Kultur

Hakobo: "Ich höre mir alle Meinungen an, egal ob Literaturkritiker oder Straßenfeger"

Artikel veröffentlicht am 16. April 2010
Artikel veröffentlicht am 16. April 2010
Der polnische Graphiker Jakub Stępień, alias Hakobo (34), stellt seine Werke und sein erstes Buch vom 9. April bis zum 20. Juni in der Galerie Design BWA in Breslau - der so genannten meeting place city - aus. Einen kühlen Kopf behält sich Hakobo, obwohl er zu den 50 besten Designern der Gegenwart zählt, trotzdem.

Der neue Kunstband von Jakub Stępień alias HakoboVom 9. April bis zum 20. Juni 2010 nutzt Hakobo die Gunst der Stunde in Breslau, um seinen ersten Kunstband Hakobo graphic world vorzustellen und die Ausstellungsbesucher in die Welt des Grafikdesigns einzuführen. Darüber hinaus beherbergt die polnische Stadt vom 23. April bis 13. Juni ebenfalls das Straßenkunstfestival Out of Sth, zu dem Wandmalereien und Graffiti aller Art die Straßen Breslaus in Farben tauchen werden. Dass sich dann auch die ganze europäische Grafikerszene (von Mudwig aus Bristol über Dem aus Mailand bis hin zu Vova Vorotniov aus Kiew) in der polnischen Stadt trifft, stimmt den Künstler überaus glücklich. Ein Interview zu seiner Kunst, der Ideenfindung bis hin zur Wahl der Designformen.

Cb: Zuallererst: Wie nehmen Deine Grafikdesign-Projekte konkret Gestalt an?

Hakobo: Das ist ganz unterschiedlich! Normalerweise sammele ich meine Gedanken, mache mir Notizen, fotografiere und fertige Skizzen an. Während der Entstehungsphase lasse ich dann alles weg, was überflüssig ist. Ich möchte, dass selbst ein Plakat nur das Wesen einer Sache ausdrückt. Less is more - die Schlichtheit berührt jeden.

Cb: Dennoch sieht der Betrachter in Deinen Werken oft ganz andere Dinge als die, die Du vermitteln wolltest...

Hakobo: Ja, aber das ist nicht schlimm. Für mich zählt jede Meinung, egal ob die des Literaturkritikers oder die eines Straßenfegers ist. Letzterer hat einen reellen Blick auf die Welt, den ich so vielleicht nicht habe. Und dennoch sollte die Kunst ein wirklicher Spiegel sein. Manchmal - und daran gewöhnt man sich sehr schnell - fragen mich Interessenten, denen ein Plakat besonders gut gefallen hat, ob ich nochmal eine Kopie davon anfertigen könnte. Doch das lehne ich ab, ich verfolge meinen Weg, ohne zurück zu blicken.

Design-BWA - Galerie in Breslau

Cb: Du hast Dich vor allem der Plakatkunst verschrieben?

Hakobo: Es ist eine simple Form, direkt und für jedermann zugänglich. Das Plakat ist eine Art Antwort, es ist vor allem Kunst der Straße, eine Art „Schrei“. Seit kurzem wende ich mich auch vermehrt dem Möbeldesign zu. Für mich müssen Möbel allerdings grundsätzlich ihren Funktionsaspekt beibehalten. Ich bevorzuge Objekte, die gleichzeitig den Schliff des Details und eine Idee als Ganze ausdrücken. Außerdem mache ich auch Kleidung, Kunstobjekte und schlussendlich ein bisschen Werbung.

Cb: Woher nimmst Du Deine Inspiration?

Ein Muss - auch der DJ trägt Hakobo-DesignHakobo: Die finde ich überall. Auf Reisen, in Büchern, in der Musik, bei Gesprächen. Von einer Beobachtung zur anderen. Ich mag es, zu überraschen und zum Nachdenken anzuregen. Andere zu inspirieren. Manchmal kann das ein einfaches, hippes Design wie das der Wyborowa-Flasche (ein polnischer Wodka) sein. Seit kurzem interessiere ich mich besonders für Design aus dem Orient. Dort gibt es eine Vielzahl von Details, die sich nur nach langer Betrachtung erschließen lassen.

Cb: Was hälst Du von Breslau, der Stadt, in der Du momentan ausstellst und die man auch als „the meeting place city“ bezeichnet?

Hakobo: Ich reise viel und finde, dass Wroclaw (so der Name der Stadt auf Polnisch, A.d.R.) eine ebenso europäische Stadt ist wie Berlin. Im Übrigen spürt man hier eine gewisse deutsche Präsenz.

Dans le top-50 des designers d'affiches mondiaux selon John Foster, auteur du livre "New Masters of Poster Design" ("les nouveaux maîtres de l'affiche design")

Cb: Planst Du weitere Ausstellungen in anderen europäischen Städten?

Hakobo: Ich habe so meine Pläne. Man kennt mich vor allem in kleinen Kreisen, nicht in der breiten Öffentlichkeit, aber ich bin ja noch jung (lacht). Mich durchzusetzen oder zu schockieren, das ist mir nicht wichtig. Ich bin zufrieden mit dem Stand der Dinge, obwohl ich es schade finde, dass Design in Polen so wenig Euphorie auslöst.

Cb: Können wir damit rechnen, dass Du Dich während des Out of Sth-Festivals auch einer Mauer bemächtigst und Spuren in Breslau hinterlässt?

Hakobo: Das gehört nicht zu meinen Projekten, aber wer weiß... Ich bin für alle Schandtaten bereit. Ich akzeptiere verschiedene Aufträge, da sich dabei immer die Gelegenheit bietet, etwas zu lernen und sich auszuprobieren. Letztendlich gibt es immer einige, die sagen, dass ihnen etwas gefällt und andere, denen nie etwas gefällt. Aber ich werde mich für niemanden ändern. Ich bin ich selbst.