Kultur

Kino zum Selbstmachen

Artikel veröffentlicht am 25. Juli 2007
Artikel veröffentlicht am 25. Juli 2007
Der Kurzfilm Elephants Dream ist die erste europäische 3D-Animation im Netz, die jeder Internaut frei mitgestalten kann.

Elephants Dream ist der erste Animationsfilm in den Weiten des Netzes, der ausschließlich mit kostenloser Software hergestellt wurde. Das Digitalwerk kann frei heruntergeladen werden, der User sich mit den 3D-Darstellungen der Figuren und Schauplätze austoben. Die Sprache des Films ist Englisch. Es sind aber Untertitel in über 30 Sprachen zugänglich. Elephants Dream erzählt den emanzipatorischen Weg der zwei Protagonisten Proog und Emo durch ein digitales Raumlabyrinth.

Finden Sie das Filmende unpassend? Dann ändern Sie es doch einfach! Dazu muss man lediglich den 3D-Kurzfilm gratis aus dem Netz herunterladen und selbst kreativ werden.

Der 11-Minuten lange Film wurde nicht nur mit einem modifizierbaren kostenlosen Programm, auf Basis der sogenannten open source-Lizenz geschaffen, sondern ist gleichzeitig auch ein open movie: Jeder gewiefte Techniker und Informatik-Bastler kann in das Filmgeschehen eingreifen. Denn alle Dateien, aus denen der Film besteht, und die dessen Reproduktion und Veränderung ermöglichen, stehen im Internet frei zur Verfügung.

Die Idee zu diesem Kurzfilm hatte ein internationales Team junger Künstler aus ganz Europa, die sich Orange Team nennen. Sowohl die Teamfarbe, als auch die vielen digital erschaffenen Gänse, von denen es in dem Streifen nur so wimmelt, sind wohl eine Hommage an die Stadt, in der das Projekt das Licht der Welt erblickte: an Amsterdam. Bassam Kurdali, Regisseur und Animationsleiter, zu Elefantenprojekten und Netzträumen.

Open source und open movie - Was muss man sich darunter vorstellen?

Bei open source handelt es sich um Programme, die zusammen mit einem Quellcode und Lizenzen in Umlauf gebracht werden, durch die sie auch mit Veränderungen weitergegeben werden können. Der Begriff open movie deutet vor allem auf die Art des Vertriebs hin: Der Film kann kopiert, modifiziert und weitervertrieben werden, denn die Quellcodes sind für jeden zugänglich. Die Arbeitsgruppe war auch während der Produktionsphase offen für Beiträge von außen, vor allem in Bezug auf 3D-Texturen.

Leidet die Qualität eines Produkts nicht unter der Mitarbeit von Laien?

Nein, das glaube ich nicht. Hier zählt nicht der Einzelne, sondern das kollektive Ergebnis: die Gruppenarbeit. Außerdem besitzen auch viele Nicht-Profis großes Talent. Durch diese Arbeitsmethode lässt sich übrigens auch der Druck vermeiden, der oft bei größeren Produktionen herrscht, von denen sich die Investoren einen entsprechenden wirtschaftlichen Gewinn erhoffen.

Low Budget 3D-Kino: Elephants Dream ist ein Vorreiter auf diesem Gebiet in ganz Europa. Wie entwickelt sich die Szene weiter?

Ich hoffe, dass wir nicht die Einzigen bleiben werden, und dass derartige Projekte zum Beispiel auch in Asien oder Afrika Anklang finden. In Lateinamerika verbreiten sich diese Techniken bereits rasant. Auch wenn ich kein Problem mit dem Erfolg klassischer 3D-Produktionen habe, die geschlossen und nicht interaktiv angelegt sind, so bin ich doch für eine Demokratisierung der Arbeitsinstrumente. 3D-Animation sollten für alle frei zugänglich gemacht werden.

Was für Projekte haben Sie für die Zukunft?

Im Moment arbeite ich an einem Kurzfilm, den ich vorläufig Tube nenne, und der in einer U-Bahn spielt. Ich hoffe, dass ich mit der open movie-Technik auch einen Spielfilm machen kann. Außerdem wollen wir eine neue Art von Filmstudio schaffen, ein open studio, in dem Künstler und Produzenten frei ein- und ausgehen können. Dabei haben wir sowohl kommerzielle Poduktionen im Blick, über die wir uns finanzieren können, als auch künstlerische und persönliche Projekte. Wir möchten ein innovatives Ökosystem aufbauen, innerhalb dessen man Kunstprojekte entwickeln kann, die offen für Beiträge von außen sind.

Sehen Sie ein Interview mit den Machern von Elephants Dream auf Youtube!