Kultur

Live in Aarhus: The XX auf Europatournee

Artikel veröffentlicht am 29. Januar 2010
Artikel veröffentlicht am 29. Januar 2010
Die Briten von The XX sind eine der musikalischen Entdeckungen des Jahres 2009. Im dänischen Aarhus konnten sie den Erfolg ihrer Europatournee bestätigen. Trotz stürmischem Wind war das Publikum in der VoxHall zahlreich und bejubelte das englische Trio.

Es war der zweite Termin und der zweite ausverkaufte Abend der englischen Indie-Rockgruppe The XX, Neuentdeckung des Jahres 2009. Dem starken, unerbittlichen Wind zum Trotz standen bereits Stunden vor dem Konzert etwa 100 Personen am Einlass der VoxHall. In dem bekannten Musik-Club in Aarhus treten regelmäßig Vertreter der internationalen Musikszene auf. Die Location wird in Dänemark nur vom Vega in Kopenhagen übertroffen.

Zahlreiche Ray-Ban Wayfarer-Träger und Karohemden hatten sich versammelt. An diesem Abend scheint sich in der VoxHall das gesamte Hipster-Volk aus Aarhus verabredet zu haben, auch wenn das Publikum insgesamt eher gemischt ist. Man sieht musikalisch avantgardistisch orientierte Vierziger ebenso wie allein erschienene Jugendliche, die dem Musikgeschmack ihrer Altersgruppe anscheinend „voraus“ sind.

Olivier und Romy (Foto ©gzig/flickr)

Als Vorgruppe der XX tritt auf dieser Europa-Tournee das kanadische Elektronik-Duo The New Look auf und der Alkoholspiegel erreicht schnell den Standard eines klassischen Wochenendes in Dänemark. Das Londoner Trio betritt die Bühne gegen 22.00 Uhr: zwei Stimmen, eine Gitarre, ein Bass, ein Keyboard und eine Drum Machine. Nach dem Austritt von Baria Qureshi im vergangenen November widmet sich Jamie nun sowohl den Beats als auch den Keyboards und webt geschickt ein Tuch aus Klängen, auf dem die Stimmen von Romy und Olivier abwechselnd weiche Motive kosmischer Melancholie zeichnen.

Das weibliche Publikum ist gefangen im Blick von Olivier, der trotz seines zarten Alters alle Tricks zu kennen scheint, um die Aufmerksamkeit der Damenwelt auf sich zu ziehen, wie mir ein Mädchen gesteht, die neben mir die Darbietung verfolgt. Die weniger ausgeprägte Bühnenwirksamkeit von Romy unterstreicht ihre schattenhafte Erscheinung: Sie wirkt dunkel und bescheiden, so wie ihre Texte. Ihre Stimme ist weich, aber mit klarer Färbung. Bei der sanften Intro von "VCR" (die als nächste erscheinende Single) kommt die plötzliche Erleuchtung: Ich erinnere mich an die düstere Atmosphäre der Achtziger und das Album Ceremony der englischen Band New Order. Die Songs fließen dahin, fast in der gleichen Reihenfolge wie auf dem Album. Es gibt nur wenige Unterbrechungen: Die Musik verstummt kurz, Olivier dankt dem Publikum und präsentiert das Kyla-Cover "Do You Mind".

Die Gesangleistung ist beachtlich, die instrumentale Umsetzung makellos, besonders wenn man bedenkt, dass dies ihr Debüt-Album und ihre erste Tour ist. Das einzige Minus: die katastrophale, sprich viel zu extreme Verstärkung der Stimmen und Bässe, die, vor allem am Anfang, den Strom der Klänge störte und in völligem Widerspruch zum ausgewogenen Soundmix der Album-Versionen stand.

Alles in allem ein gutes Konzert, dem jedoch noch das gewisse Etwas fehlte, das den Unterschied macht und eine unterhaltsame Darbietung zur wahren Show werden lässt. Vielleicht fehlt noch ein wenig Erfahrung, die Fähigkeit, Texte zum Leben zu erwecken und den Zuhörer in die Welt der Musik eintauchen zu lassen, wenn dies auch andererseits in der indolenten Natur der XX liegt. 

(Fotos ©stafanomaselli/flickr,  ©gzig/flickr. Vídeo: ©youngturksrecord/Youtube)