Kultur

Gomorrha bringt Süditalien in die Kinos

Artikel veröffentlicht am 18. August 2008
Artikel veröffentlicht am 18. August 2008
Der neapolitanische Schriftsteller Roberto Saviano konnte mit seinem Buch Gomorrha einen unheimlichen Erfolg feiern. Die Verfilmung des Bestsellers feiert in den kommenden Monaten europaweit Premiere. Ein Streifen über Süditalien, wo die Mafia nach wie vor eine schwere Bürde für die Region darstellt.

©kyA(the Wafer)/flickrDas Panorama, das sich einem von der italienischen Stadt Reggio Calabria unweit der Straße von Messina präsentiert, ist sehr friedvoll. Und nur wenige trauen sich, das Postkartenidyll, das die südlichen Küsten Italiens in den Augen des Besuchers prägt, zu trüben. Dennoch hat Roberto Saviano mit seinem Buch Gomorrha, (benannt nach der biblischen Stadt Gomorrha, die von Gott zerstört wurde, da sie der Sünde anheimgefallen war) genau dies getan. Er berichtet von den dunkelsten Seiten des Mezzogiorno, der südlichen Hälfte Italiens, und sorgt damit für Aufruhr. Sein Buch wurde dieses Jahr für das Kino adaptiert und ist bald auf den europäischen Leinwänden zu sehen.

Auch nach einigen Wochen lässt der Andrang der Zuschauer in den Kinos des Stiefels, wo der Film im Juni 2008 Premiere hatte, kaum nach. Vor allem nicht im Süden, wo sich immer noch eine deutlicher wirtschaftlicher Unterschied zum Norden des Landes feststellen lässt. Nach den Erfolg des Films, in dem Matteo Garrone Regie führte, beim Filmfestival in Cannes, ist ein ähnlicher Publikumserfolg im restlichen Europa bereits vorhersehbar. (Filmstart im August in Frankreich, im September in Deutschland, im Oktober in Spanien und im November in Polen)

In erster Linie eine ‘literarische Waffe‘

Zwei Jahre nach dem Erscheinen des Buches ist auch die neueste Auflage dieser “literarischen Waffe“, wie sie der Inhaber des kleinen Ladens Culture in der Strada Zaleucco unweit der Villa Genoese Zerbi nennt, in den Buchhandlungen von Reggio Calabria fast schon wieder vergriffen.

Der Verkäufer ist sich sicher, dass der Film auch in Kalabrien besonders viel Aufmerksamkeit um die Existenz dieses versteckten Systems illegalen Geschäftemachens mit allen erdenklichen Gütern erzeugt, obwohl die Handlung ja eigentlich von der neapolitanischen Camorra erzählt. Das seuchenähnliche, immer wiederkehrende Phänomen wird von der gesamten Südhälfte des Landes geteilt, wo es ja nach Region nur einen anderen Namen trägt: Camorra in Kampanien, ’Ndrangheta in Kalabrien oder Cosa nostra in Sizilien.

“Schluss mit dem Geschäft der Angst!“

Die Anklage Roberto Savianos rechnet mit einer breiten Unterstützung aus der Gesellschaft, da die Leute überzeugt sind, dass die Mafia ein schwerwiegendes Hemmnis für die Entwicklung der Region darstellt. Der Film war nicht nur ein großer Erfolg in den Kinosälen, sondern hat eine umfassende Verurteilung durch die Menschen hervorgerufen. “Es reicht! Schluss mit dem Geschäft der Angst“,wie es Stefano Morabito ausdrückt, Dozent für Geschichte und Philosophie an der Universität von Messina und Studienfreund von Roberto Saviano.

Das Wort Mafia erzeugt immer noch großen Respekt bei den Kalabresen.

Dennoch erzeugt allein das Wort Mafiaimmer noch großen Respekt bei den Kalabresen. Nicht so sehr, weil sie beunruhigt sind, sondern vielmehr weil es ihnen reicht, dass ihre Breitengrade immer nur mit den undurchsichtigen Geschäften in Verbindung gebracht werden. Ein Gemeindebeamter fordert eine angemessene Anerkennung der harten und schwierigen Arbeit, die die Behörden in Kalabrien leisten, um die Transparenz und die Bildung ihrer Bürger zu fördern. Davon ist in der Presse, deren Titelseiten sich meist mit den neuesten Verhaftungen diverser ‘Ndrangheta -Bosse schmücken, normalerweise gar nichts zu lesen.