Kultur

Kryštof Hádek: Der neue Star des tschechischen Kinos

Artikel veröffentlicht am 1. März 2010
Artikel veröffentlicht am 1. März 2010
Mit 27 Jahren ist dieser junge Schauspieler gerade zu einem der „Shooting Stars“ der Berlinale 2010 gewählt worden - eine Auszeichnung, mit der die zehn besten europäischen Nachwuchsschauspieler bedacht werden. Eine Begegnung mit dem neuen Liebling des tschechischen Kinos.

Krytšof ist müde. Die Berlinale bedeutet keine Erholung, besonders dann nicht, wenn man einer der zehn Preisträger der Berlinale Shooting Stars ist. Zwischen rotem Teppich und Preisverleihung gilt es Kontakte zu knüpfen. Sein Flugzeug nach Prag geht in wenigen Stunden, aber er hat uns trotzdem versprochen, uns eine halbe Stunde seiner Zeit zu widmen. Treffpunkt ist ein Luxushotel nicht weit vom Potsdamer Platz, das ihm die Festivalorganisation besorgt hat. Im gedämpften Ambiente des Foyers stößt er zu uns. „Ich sollte heute Mittag auschecken, aber da war ich in der Stadt. Als ich ins Hotel zurückkam, musste ich eine Nacht extra zahlen.“ Grund genug für schlechte Laune. Doch Kryštof ist die Gelassenheit in Person.

Tschechische Schauspielerinnen

Kryštof Hádek gibt sich nach seiner Nominierung relaxtDies war jedoch nicht immer der Fall. „Als Kind konnte ich nicht still sitzen. Ich steckte voller Energie, vielleicht hatte ich sogar ein wenig zu viel davon.“ Seine Mutter, auch sie eine Schauspielerin, meldete Krytšof daraufhin zu einem Theaterkurs an, da sie darin das beste Mittel sah, die überschüssige Energie ihres Sohnes zu bändigen. Seitdem hat ihn die Schauspielerei nie wieder losgelassen. Seine Familie stellte eindeutig eine große Inspiration für ihn dar. „Mein großer Bruder ist auch Schauspieler. Als ich 14 Jahre alt war, habe ich ihn in Begleitung von großen tschechischen Schauspielerinnen gesehen. Sie waren Prinzessinnen, die ich im Fernsehen anhimmelte, während sie voller Ehrfurcht waren, wenn sie mit ihm sprachen. Da fiel es mir ganz und gar nicht schwer, aus diesem Beruf mein Leben zu machen“, sagt Kryštof lächelnd, während er kurz einige charmante Kolleginnen grüßt, die das Hotel verlassen.

ein Film von Tomas (2009) mit Krystof HádekKryštof ist Babelianer. Aber er weiβ es nicht. Er ist in Tschechien geboren, hat bereits in Dublin und London gelebt, wo er ebenfalls gerne arbeitet und an der London Academy of Drama and Music studiert hat. Den Beginn seine Karriere verdankt er seiner zweiten Rolle in Dark Blue World, einer tschechischen Produktion. 2007 spielte er außerdem in Cosmos, einem Film des Spaniers Diego Fandos, der in Prag Filmwissenschaften studiert hat, sowie 2009 in Flickan, einem Film des Schweden Fredrik Edfeldt. Dieser transnationale Parcours stellt eine Gemeinsamkeit zwischen ihm und anderen diesjährigen Shooting Stars dar, wie der Polin Agata Buzek, die er besonders bewundert. Agata Buzek, die auch die Tochter des aktuellen Präsidenten des Europaparlaments Jerzy Buzek ist, arbeitet zwischen Polen und Deutschland.

Facettenreicher im Original

mit cafebabel.comFür Kryštof stellt das europäische Kino eine greifbare Realität dar, die ihre Unterschiede ausschöpfen soll. Dies geschehe zum großen Teil über die Sprache: „Ich bin manchmal von amerikanischen Filmen enttäuscht, in denen ausländische Charaktere von englischsprachigen Schauspielern verkörpert werden. Ihre schauspielerische Leistung ist oft außergewöhnlich. Es ist schon eine echte Heldentat, wenn man mit einem solchen Geschick Akzente imitieren kann. Aber mir fehlt die Originalität dieses Charakters, seine angeborene Vielfalt an Facetten.“ Diese Vielfalt sei es schlussendlich, die die Filme bereichert. „Diese Erkenntnis nimmt übrigens langsam Form an, sogar in den USA. Seht euch beispielsweise Inglorious Basterds an, jeder Protagonist wird in Tarantinos Streifen von einem Schauspieler der zugehörigen Nationalität verkörpert.“

Wahrlich, welche Tristesse, wenn der ganze Reichtum der linguistischen Verwechslungen einer Kinoszene, die dank improvisierter Zeichensprache oder gar primitiven Lautmalereien eigentlich lustig sein sollte, letztendlich durch ein perfektes „Business English“ geglättet wird. Man muss gar nicht lange suchen, um ein frappierendes Beispiel dafür zu finden. Im Eröffnungsfilm der Berlinale 2009, The International, durchqueren zwei englische Fahnder Europa: Wohin sie auch gehen, stets antworten ihnen die Leute in akzenfreiem Englisch. In dieser idealen Welt ist es nicht nötig, mit drei unterschiedlichen Sprachen zu hantieren, um sich verständlich zu machen (so wie im echten Leben)!

Lesepause während des InterviewsKryštof nennt übrigens auch das perfekte Beispiel für einen Film, in dem diese linguistische Asymmetrie zu einem zentralen Erzählelement wird. Es handelt sich dabei um einen lappländischen Film, Katushka, in dem eine Lappländeri während des zweiten Weltkriegs bilden. „Keine Figur versteht die andere. Der einzige, der hier den Durchblick hat und etwas versteht, ist der Zuschauer, für den die Dialoge untertitelt sind.“ Die Verwirrung und das Unerwartete machen den Film aus. Danke für diese Gedanken Kryštof Hádek, nun bleibt uns nur noch, uns in die „Babelisierung“ des Weltkinos zu stürzen. Es reicht, daran zu glauben…

Fotos : ©Katarzyna Swierc