Kultur

Honig ums Maul

Artikel veröffentlicht am 28. November 2007
Artikel veröffentlicht am 28. November 2007

Nun ist der Herbst da. Und mit ihm auch die Erkältungszeit. Bewährt hat sich als altes Hausmittel die warme Milch mit Honig.

Der deutsche Ausdruck Honig ums Maul schmieren hat jedoch nicht im Geringsten etwas mit der herbstlichen Schnupfnase zu tun, sondern bezeichnet Personen, die anderen schmeicheln, um eigene Interessen durchzusetzen. Der Honig ist dabei so klebrig, wie das Verhalten des Schleimers, der aus dem Süßholz raspeln gar nicht mehr herauskommt.

Die Franzosen schleimen mit viel Stil und reiben den Gesprächspartner statt mit klebrigem Honig "mit Pomade ein" (passer de la pommade à quelqu'un). Wahlweise geben sie sich aber auch gemeinsam mit den Italienern (essere un lecchino) und Spaniern (hacer la pelota) als "(Speichel)Lecker" (faire de la lèche), um ihren Gesprächspartner sanft in Sicherheit zu wiegen. Der Italiener kann allerdings auch anders und "seift" sein Gegenüber von Zeit zu Zeit säuselnd ein (insaponare qualcuno), wenn er ihm nach dem Mund redet.

In England wird in ähnlichen Situationen kräftig "gebuttert" (to butter someone up). Der Ire hat wiederum seine ganz eigene Methode entwickelt: er schaltet auf den so genannten "Blarney" um, wenn er sich beim Nachbarn "einschleimen" möchte. Einer Legende aus dem 18. Jahrhundert zufolge wurden diejenigen Iren, die einen großen, aus der Festungsmauer von Barney-Castle (Irland) ragenden Kalkstein küssten, zu perfekten Süßholzrasplern. Es wird auch gemunkelt, dass der damalige Besitzer bei Queen Elisabeth ordentlich Süßholz raspelte, um sein Schloss nicht abtreten zu müssen.