Kultur

Finnische Fotokunst: Gnadenlose Schönheit von Iiu Susiraja 

Artikel veröffentlicht am 24. Oktober 2014
Artikel veröffentlicht am 24. Oktober 2014

Die finnische Fotokünstlerin Iiu Susiraja ist mit einigen ihrer Fotos der Serie Hyvä käytös - gutes Benehmen - zurzeit in Frankfurt zu sehen. Die Fotos sind ironisch, schonungslos und schockierend. Gutes Benehmen scheint die Frau wohl nicht zu haben, oder?

Finnen reden nicht, wenn sie reden, kann sie sowieso niemand verstehen und sie sind so witzig wie die Filme von Kaurismäki. Eben gar nicht. So zumindest das Klischee. Und viel mehr weiß man über das Land am nordöstlichsten Rand der EU auch nicht wirklich. Künstler aus dem Land der unzählbar vielen Seen kennt man schon überhaupt nicht. Naja, außer Lordi vielleicht, wenn man sie denn als Künstler bezeichnen will. 

Iiu Susiraja macht momentan mit ihren Fotos Furrore und ist eine der Künstlerinnen, die finnische Kunst in der Reihe Potretti in Frankfurt repräsentieren. Dabei sagt sie selbst von ihren Fotos, dass sie sie gar nicht typisch finnisch findet. Das einzige, was sie vielleicht finnisch macht, ist die Tatsache, dass ich in meinen Bildern versuche authentisch und ehrlich zu sein. Authentizität und Ehrlichkeit sind Teil des finnischen Selbstbewusstseins. Zumindest sehen die Finnen sich selbst so."

Authentisch und ehrlich sind sie allemal. Das stimmt. Man könnte auch sagen gnadenlos ehrlich. Wenn sich Susiraja die Stöckelschuhe ans Bein klebt, weil sie nicht mehr reinpasst, ist das in einer normierten Welt, in der Schönheitswahn à la Renee Zellweger gleichzeitig verurteilt und provoziert wird, schon ziemlich schockierend.

Aber eigentlich wollte sie gar nicht provozieren mit ihren Fotos. Meiner Meinung nach ist in meinen Fotos nichts Provozierendes." Und es stimmt ja auch. Die Fotos werden erst schockierend, indem der Zuschauer sie so wahrnimmt. Weil man es einfach nicht gewohnt ist, dass sich eine Frau so darstellt, wie es Susiraja tut. Normalerweise kennen wir ja nur Duckface für das schmale Gesicht und geschwungene Hüften für die schlanken Beine.

Sieht sie sich selbst deswegen als Feministin? Eher nicht. Bewusst auseinander gesetzt hat sie sich noch nicht mit Feminismus. Wenn dann kommt das einfach natürlich in meine Bilder." Sie stellt sich einfach dar, wie sie ist. Eher selten plant sie vorher, wie das Bild aussehen soll. Die wählt die Gegenstände vorher sorgfältig aus, aber das Endprodukt ist für sie selbst meist eine Überraschung. 

Manche Fotos sind intimer, als nackte Haut es sein könnte. Hat man denn da keine Angst, wenn man so viel von sich preisgibt? Nein, weil ich einige Sachen ja trotzdem nur für mich behalte." 

Ich mag eher die Kombination von Schönheit und Hässlichkeit. Schönheit allein beeindruckt mich nicht sonderlich." Und das merkt man ihren Fotos auch an. Und diese Kombination reicht offenbar schon aus, um als unhöflich oder als schlechtes Benehmen verstanden zu werden. Die Frau weiß eben nicht, was sich gehört, das sieht man den Fotos an.

Aber genau das macht Kunst ja aus, oder? Dass es eben nicht einfach hübsch anzusehen ist, sondern uns berührt, schockiert und verändert. Dass wir etwas sehen, was wir vorher noch nicht gesehen haben. Kunst muss mutig sein und das alles findet man in Susirajas Fotos auf jeden Fall. Ganz ohne Worte und zum Glück ohne gutes Benehmen.