Kultur

François Ozons 'Ricky': Achtung Kinderüberraschung!

Artikel veröffentlicht am 8. Februar 2009
Artikel veröffentlicht am 8. Februar 2009
Liebe kann beflügeln. Dieses Sprichwort nimmt François Ozon in seinem neuen Film Ricky äußerst wörtlich. Der Regisseur, der seit 8 Frauen zu den internationalen Kino-Größen gehört, zeigt in seinem Streifen einen sozialen Realismus, der mehr und mehr in eine Phantasiewelt überläuft.

Man sagt, diese Berlinale sei zu ihren politischen Wurzeln zurückgekehrt. Die Rolling Stones hätten Platz gemacht für einen von der globalen Krise geplagten Realismus. François Ozon wiederlegt diese These in Ricky zumindest teilweise. Sein Film beginnt in einer tristen Fabrikhalle, in der die alleinerziehende Kathie (Alexandra Lamy) acht Stunden am Tag Deckel auf Flaschen schraubt. Als sie sich in den spanischen Kollegen Paco (Sergi López) verliebt, wendet sich das Blatt in ihrem Leben und Baby Ricky kommt zur Welt. Doch es ist nicht einfach für die Patchworkfamilie. Die Einzigartigkeit Rickys steht im Weg, denn es ist kein normales Baby. Ricky hat Flügel, die einem Raffaelengel alle Ehre machen würden. 

Nachdem Ozon dieses phantastische Element enthüllt hat, wechselt er komplett die Erzählform und nimmt den Zuschauer auf eine Achterbahnfahrt der Genres zwischen Drama und Komödie, Phantasie und Absurdität mit. Dass dies gelingt, ist nicht zuletzt das Werk von Alexandra Lamy, die in ihrem Heimatland Frankreich bis jetzt vor allem für heitere Vorabendserien [Un gars et une fille] bekannt war. Sie weiß ihr Spiel allen Situationen und Stilwechseln anzupassen, ohne dass ihr Charakter an Glaubhaftigkeit verliert. Sergi López spielt dagegen wieder einmal einen aufbrausenden Spanier mit gutem Herz.

Bis zur Fertigstellung des Films war François Ozon nicht vom Gelingen seiner Geschichte überzeugt: „Ich hatte die Idee zum Film, als ich einen Roman von Rose Tremain gelesen habe. Mein erster Gedanke war, dass dies eine tolle Vorlage für die Dardenne-Brüder sei oder einen tollen Disneyfilm abgeben würde“, erzählt Ozon mit verschmitztem Lächeln auf der Pressekonferenz.

Letztendlich fand er zum Stoff wie in Swimming Pool, in dem er die Realität und Fantasy-Elemente mischte. Während er über seine Charaktere, Traumwelten und Rickys Flügel erzählt, die für ihn die Kraft repräsentieren, von dieser Welt Abstand zu nehmen, kommt einem unmittelbar die surrealistische Welt eines Luis Buñuel in den Sinn. „Filme, Träume, als wären sie Realität und die Realität, als wären sie Träume.“ Dieses Zitat Buñuels beschreibt den neuen Ozon mit einem Satz äußerst treffend. Ricky ist beides, eine verzaubert poetische Geschichte und eine authentische Sozialstudie. François Ozon zeigt uns einen alten Gaul, der aussieht wie ein Einhorn.

Mehr zum Festival, den Filmen und dem Geschehen auf dem roten Teppich findet Ihr auf unserem Berlinaleblog.