Kultur

Immer wieder Almodóvar

Artikel veröffentlicht am 15. Januar 2007
Artikel veröffentlicht am 15. Januar 2007
Wenn heute Abend in Los Angeles die Golden-Globes verliehen werden, ist auch Pedro Almodóvar mit "Volver" wieder mit von der Partie. Warum ist der spanische Regisseur in Hollywood so beliebt?

Almodóvar. Almodóvar. Almodóvar. Wer hat diesen Namen in den letzten Wochen nicht hunderte Male gehört? Egal, ob man in Paris oder New York wohnt, egal, ob man RAI oder BBC schaut. Almodóvar ist einfach überall. Heute Abend vergibt die HFPA, der Verein der Auslandspresse in Hollywood, die Golden Globes. Der Preis gilt als wichtiger Indikator für die Oscar-Verleihung am 25. Februar. Und wieder einmal ist Pedro Almodóvar in der Kategorie „Bester fremdsprachiger Film“ nominiert.

Natürlich will Almodóvar gewinnen. So wie jeder Hollywoodregisseur, wie Martin Scorsese oder Clint Eastwood. Denn der spanische Regisseur, geboren 1951 in der Region Castilla-La Mancha, spielt längst eine Liga höher als die übrigen europäischen Filmemacher. Sein Stil zieht die Massen an. Unglaublich, aber wahr: „Volver“ (Volver – Zurückkehren, 2006) ist in den USA ein Kassenschlager.

Sein Erfolg in Hollywood begann seltsamerweise mit einem Film, in dem Transvestiten und Prostituierte die Hauptrolle spielen: das Melodrama „Todo sobre mi madre“ (Alles über meine Mutter, 1999). Dieser Film umfasst mit seiner Geschichte die ganze Welt Almodóvars und hat alles für ihn verändert. Er gewann Auszeichnungen bei den Filmfestspielen von Cannes, bei der Verleihung des spanischen Filmpreises Goya, bei den Golden Globes und bei den Oscars.

Nichts blieb seither so, wie es war, vor allem nicht für die Filmkunst Almodóvars selbst. Sein nächstes Werk „Habla con ella“ (Sprich mit ihr, 2001) war ein gewagter und ehrgeiziger Schritt in freieres und spannenderes Terrain. Nichts erinnerte mehr an die Vergangenheit oder an oft wiederholte Themen. Der Film wurde nicht nur mit dem Golden Globe, sondern auch für einen anderen Preis ausgezeichnet, der für nicht-anglophone Regisseure fast unerreichbar ist: dem Oscar für das beste Drehbuch. Nach einem Misserfolg mit „La mala educación“ (Schlechte Erziehung, 2004) kam nun „Volver“ heraus. Ein Film, der Almodóvar über alle heutigen Filmemacher erhebt – glaubt man dem, was gesagt und geschrieben worden ist.

Ein verdienter Erfolg?

Ist dieser letzte Film wirklich so brillant? Inwieweit ist der Erfolg des spanischen Regisseurs gerechtfertigt? Die Preisverleihungen und die Kommentare der amerikanischen Filmkritiker lassen glauben, dass Almodóvar der beste europäische Filmemacher ist – und derjenige, der am besten die Wirklichkeit der spanischen Gesellschaft widerspiegeln kann.

Allerdings sind diese Behauptungen nicht unbedingt gerechtfertigt. Sicherlich hat Almodóvar besonders in seinen ersten Filmen auf ironische Weise das traditionelle „schlampige“ Spanien gezeigt. Aber der Regisseur sucht keineswegs eine rein realistische Darstellung. Es wäre ein großer Fehler zu denken, dass alle spanischen Großstadtbewohner den Figuren seiner Filme gleichen.

Keiner zweifelt an Almodóvars künstlerischem Talent. Dank seines eigenen, eigenwilligen Blickwinkels und einer immer reineren Filmtechnik konnte er zu einem großen Regisseur werden. Aber ist er deshalb gleich der beste, den ganz Europa zu bieten hat?.

Zurzeit gibt es zwei Dutzend europäische Regisseure von gleicher oder sogar höherer Qualität: Vom Österreicher Michael Haneke (Die Klavierspielerin, 2001) bis hin zu den belgischen Brüdern Jean Pierre und Luc Dardenne (L’enfant, Das Kind, 2005). Nicht zu vergessen die „Klassiker“ wie Jean Luc Godard oder Manoel de Oliveira, die immer noch Filme drehen.

Erfolgsrezept: Tragik und Ironie

Worin aber unterscheidet sich Almodóvar? Warum ist der Regisseur aus der spanischen Mancha bekannter als die meisten seiner europäischen Kollegen? Die Antwort liegt wahrscheinlich in der natürlichen Melodramatik seiner Filme. Die Tragik wird immer leicht ironisch gehalten. Musik und Kameraführung schaffen eine eigene Atmosphäre, die das Publikum gefangen nimmt. Außerdem halten Hollywood und die französische Kritik eine schützende Hand über den spanischen Regisseur. Mit all diesen Vorteilen tritt „Volver“ in seiner Kategorie als einer der Favoriten bei der Golden Globe-Gala an.

Die Konkurrenz an fremdsprachigen Filmen ist dieses Jahr hart. Mit dabei sind unter anderem „Lettres from Iwo Jima“ (Clint Eastwood) und „Apocalypto“,(Mel Gibson), zwei US-Produktionen in japanischer bzw. Maya-Sprache. Daneben der deutsche Film „Das Leben der Anderen“ von Florian Henckel-Donnersmark, der allerdings nur Außenseiter-Chancen hat. Der Mexikaner Guillermo del Toro tritt mit einem ebenso erwähnenswerten Streifen an: „El laberinto del fauno“ (Pans Labyrinth). Wird die ausländische Presse in Hollywood dem Charme Almodóvars widerstehen können? In wenigen Stunden kennen wir die Antwort.