Kultur

Kino: Wenn Prinzessinnen zuschlagen

Artikel veröffentlicht am 26. Oktober 2006
Artikel veröffentlicht am 26. Oktober 2006
Filme über Mädchen aus den Vorstädten stehen in Europa hoch im Kurs

Sie prügeln sich, machen Geschäfte oder erpressen. Sie beklauen ihre Freundinnen und spielen sich als Bandenchefs auf. Und jetzt besetzen sie die Kinoplakate: Lolita – das war gestern. Der amerikanische Film On the outs von Lori Silverbush und Michael Skolnik hat vor zwei Jahren den Reigen eröffnet. Der Film wurde auf den Festivals von Sundance und Deauville ausgezeichnet. Er porträtiert die sich überschneidenden Schicksale von drei jungen Mädchen aus den Vororten von New York. Ein Leben zwischen Crack und erster Liebe. Natürlich werden dabei Klischees bedient, denn die trockene Statistik ist keineswegs kinotauglich: Allein in Amerika hat sich die Zahl der inhaftierten Frauen seit 1980 vervierfacht, die der inhaftierten Männer nur verdoppelt.

Auch im europäischen Kino gibt sich das schwache Geschlecht gewalttätig. Prinzessin, der erste Spielfilm der deutschen Regisseurin Birgit Grosskopf, 34, ist roh und weckt keinerlei Hoffnung. Ihre Asphaltprinzessinnen streunen durch eine verlassene Stadt, eine nach der anderen wandert ins Kittchen. Zigaretten und Whiskey vor dem Hintergrund einer ernüchternden deutschen Einwanderungspolitik. „Ich habe mich von den berühmten Mädchengangs in den amerikanischen Ghettos inspirieren lassen, die man heute auch in Europa wieder findet“, erklärte Grosskopf nach der Vorstellung ihres Filmes im Oktober in Paris. Prinzessin wurde dort im Rahmen des alljährlichen Festivals des deutsch-französischen Films präsentiert.

Der Katalane Bigas Lunas, 60, gibt sich optimistischer. Der Autor des Kultfilms Lust auf Fleisch stellte Anfang 2006 seinen Film Yo soy la Juani („Ich bin Juani“) vor. Der Film handelt von einer „Spanierin des 21. Jahrhunderts, die zwar weit davon entfernt ist, ein Opfer der kleinen iberischen Machos zu sein, aber endlich ihr Leben in den Griff bekommen möchte.“ So Lunas in einem Interview mit der spanischen Tageszeitung El Pais. Er wolle „den Glanz, die Moderne und das Potenzial der Städte“ beschreiben. Zumindest der Film hat die Mädchen aus den Vorstädten noch nicht ganz aufgegeben.