Kultur

Hozier: Gottes Wort gegen die Kirche

Artikel veröffentlicht am 3. September 2014
Artikel veröffentlicht am 3. September 2014

Der riesige Dubliner Andrew Hozier spielt inzwischen vor einer Menge Leute. Gerade weil er kein Gläubiger ist, setzt er sich intensiv mit den Lehren der katholischen Kirche auseinander. Wie er es mit dem Rock n' Roll Lifestyle hält, erfahrt ihr außerdem im Interview.

Cafébabel: Es war eine kurze Zeit zwischen deinem Studienabbruch in Dublin und deinem Erfolg heute. Macht dir der Erfolg manchmal Angst?

Hozier: Es war eine Periode, die mehr als drei Jahre gedauert hat. Ich würde das nicht kurz nennen. Für mich war das eine lange, sehr ruhige Zeit. Ich hatte Auftritte, einige Supportgigs, und habe hier und da mit Produzenten aufgenommen. Aber nichts hat sich daraus entstanden: es ist eine Geschichte voller schlechter Anfänge. Ich war mit den Sachen, die ich gemacht habe nicht glücklich und habe verschiedene Sachen ausprobiert. Als ich meine Sachen selbst aufgenommen habe, kam schließlich Take Me to Church beim Prozess heraus.

Cafébabel: Es gibt viele christliche Referenzen in deinen Liedern. Wieso landest du bei diesem Thema?

Hozier: Ich bin keine religiöse Person, aber ich benutze viele Referenzen zur Sprache der Kirche. In einigen Songs gibt es Referenzen zur Bibel. Das hat etwas damit zu tun, dass ich mich mit Gospel- und Kirchenmusik auseinandersetze und einfach die Sprache der Kirche benutze, um eine Aussage über die Kirche zu machen. Ich spreche das Konzept der Sünde an, mit dem ich nicht einverstanden bin. Ich versuche also die Sprache der Kirche gegen sie selbst zu verwenden.

Hozier - Take me to church

Cafébabel: Was gefällt dir am Konzept der Sünde nicht?

Hozier: Es ist ein menschengemachtes Konzept. Die Organisation der Kirche spricht angeblich stellvertretend dafür, was Gott möchte: ich finde das hört sich ziemlich dumm an. Besonders weil es eine Organisation ist, die Menschen lehrt, dass sie sich für sich für ihre natürlichen Bedürfnisse schämen müssen. Ich finde das ziemlich ekelig und die Kirche sollte in Frage gestellt werden.

Cafébabel: Wenn ich reise, dann bekomme ich eine neue Perspektive darauf, wo ich herkomme. Hat sich deine Sicht auf Irland auf Tour verändert?

Hozier: Traurigerweise bekommst du auf Tour gar nicht so viel mit. Du inhalierst die Stadt nicht so ein, wie auf Reisen. Von den unterschiedlichen Mentalitäten bekommt man nur wenig mit. Du siehst auf die Welt von einer Bühne wie durch ein Fenster. Und dann bist du wieder im Bus. Aber ich möchte mehr Zeit an verschiedenen Orten verbringen. Irland ist ein Land, das viele Leute verlassen. Es hat eine lange Geschichte von Menschen, die das Land verlassen. Ich schätze meine Heimat auf eine andere Weise, wenn ich wiederkomme. Es ist ein echter Ort, an den ich immer wieder gerne zurückkomme.

Cafébabel: Lässt sich ein Rock n‘ Roll Leben mit dem Stress vereinbaren, den du hast?

Hozier: Nicht so oft wie man meint. Ich arbeite jeden Tag, also bekomme ich keine freien Tage. Wir haben einige Drinks nach dem Auftritt. Der Rock n' Roll Lifestyle ist für mich, dass ich mich in einem Bus dreckig fühle und nicht zu oft zum Duschen komme. Ich trete auf und gebe eine Menge Interviews. Promotion ist einfach verrückt. Insgesamt komme ich nicht so viel zum feiern.

Hozier - From Eden

Cafébabel: Nervt dich diese Seite an deiner Arbeit nicht? All das facebooken, twittern, instagramen?

Hozier: Manchmal bin ich einfach nur müde und hätte gerne eine Woche frei, in der mich niemand erreichen kann. Manche Dinge frustrieren mich schon, denn Labels sind sehr anspruchsvoll: du musst die ganze Zeit twittern und instagramen. Daran habe ich nicht wirklich gedacht, als ich zu Hause saß und meine Musik gemacht habe. Ich verbringe mehr Zeit damit E-Mails zu beantworten, als Musik machen. Ich hätte nie gedacht, dass dieser Teil der Arbeit einmal so verdammt wichtig werden würde.

Cafébabel: Ich habe gelesen, dass du ein großer Bewunderer von James Joyce bist.

Hozier: Ich hatte einfach nie die Energie Ulysses zu lesen, aber ich mag Dubliners und das Portrait des jungen Manns als Künstler wirklich sehr.

Cafébabel: Was fasziniert sich an diesen Werken?

Hozier: Alleine die Struktur der Sätze ist großartig. Im Portrait wird beschrieben, wie jemand Irland verlässt und versucht seinen Weg als Künstler zu finden. Aber auch die dunklen Märchen von Oscar Wilde sind nicht zu verachten.

Cafébabel: Was magst du besonders an deiner Heimat Dublin?

Hozier: Ich komme aus einem Dorf im Süden von Dublin. Aber ich habe viel Zeit in Dublin verbracht und dort gearbeitet. Es ist eine sehr kleine Stadt. Es ist klein genug, um Leute kennenzulernen. Es kann auch schlecht sein, alle zu kennen, denn du kannst niemanden verarschen, ohne dass er es merkt. Es ist eine offenherzige Stadt.

Das Album Hozier erscheint im Oktober 

Am 20. September könnt ihr Hozier im Stadtgarten in Köln sehen // am 17. September bereits im KOKO in London