Kultur

Israel und Palästina Face2Face

Artikel veröffentlicht am 21. März 2008
Artikel veröffentlicht am 21. März 2008
Es ist ein einzigartiges und ausgeflipptes fotografisches Unternehmen, auf das sich die beiden Freunde JR und Marco eingelassen haben. Sie zeigen, wie man Europäer auf den Konflikt zwischen Israelis und Palästinensern aufmerksam macht.

"Was ist der Unterschied zwischen einem Palästinenser und einem Israeli?" Auf diese Frage antwortet ein Großteil der Besucher des Internationalen Filmfestivals für Menschenrechte (FIFDH): "Der Palästinenser ist Araber, der Israeli Jude…." Eine etwas vereinfachende Ansicht? Findet das Künstlerduo, das sich aus einem Schweizer (Marco) und einem Franzosen (JR) zusammensetzt, auch und kontert mit der größten urbanen Ausstellung, die die Welt je gesehen hat: Face2Face. Nach Berlin, Arles, Paris, Amsterdam und Venedig hat sie sich nun vom 7. - 16. März in Genf niedergelassen.

©Virginie Gerhard)

Klebereise im Nahen Osten

Die Idee ist simpel: Palästinenser und Israelis fotografieren, die denselben Berufen nachgehen, und diese dann im Riesenformat face to face an Mauern oder Hauswänden ausstellen. Ihre Originalität verdanken die Fotos dem 28-mm-Objektiv, mit dem sie aufgenommen wurden: "Es ermöglicht Dir, bis auf 10 Zentimeter an eine Person heranzugehen, und sehr persönlich mit ihr zu arbeiten", hebt JR hervor. "Du kannst sogar ihren Atem spüren." Dieses Dispositiv schafft eine große Vertrautheit zwischen Fotograf und Modell und gibt den Fotos ihren einmaligen Charakter.

Entstanden ist das Konzept 2005, in Paris. Ein Jahr später, im Dezember, schießt JR bereits Bilder von 41 Freiwilligen in Israel und Palästina: Ärzte, Bildhauer, Friseure oder auch Gläubige haben sich für die Porträtreihe zur Verfügung gestellt. Richtig los geht das Abenteuer aber erst im März 2007: JR und Marco kleben die ersten Plakate in acht Städten im Nahen Osten in die urbane Landschaft. Leitern, Klebstoff und ihre Serie vergrößerter Porträts im Gepäck, führt sie ihre Route von Hebron über Jericho, Ramallah, Tel-Aviv und Jerusalem bis nach Bethlehem und schlussendlich - in einer letzten Etappe vom 4.-7. März - auch zur 'Mauer'. Auf dieses in Beton gegossene Symbol des Konfliktes zwischen Israel und Palästina kleben die Künstler beidseitig ihre Fotografien.

Auf Papier und Leinwand

©blacque_jacques

Hervorgebracht hat diese Unternehmung ein Buch und einen 70-minütigen Dokumentarfilm von Gérard Maximin, der uns an der Geschichte teilhaben lässt und die Reaktionen auf die unkonventionellen Klebeaktionen einfängt. "Wir haben lediglich Vorwarnungen bekommen", resümiert JR vor der Kamera. Auf den anfänglichen Überraschungseffekt folgen jedoch bald Lachen und Neugier. In einem entdramatisierten Kontext sieht man Kinder, Soldaten, Gläubige und Soldaten nachdenklich vor den Bildern stehenbleiben.

Eine kulturelle und politische Ausstellung

©miliou/flickr

Gerade in diesem 'Dialog des Lachens' besteht die ganze Stärke von Face2Face: "Die einzige Vorstellung, die sie vom Andern haben, kommt aus den Medien. Zum Beispiel wenn ein Selbstmordanschlag verübt wurde", kommentiert JR bezüglich der allgemeinen Kenntnisse zum Konflikt. Die Ausstellung zielt darauf ab, vor Augen zu führen, dass die Bewohner der beiden feindlichen Gebiete gar nicht viel trennt. Auf den Fotos kann man Israelis oft kaum von Palästinensern unterscheiden. Mit der europaweiten Ausstellung versucht das Tandem nun uns Europäern Reaktionen zu entlocken: Reaktionen auf absurde Porträts. Und auf einen absurden Krieg, der bereits viel zu lange andauert.

FACE 2 FACE Trailer by JR und Marco