Kultur

Greetings from Guantánamo: Fotoausstellung „Terror Incognitus“

Artikel veröffentlicht am 10. Februar 2016
Artikel veröffentlicht am 10. Februar 2016

In der Mannheimer Fotoausstellung „Terror Incognitus“ zeigt der Brite Edmund Clark Machtsysteme und dokumentiert die Folgen des Kampfes gegen den „War of Terror“ seit dem 11. September 2001. Rund 70 Arbeiten kann der Besucher auf mehr als 400 Quadratmetern betrachten und so dem Terror im Verborgenen auf die Schliche kommen.

Minuten vor der Ausstellungseröffnung „Edmund Clark: Terror Incognitus„ warte ich bereits vor den Toren der Mannheimer Zephyr. Ich bin gespannt, was mich im Inneren erwartet.

Die Bilder an den Wänden wirken ästhetisch und ich frage mich, was sie mit Terror zu tun haben. Plötzlich fällt mein Blick auf ein Bild mit einem modernen Stuhl und mir wird sofort klar, dass es sich hierbei um einen Folterstuhl handelt. Man sieht keine blutenden Menschen mit klaffenden Wunden, lediglich einen Stuhl mit Fesseln. Gefolterte werden auch im restlichen Teil der Ausstellung nicht gezeigt. Es sind vielmehr die Orte, an denen gefoltert wurde, die im Mittelpunkt stehen. Den Bildern sieht man die Brutalität nicht sofort an. Ein Handbuch, das kostenlos an der Kasse erhältlich ist, liefert jedoch Hintergrundinformationen zu den Fotografien, Dokumenten, Videos und Rauminstallationen. Die ausgestellten Werke thematisieren den leisen Terror, jenen Terror, der im Verborgenen bleibt.  

Die Ausstellung, die in sieben Kapiteln unterteilt ist, beginnt mit „Body Politic“ und endet mit „Section 4 Part 20: One Day on a Saturday“. Hier zeigt ein Film Aufnahmen aus dem Gefangenenlager in Guantánamo Bay. Der Besucher sieht Einzelheiten von Bildern aus der Serie „Letters to Omar“. Es handelt sich um Schriftstücke, die aus aller Welt an einen Mann während seiner Haft gesendet wurden. Sie dauerte sechs Jahre.  

Das Netzwerk „Black Sites“

Die neueste Fotoserie „Negative Publicity. Artefacts of Extraordinary Renditon“ von dem Fotografen und Historiker Edmund Clark wird zum ersten Mal öffentlich gezeigt. Hier geht es um ein düsteres Kapitel der jüngsten Vergangenheit. Clark untersucht das System der illegalen Entführung von Einzelpersonen, die unter Terrorverdacht stehen. Sie wurden vom amerikanischen Geheimdienst entführt und in geheime, illegale Folter-Camps gebracht, in sogenannte „Black Sites“, die sich in Rumänien, Litauen, Syrien Libyen oder Guantánamo befanden und bis Mitte der 2000er Jahre noch aktiv waren. Zentrale Verteilstation für die erforderlichen Flüge war Frankfurt am Main.

Machtmissbrauch auf der Spur

Clarks Schaffen ist bestimmt durch die Verknüpfung von Geschichte, Politik und Repräsentation. Er zeigt in Fotografien, Filmen und Dokumenten verborgene Machtsysteme in unserer Umgebung, macht sie sichtbar und greifbar. Er berichtet von den sogenannten „Control Order Houses“ im Vereinigten Königreich und dokumentiert mit rund 500 Einzelfotos den Alltag eines Terrorverdächtigen, der in Arrest gehalten wird. Das Leben in einem afghanischen Militärcamp fasst er unter dem Titel „The Mountains of Majeed“ zusammen. Er gewann zahlreiche Preise, darunter 2011 die „Medal Hood“ der Royal Photographic Society und 2014 den „Grand Award“ der Magnum Foundation. Seine Fotografien werden rund um den Globus in Einzel- oder Gruppenausstellungen gezeigt und befinden sich u.a. in den Sammlungen des Imperial War Museum in London.

Die Ausstellung „Terror Incognitus“ ist noch bis zum 29. Mai 2016 im Zephyr zu sehen – Raum für Fotografie, Reiss-Engelhorn-Museen Mannheim, Museum Bassermannhaus C4,9.