Kultur

Joghurt pusten

Artikel veröffentlicht am 3. Oktober 2007
Artikel veröffentlicht am 3. Oktober 2007

Schlechte Erfahrungen, aus denen man später Lehren für das Leben zieht, macht jeder einmal. Besonders im Kindesalter. Als ich vor langer Zeit Nachbars Hund, einen Cockerspaniel, streicheln wollte, kläffte er mich zähnefletschend an. Und mir rutschte das Herz in die Hose. Am nächsten Tag machte ich einen großen Bogen um das Höllentier.

Mein Nachbar musste grinsen und sagte: "Ein gebranntes Kind scheut das Feuer." Ich kratzte mich am Kopf. Als ich meiner Mutter von der Geschichte erzählte, sagte sie auf Türkisch: "Wer sich einmal mit heißer Milch den Mund verbrannt hat, der pustet sogar Joghurt" (Sütten az yanan yourdu üfleyerek yer). Langsam wurde ich stutzig.

Auch in Großbritannien, so klärte mich mein Englischlehrer auf, lernt man schnell, wenn man schon einmal gebissen wurde: "Auf der Insel ist man – einmal gebissen - gleich doppelt eingeschüchtert" (Once bitten, twice shy). In Russland ist man eher schreckhaft: Hier fürchtet "eine aufgeschreckte Krähe den Busch" ().

Im Süden Europas muss die Katze daran glauben, wenn man zum Ausdruck bringen möchte, dass man eine Lehre aus einer Handlung gezogen hat: "Eine Katze, die sich verbrüht hat, fürchtet das kalte Wasser", sagt sowohl der Franzose (Chat échaudé craint l'eau froide) als auch der Spanier (Gato escaldado del agua fría huye). In Katalunien gibt sich "eine Katze, die sich verbrüht hat, nun mit lauwarmem Wasser zufrieden" (gat escladat, amb aigua tèbia en té prou).

Ob gebrannt, verbrüht oder gebissen, heißt es in Europa und bei seinen Nachbarn: einmal und nie wieder!