Kultur

Gefährlicher Import

Artikel veröffentlicht am 20. Juni 2007
Artikel veröffentlicht am 20. Juni 2007

Das Paradigma des typischen Italieners? Pizza, Mandoline und … organisierte Kriminalität. Diese Woche werfen wir einen Blick auf die "Camorra", eine der Mafia ähnliche, kriminelle Organisation, die ihren Ursprung in der süditalienischen Region Kampanien hat.

In letzter Zeit macht sie in Italien wieder viel von sich reden. Der Grund dafür: das Buch Gomorra von Roberto Saviano, der nach der Veröffentlichung von eben dieser Organisation sogar bedroht wurde und einen Leibwächter bekommen musste. Dies überrascht keinesfalls, denn der Begriff "Camorra" steht mittlerweile auch für die Gewalt und Anmaßung der verschiedenen kriminellen Organisationen gegenüber all jenen, die sich gegen ihre Macht auflehnen.

Die Vermutungen über den Ursprung des Begriffs sind zahlreich. Am weitesten verbreitet ist die Annahme, dass er von dem Wort Gannurra abstammt. So hieß eine kurze Jacke, die zur Zeit der spanischen Herrschaft im Reich von Neapel von Banditen getragen wurde.

Ein anderer möglicher Ursprung ist die Abstammung von morra, einem antiken, in Italien einst sehr verbreiteten Volksspiel, auf dessen Ausgang Wetten abgeschlossen wurden; und im Besonderen von ca nnurra (Anführer der 'morra'), der im Neapel des 18. Jahrhunderts Streitigkeiten zwischen den Spielern schlichtete.

Aber es gibt noch weitere Hypothesen: So wird auch behauptet, dass das Wort vom Namen des spanischen Abenteurers Ramón Gamur abstamme. Dieser hatte im 17. Jahrhundert in Neapel eine kriminelle Organisation nach einem Modell gegründet, das zwei Jahrhunderte zuvor in Sevilla entstanden war: die "garduña". Sollte diese Vermutung zutreffen, ist es nicht verwunderlich, dass viele 'Camorristen' heute auf die iberische Halbinsel flüchten, wie Roberto Saviano in seinem Buch beschreibt.

Kaum zu glauben, dass diese kriminelle Organisation im Jahr 1820 offiziell unter dem Namen Bella Società Riformata (Gute Reformierte Gesellschaft) gegründet worden war!