Kultur

Fernando Solar: Aus Müll Musik machen

Artikel veröffentlicht am 7. Dezember 2015
Artikel veröffentlicht am 7. Dezember 2015

Der junge Geigenbauer aus Madrid ist irgendwie von Sägespänen bei nachhaltigen Klangkörpern gelandet. Wie genau? Für einen guten Zweck - er will Kindern Werte wie Gesellentum, gegenseitigen Respekt und Umweltschutz vermitteln. 

Fernando Solar stammt aus einer traditionellen spanischen Musikbauerfamilie im Viertel Malasaña, im Herzen von Madrid. Mit seinen 35 Jahren repräsentiert er, nach seinem Vater und Großvater, die dritte Solar-Generation von Geigenbauern. Somit konnte ein musikalisches Erbe bis heute weitergegeben werden. Fernando ist quasi „in Sägespänen geboren“.

Solars innige Bindung zur Musik grenzt fast an Besessenheit, während der Sinn für Recycling und Naturschutz erst später über seine Familie hinzukam. Schon sein Großvater, ein Firmengründer, hatte mit 8 Jahren seine erste Geige gebaut. Mit der Fantasie, die Kindern eigen ist, hatte er aus verschiedenen Holzabfällen einen Klangkörper geschaffen. Er war überzeugt davon, dass aus Müll Musik entstehen kann.

Neun Jahrzehnte später übernimmt sein Enkel den Staffelstab. In Zusammenarbeit mit dem Verein Ecoembes nimmt er am sozialen Projekt 'La música del reciclaje' (Die Musik des Recycelns) teil, das Musik-Workshops für sozial ausgegrenzte Kinder anbietet. „Ich war schon immer in der Welt der Musik unterwegs. Irgendwann habe ich dann das Orquesta de Instrumentos Reciclados de Cateura (Orchester der recycelten Instrumente) in Paraguay entdeckt. Es hat mich fasziniert, wie die Leute dort kreativ wurden, um Musik machen zu können. Es ist einfach unglaublich, plötzlich eine alte Büchse klingen zu hören“, erzählt Fernando stolz.

Als ihm die Köpfe hinter dem Projekt vorschlugen als Geigenbauer Teil der „Recycling-Musik“-Initiative zu werden, zögerte Fernando nicht eine Sekunde. Neben den guten Sachen, die wir für unseren Planeten tun, geben wir Kindern ohne nötige Ressourcen die Möglichkeit, Musik zu machen, was ja normalerweise eher ein elitäres Hobby ist“, fügt er hinzu. Fabio Chávez, der Direktor des Cateura-Orchesters, bringt es nochmal auf den Punkt: „Die Leute bringen uns ihren Müll und wir machen daraus Musik.“

Aktuell kümmert sich Fernando Solar noch um das Design der nachhaltigen Instrumente, auch wenn sein längerfristiges Ziel ist, dass jedes Kind aus einer Keksdose ein Musikinstrument basteln kann. „Das Leben hat manche Kinder eben nicht so gut wie andere ausgestattet. Das ist eine gesunde Art und Weise, ihnen Werte, die durch Musik und Ökologie transportiert werden, näherzubringen. Solche wie den Respekt unserer Umwelt oder das Gesellentum. Dank dieser Arbeit möchte ich ihnen Mittel an die Hand geben, die es ihnen ermöglichen, die zukünftigen Instrumentebauer des Recycling zu werden.“

Wenn es plötzlich nicht mehr um Kinder sondern um Erwachsene geht, verfinstert sich Fernandos Miene. Gern würde er von den Volksvertretern verlangen, dass sie sich im Rahmen der Weltklimakonferenz COP21 in Paris darüber bewusst werden, dass „alles, was man unternimmt, ein erster Schritt sein kann. Es gibt immer noch zu viele Menschen, die mehr auf Geld als auf Menschlichkeit und unseren Planeten schwören. Aber nach und nach werden wir alle reagieren und ein Modell für ein nachhaltigeres Leben annehmen.“ 

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Dieses Porträt ist Teil unseres cafébabel-Projekts #21faces im Rahmen der Weltklimakonferenz COP21 in Paris.