Kultur

Georgisches Fernsehen ignoriert Sexismus

Artikel veröffentlicht am 16. Juli 2014
Artikel veröffentlicht am 16. Juli 2014

Am 9. Juli 2014 pas­sier­te auf GDS TV etwas Scho­ckie­ren­des: Die nack­ten Hin­tern von Frau­en wur­den als Per­kus­si­onsinstrumente be­nutzt. Als die Leute sahen, wie ein Mann mit sei­nen Hän­den auf das Gesäß von zwei spär­lich be­klei­de­ten Frau­en klatsch­te, gab es viele Re­ak­tio­nen.

GDS in ein Un­ter­hal­tungs­ka­nal in Ge­or­gi­en, und Bina 18 (Woh­nung 18) ist nur eines sei­ner Pro­gram­me. An­geb­lich ge­sche­hen in jeder Folge un­üb­li­che Dinge. Die letz­te Folge lenk­te je­doch ein­deu­tig die Auf­merk­sam­keit der Zu­schau­er auf sich. Bani, eine ge­or­gi­sche Folk­lo­re-Grup­pe, die ver­schie­de­ne ge­or­gi­sche In­stru­men­te spielt, wurde in die Sen­dung ein­ge­la­den. Auf den Ge­sä­ßen von Frau­en zu trom­meln war die Idee des Krea­tiv­teams. Wie der Mo­dera­ter der Sen­dung spä­ter sagte, war es ein Ex­pe­ri­ment, um zu sehen, ob die Grup­pe auf den Hin­ter­tei­len der Frau­en Trom­mel spie­len konn­te.

Kurz nach der Aus­strah­lung der Sen­dung gab es zahl­rei­che Re­ak­tio­nen von NGOs, Om­buds­männ­nern und -frau­en, Frau­en auf Face­book und sogar Frau­en­zeit­schrif­ten im In­ter­net. All diese for­der­ten vom Kanal eine Ent­schul­di­gung.

Die erste Re­ak­ti­on kam vom Frau­en­in­for­ma­ti­ons­zen­trum. Aus dem Brief, der spä­ter von allen On­line-Zeit­schrif­ten ge­teilt wurde, sagt die­ser ein­zel­ne Ab­schnitt alles: „Wäh­rend die ge­or­gi­sche Re­gie­rung der UNO einen Be­richt über die Be­sei­ti­gung jeg­li­cher For­men von Dis­kri­mi­nie­rung gegen Frau­en vor­leg­te, gab es im ge­or­gi­schen Fern­se­hen ein Pro­gramm, das Frau­en dis­kri­mi­nier­te." Das Zen­trum for­der­te eine Stra­fe für das Krea­tiv­team von Bina 18. In­zwi­schen stell­te Om­buds­mann Ucha Na­nuash­vi­li fest, dass „die Dar­stel­lung von Frau­en als Ge­gen­stand eine Form von Se­xis­mus ist, der ver­h­eeren­de Kon­se­quen­zen mit sich brin­gen kann."

Das Fern­se­hen hat einen enor­men Ein­fluss auf seine Zu­schau­er. Daher ist es wich­tig, dass die Sen­dun­gen hel­fen, die Rolle von Frau­en an­ge­mes­sen dar­zu­stel­len und Re­spekt zu zei­gen. Es ist be­dau­erns­wert, dass GDS TV und das Krea­tiv­team von Bina 18 sich nicht ent­schul­di­gen wol­len. Einer der Mo­dera­to­ren von Bina 18, Ko­ti­ko To­lo­raia, brach­te auf eine iro­ni­sche Art eine Ent­schul­di­gung her­vor, indem er sagte, dass die Per­for­mance nur ein Scherz ge­we­sen sei und falls sich ir­gend­je­mand be­lei­digt fühle, täte es ihm leid. Doch dann fügte er schnell hinzu, dass er nicht ver­ste­he, wieso je­mand durch das Trommeln auf den Hintern der Frauen, be­lei­digt sein könne. Nach die­ser Rede mach­ten die Mo­dera­to­ren einen weiteren „Scherz" - eine Frau schlug auf ihr Hin­ter­teil und sie sag­ten dann: „Oh, ich fühle mich jetzt be­lei­digt. Un­se­re Rech­te sind ver­letzt wor­den. Wir haben das be­kom­men, was wir ver­dient haben."

Am 12. Juli 2014 ver­öf­fent­lich­te die Jour­na­lis­ti­sche Ethik­char­ta Ge­or­gi­ens auf ihrer Web­site eine Er­klä­rung be­züg­lich des Skandals. Die Er­klä­rung be­ginnt mit der Er­läu­te­rung, dass sie auf eine Ent­schul­di­gung vom Kanal war­te­ten, die­ser sich aber bis dahin nicht ent­schul­digt hätte.

Nun er­war­ten wir vom GDS TV eine Re­ak­ti­on auf diese For­de­run­gen. Man­che sagen, dass die Sen­dung sich dazu ent­schie­den habe, solch eine se­xis­ti­sche Per­for­mance zu zei­gen, da da­durch die Zu­schau­er­zah­len stei­gen wür­den. Aber das Krea­tiv­team sagt, dass alles nur ein Scherz ge­we­sen sei.

Sie neh­men ihren ei­ge­nen Se­xis­mus nicht ernst. Aber wir kön­nen nichts er­rei­chen, wenn wir nicht rea­li­sie­ren, dass jeder Schritt, den wir ma­chen, gut über­legt sein soll­te.