Kultur

Gebt den Schwarzen Peter weiter, Murdoch und Brooks

Artikel veröffentlicht am 20. Juli 2011
Artikel veröffentlicht am 20. Juli 2011
Ein Freund sagte mir, "das Backe-backe-Spiel von Vater und Sohn war 'unterhaltsam' - Ich schiebe dir den schwarzen Peter zu, du schiebst ihn zurück... Schieb ihn hin, schieb ihn her, oh, und dann schieb ihn an die Konkurrenzzeitungen weiter, schließlich ist es eindeutig ihre Schuld.
Und dann, schieb ihn News Of The World zu, denn wie können ein oder zwei Männer allein für eine SO große Firma verantwortlich sein?" Murdoch wurde ein "Schwarzer Peter" für die Deutschen und Polen, für die Franzosen und Italiener ist er eine "heiße Kartoffel" eines ethischen Medienskandals inGroßbritannien.

Welch ein hohler Abend war es, den hohlen Worten des australischen MedienmogulsRupert Murdoch und seines Sohn und Erben James, Rebekah Brooks (der ehemaligen Vorstandschefin von deren Verlagsgesellschaft News Corp, die am 15. Juli zurückgetreten ist) und Mitgliedern des Scotland Yard zuzuhören. Am 19. Juli erschienen sie im britischen Unterhaus vor Parlamentsmitgliedern, die den 80-jährigen, zerknittert aussehenden Murdoch dafür lobten, "die Sitzung durchgehalten zu haben", nachdem eine Torte aus Rasierschaum, dank der Anwesenheit eines Aktivisten vier Reihen hinter ihm, in seinem Gesicht gelandet war.

"The buck stops with you" (der schwarze Peter bleibt bei dir), teilt ein (konservatives) Mitglied des Kulturausschusses mit gekrümmten Augenbrauen Murdoch 'Senior' mit: "die Verantwortung liegt bei Murdoch" (la responsabilité s'arrête ici auf Französisch, asumir responsabilidades auf Spanisch). Der Ausdruck 'den Schwarzen Peter weitergeben' bedeutet, die Verantwortung abzuschieben. In der Geschichte wurde die Wendung im Englischen, to pass the buck, am prominentesten von US-Präsidenten benutzt; Harry Truman nutze 'the buck stops here' als Wahlkampfslogan, der auf einem Holzbrettchen auf seinem Schreibtisch im Weißen Haus stand. Auch Barack Obama entdeckte den Ausdruck. In mediterranem Jargon wird aus dem Schwarzen Peter eine "heiße Kartoffel", die für einen feinschmeckerischen Franzosen in Murdochs Händen landet: la patate chaude s'arrête là, während für einen noch leidenschaftlicheren Italiener (vielleicht durch Berlusconis Erfahrungen geweitet?) die Kartoffel kocht (la patata bollente è nelle sue mani).

Die Politik ist ein Spiel, es ist also nicht überraschend, dass der Ausdruck ehemals häufig beim Pokern gebraucht wurde. Die Spieler schieben sich den schwarzen Peter gegenseitig zu, auch in Polen: podsunąć czarnego piotrusia. Murdoch ist also der Angeschmierte, in jedem Fall ist er der schwarze Peter in diesem Medienskandalspiel, bei dem sein Familienname durch die Nachricht befleckt wurde, dass eine Zeitung, die ihm mal gehörte, Telefone für Stories über Promis und ermorderte Mädchen abhörte - wir gehen mal davon aus, in dieser Reihenfolge.

Foto: (cc)Daniel Catt/flickr