Kultur

Luciana Littizzetto, Prinzessin auf der 'Nudel'

Artikel veröffentlicht am 23. November 2007
Artikel veröffentlicht am 23. November 2007
Bestsellerautorin, Schauspielerin und 'Fernsehclown'. Die 43-jährige, schnippische Italienerin aus Turin hat aus ihrer Selbstironie einen Beruf gemacht.

Bevor sie zum Kabarett kam, gab Luciana Littizzetto neun Jahre lang an Schulen Musikunterricht. Seit sie diesen Beruf an den Nagel gehängt hat, ist ihr Bekanntheitsgrad stetig gewachsen. Littizzetto konnte an verschiedenen Fernseh- und Radiosendungen teilnehmen. Die Tochter eines Milchhändlers ist diplomierte Pianistin und besitzt einen Universitätsabschluss der Philosophischen Fakultät. Sie tritt als Ulknudel in italienischen Fernsehunterhaltungssendungen auf.

Zudem ist Luciana Littizzetto Verfasserin von Büchern mit unmissverständlichen Titeln: La principessa sul pisello ("Die Prinzessin auf der Erbse". "pisello" bedeutet im Italienischen auch "Penis"), Sola come un gambo di sedano ("Einsam wie ein Sellerie: Liebe auf Italienisch") und 2006 Rivergination (etwa: "Rück-Entjungferung"). Letzteres handelt vom neuesten Hype in der Schönheitschirurgie, Frauen wieder zu Jungfrauen zu machen: "Ein paar Minuten, und hoppla, da ist man schon wieder rein und unberührt wie für die Erstkommunion. Das ist so ähnlich, als wenn du das Auto verkaufen willst und den Kilometerzähler auf Null stellst, damit der Wagen wie neu wirkt", schreibt sie.

Littizzetto spricht über alles und ist in Höchstform, wenn sie die komischsten Dinge aus dem Alltag beschreibt: Da gibt es die langjährige Diskussion über Herrenunterwäsche (Boxer oder Slip), oder die Probleme des Singles auf der verzweifelten Suche nach Liebe. Sie nimmt aber auch die Politiker aufs Korn, von Prodi über Berlusconi bis zu Kardinal Camillo Ruini (ehemaliger Präsident der italienischen Bischofskonferenz, A.d.Ü.), den sie freundschaftlich 'Eminenz' nennt. Dazu sitzt sie während der bekannten Sendung Che tempo che fa des italienischen Senders RAI mit übereinander geschlagenen Beinen auf der Schreibtischkante des Fernsehmoderators Fabio Fazio.

Wann wurde dir klar, dass du deinen Hang zur Ironie zum Beruf machen könntest?

Es gab kein Zeichen von oben, keine "Bekehrung auf dem Weg nach Damaskus". Ich habe keinen "heiligen Ruf" vernommen. Aber bereits als kleines Mädchen las ich sehr gern und hörte viel Radio. Ich wäre gern Schauspielerin geworden, die Romane im Radio vorliest. Damals waren Fernseher noch nicht in Mode, und wir hörten immer Radio. Wenn ich nicht zur Schule gehen konnte, weil ich wieder mal mit meinen Mandeln auf Kriegsfuß stand, hörte ich mir diese Schinken an und sagte mir: "Wenn ich groß bin, dann will ich Schauspielerin werden." Ich mochte es auch zum Spaß mit meinen Klassenkameraden Theater zu spielen und meine Lehrerin (sehr gütig...) ließ mir ab und zu etwas Freiraum dafür. Ich wäre gern zur Schauspielschule gegangen, aber meine Familie erlaubte mir nur Klavier zu spielen. Nachdem ich das Konservatorium mit dem Diplom in der Tasche verlassen hatte, meldete ich mich endlich an einer Theaterschule an. Und dort hat alles begonnen. Mit Entschlossenheit und viel Überzeugung.

Du bist ein Energiebündel, immer mit einer witzigen Bemerkung zur Stelle. Aber was findest du eigentlich wirklich lustig?

Sehr lustig finde ich Familientreffen. Meine Tanten vor allem, die in ihrer eigenen Welt leben, die für mich noch etwas unverständlich ist. Meine Familie besteht aus Menschen, die einerseits sehr ernst, andererseits völlig verschroben sind. Einer ist Arzt, eine Lehrerin, ein anderer Angestellter und in ihrer "perfekten" Existenz entpuppen sich am Ende alle als etwas absonderlich. Sie waren und sind für mich eine Quelle der Inspiration. Häufig entstehen komische Situationen, wenn man zusammen an einem Tisch sitzt. Dort entstehen meine Sketche und meine Figuren.

Was macht dich richtig wütend?

Ich kann Intoleranz nicht ausstehen, wenn Menschen ihre Mitmenschen nicht ertragen. Ich kann nicht verstehen, wenn die Leute im Auto, in der Warteschlange, auf der Post wütend werden, wenn jemand wegen einer Lappalie vor Wut schäumt. Das finde ich einfach entwürdigend. Auch Knauser kann ich nicht ertragen, die in ihrer Welt gefangen sind und nie aus sich heraus gehen. Und dann diesen Anspruch der Männer, immer Recht haben zu wollen! Man kann zu einem bestimmten Zeitpunkt im Leben auch mal zugeben, dass man unrecht hatte. Lernen, seine Grenzen einzugestehen, es fertig bringen, um Entschuldigung zu bitten oder ganz einfach den Mut haben, zuzugeben, dass man einen Fehler gemacht hat.

Was sind die wesentlichen Eigenschaften eines guten Komikers?

Man sollte wissen, wann man die Maske ablegen und wann man sie aufsetzen soll. Ein guter Komiker ist nicht rund um die Uhr Komiker. Wenn er bei Anderen auf der Bühne steht, muss er Respekt zeigen. Jeder besitzt seine eigenen Zeiten und Räume, die sind unantastbar. Ein Komiker muss auch immer wieder Neues ausfindig machen und darf sich nicht darauf beschränken, die Arbeit der Anderen zu kopieren. Natürlich ist es auch eine Charakterfrage, Talent allein genügt nicht. Man muss hartnäckig und zäh sein, nicht bei der ersten Schwierigkeit das Handtuch werfen. Für eine Frau ist es nicht ganz einfach, diesen Beruf auszuüben. Darum muss man unermüdlich und entschlossen sein. Diese Eigenschaften haben aber mit dem Bühnentalent an sich nichts zu tun.

In welcher Stadt im Ausland würdest du gern leben?

In Lissabon. Ganz einfach, weil ich noch nie dort war und weil ich eine Schwäche für die Bücher von Fernando Pessoa habe. Ich stelle mir Lissabon etwas melancholisch vor: als ein Ort, an dem ich meine Dimension finden könnte. Eigentlich ist es vor allem diese Vorstellung, die es mir angetan hat. Vielleicht war ich darum noch nie dort und möchte die Stadt eigentlich gar nicht kennenlernen. Ich behalte diesen Traum lieber im Herzen, denn sonst werde ich vielleicht enttäuscht. Ansonsten würde ich eine Stadt in Spanien wählen.

Welche Männer sind die attraktivsten in Europa?

Die Spanier. Sie sind ein wenig ausgeflippt, wie wir Italiener. Sie haben alle etwas Theatralisches an sich, sie sind offen, herzlich und gefallen mir, weil sie direkt sind, gern Feste feiern und das Leben genießen.

Luciana Littizzetto live on screen

Foto: Paolo Ranzani