Kultur

„Mein Führer“: Schwarze Komödie über braune Gesellen

Artikel veröffentlicht am 15. Januar 2007
Artikel veröffentlicht am 15. Januar 2007
Der Jude Dani Levy hat eine Komödie über Hitler gedreht. Nun stellen sich die Deutschen wieder einmal die Frage: Darf man über Hitler lachen?

Manche Filme muss man gesehen haben, weil alle anderen sie gesehen haben. So ein Film ist jetzt in den deutschen Kinos: „Mein Führer – die wirklich wahrste Wahrheit über Adolf Hitler“ ist eine Komödie über das Dritte Reich. Gedreht hat sie Dani Levy, ein Regisseur jüdischer Abstammung.

Motivator für den Diktator

Adolf Hitler (Helge Schneider) ist am Boden, deprimiert und beleidigt, dass der Krieg so gut wie verloren ist. Propagandaminister Joseph Goebbels (Sylvester Groth) versucht verzweifelt, ihn noch einmal aufzurichten und will ihn „wie früher“ mitten in Berlin eine große Rede halten lassen. Doch dazu braucht Hitler einen Motivator – Goebbels erinnert sich an Adolf Grünbaum (Ulrich Mühe), einen jüdischen Schauspielprofessor. Der wird kurzerhand aus dem KZ Sachsenhausen befreit und muss nun mit schlechtem Gewissen, Atemübungen und psychologischen Tricks aus Hitler wieder einen richtigen Diktator machen.

Große Aufmerksamkeit ist dem Film gewiss. Ulrich Mühe glänzte dieses Jahr in „Das Leben der Anderen“ und gewann damit den europäischen Filmpreis. Hitler-Darsteller Helge Schneider ist einer der bekanntesten deutschen Komiker. Regisseur Dani Levy gewann 2005 den Ernst-Lubitsch-Preis für eine Komödie über eine jüdische Familie und eifert nun dem Namenspatron des Preises nach: Ernst Lubitsch drehte 1942 in Hollywood die Nazikomödie „Sein oder Nichtsein“, die bisher einzige eines deutschen Regisseurs. Die Feuilletons widmen Levys Film bereits ganze Seiten. Bevor „Mein Führer“ in die Kinos kommt, setzen sich die Deutschen wieder einmal mit ihrer Vergangenheit auseinander. Darf man über Hitler lachen?

Spiel mit Kriegsschiffchen

Dani Levy meint, man darf. Und in der Tat kann man kaum anders, wenn man Hitler als ein erbärmliches Würstchen sieht, das in der Badewanne mit Kriegsschiffchen spielt und erfährt, dass der grausame Diktator früher von seinem Vater geschlagen wurde. Doch leider ist Helge Schneiders Hitler-„Interpretation“ auch das einzig Komische an diesem Film. Das Übrige bleibt in den Bahnen des Gewohnten, vor allem weil der Jude Grünbaum als Erzähler fungiert. Und dessen Geschichte ist zu ernst, um lustig zu sein. Über KZ-Häftlinge kann man eben nicht lachen.

Am Ende bleibt die Erkenntnis, dass Hitler als Person nicht nur grausam und unmenschlich, sondern auch lächerlich gewesen sein muss. Zwar sorgt „Mein Führer“ für einige süffisant-fiese Lacher, die die Zuschauer im Rest Europas auch teilen werden. Aber für sie wird der Film wohl vor allem eines sein: politisch korrekt.

„Mein Führer – die wirklich wahrste Wahrheit über Adolf Hitler“ ist in Deutschland am 11. Januar gestartet. Im Laufe des Jahres kommt er in die europäischen Kinos.

Foto Homepage: Mary Harrsch/ Flickr