for Me.

Die Ziele sind hoch gesteckt: Mehr als 30 Millionen junge Menschen zwischen 15 und 34 Jahren sollen Teil der Kampagne werden.

Zu Besuch in Schweden, beteiligt sich Moby im Rahmen der Play4Climate Kampagne an Diskussionen zum Thema Umwelt und Klimaschutz. Play4Climate.eu, MTV und die Europäische Kommission wollen vor dem UN-Klimagipfel in Kopenhagen im Dezember mit diesem gemeinsamen Projekt den Klimawandel in das Bewusstsein der europäischen Jugend rücken. Die Ziele sind hoch gesteckt: Mehr als 30 Millionen junge Menschen zwischen 15 und 34 Jahren sollen Teil der Kampagne werden. Denn die Umwelt-Debatte soll auch in Zukunft nicht versiegen. „Das ist doch das einzig wichtige Thema“, so Richard Melville Hall alias Moby. „Alles andere kann warten!“

Wut und Standby-Knopf einfach ausschalten

©play4climate.euAls Moby der Ernst der Lage vor 15 Jahren bewusst wurde, begann er sich mit dem Thema Umwelt auseinanderzusetzen und engagierte sich seitdem auf nicht selten militante Art und Weise für Mutter Erde, was ihn oftmals zur Zielscheibe des Spotts machte. Heute versucht Moby, inzwischen seit 22 Jahren Veganer, sein Anliegen auf positivere Art und Weise zu vermitteln. „Man sollte nicht einfach nur wütend sein“, erklärt er. Denn diese Wut beeinflusse auch die Wirkung der Nachricht.

Der Einsatz Europas gegen den Klimawandel begeistert den Musiker. Gleichzeitig verärgern ihn die USA, die seiner Meinung nach nicht ausreichend daran arbeiten, ihre Abhängigkeit von Öl als Ressource zu verringern. Dahinter stecke, so vermutet Moby, der große Einfluss der Öl-Lobby. „Schaltet den Standby-Knopf ab. Dadurch können Familien bis zu 200 Euro im Jahr einsparen“, sagt er. Außerdem warnt Moby vor der Macht ölreicher Länder, in denen oft Diktatur herrscht: „Wenn wir Geld nach Venezuela schicken, werden in Göteborg noch lange keine Arbeitsplätze geschaffen.“

Moby hat seine ganz eigenen, mittlerweile auch öffentlich bekannten, politischen Sichtweisen. Und bei Play4Climate steht eindeutig die Politik im Vordergrund. Auf internationalen Gipfeln hält Moby oft Vorträge über die globale Ressourcenverteilung und die Entwicklung von Infrastrukturen in Entwicklungsländern. Er ist überzeugt davon, dass Musik die Brücke zwischen Politik und Kultur schlagen kann. „Es ist schwer, das Interesse der Leute für ein Thema zu wecken, das sie erst in 10 bis 40 Jahren direkt betreffen wird“, räumt er dennoch ein.

In puncto Überfluss- und Konsumgesellschaft zögert Moby einen Moment. „Konsum kann nicht per se kritisiert werden. Trotzdem sollte man sich bewusst machen, was das für die Umwelt bedeutet. Denn natürlich kann man nicht zu 2 Milliarden Menschen sagen: Ihr könnt nicht so viele Autos und Kühlschränke nutzen wie wir im Westen. Genau deswegen dürfen wir in Zukunft nicht mehr so konsumieren wie im Moment. Hier kommen die neuen Technologien ins Spiel.“

©play4climate.euDie Kampagne Play4Climate wurde von der aktuellenschwedischen EU-Ratspräsidentschaftins Leben gerufen. Moby und seine Band spielten am 20. August in Stockholm und Kopenhagen. Die nächste große Veranstaltung im Rahmen der Play4Climate Kampagne ist ein Konzert in Budapest am 19.September, bei dem unter anderem auch die britische Indie-Rock Band Editors auftreten wird.

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