Kultur

Mehrsprachigkeit - Die Stunde der Wahrheit für Leonard Orban

Artikel veröffentlicht am 25. September 2008
Artikel veröffentlicht am 25. September 2008
Als Rumänien der EU beigetreten ist, waren die Medien hocherfreut über die Ernennung eines Rumänen zum EU-Kommissar für Mehrsprachigkeit. Seitdem hat es für das im Januar 2007 ins Leben gerufene Amt jedoch immer wieder Kritik gehagelt. Cafebabel schaut hinter die Kulissen.

Leonard Orban, frisch gebackener EU-Kommissar für Mehrsprachigkeit, hatte letztes Jahr mit großem Trara das Jahr der Mehrsprachigkeit und des interkulturellen Dialogs 2008 angekündigt. Er schob zahlreiche Projekte an, die europäische Unstimmigkeiten auf sprachlichem Niveau überbrücken sollten (passenden Artikel auf cafebabel.com lesen). Doch trotz seiner Hyperaktivität im vergangenen Jahr, sind die Resultate bisher mager.

Orban-Flop

©Europäische KommissionOrban hatte beispielsweise versprochen, 2008 ein Erasmus-Programm für Angestellte privater Unternehmen auf die Beine stellen zu wollen. Bisher hat jedoch noch kein einziger Mitarbeiter einer europäischen Firma an einem solchen Austausch teilgenommen. Auch die Kinos wollte der Kommissar für Mehrsprachigkeit revolutionieren: zum Beispiel mit mehr Filmen in Originalversion, auch in großen, kommerzielleren Sälen. Bisher kann jedoch niemand den Beweis dafür liefern, dass in europäischen Kinos tatsächlich 'Mehrsprachigkeit' herrscht. Zu guter Letzt wollte Orban in die Wege leiten, dass auch Doktoranden zu europaweiten Austauschprogrammen ermuntert werden. Mit dem stockenden Bologna-Prozess scheinen diese Ideen jedoch erst einmal auf Eis zu liegen.

Orban-Top

An guten Ideen fehlt es dem Kommissar für Mehrsprachigkeit jedoch nicht. Vom 1. September bis 20. Oktober beispielsweise können sich Schüler der Europäischen Union für den zweiten internationalen Wettbewerb für junge Übersetzer 'Juvenes Translatores 2008' einschreiben, der im letzten Jahr erfolgreich angelaufen ist. Gemeinsam mit der UEFA (Vereinigung Europäischer Fußballverbände) und der Organisation Football against Racism in Europe (FARE) hat er zudem den Anstoß zu einem Fernsehspot zur Förderung und Toleranz von Sprachen gegeben. Der Slogan lautet: "Different languages, one goal" (Verschiedene Sprachen, ein Ziel).