Kultur

Fabbrica Europa: Florenz im neuen Gewand

Artikel veröffentlicht am 28. Mai 2007
Artikel veröffentlicht am 28. Mai 2007
Noch bis zum 31. Mai beherbergt Florenz ein bedeutendes Festival für zeitgenössische Kunst.

Mit zahlreichen Diskussionsveranstaltungen, Multimedia-Spektakeln, Theater- und Musikevents überschreiten die auf der „Fabbrica Europa“ vertretenen Künstler geographische und kulturelle Grenzen im Namen des gemeinsamen Experimentierens.

In dieser Hinsicht hält die „zeitgenössiche Kunstfabrik“, die noch bis zum 31. Mai an verschiedenen Veranstaltungsorten der Stadt Florenz zu erleben ist, was sie in ihrem Namen verspricht. Der spektakulärste dieser Veranstaltungsorte ist der alte Bahnhof Leopold (la Leopolda), der schon 1861 stillgelegt wurde und seit einigen Jahren als Galerie und Ausstellungshalle die Arbeiten vieler europäischer Künstler beherbergt.

Das Festival selbst wurde am 28. April eröffnet und stellt ein an die achtzig Veranstaltungen umfassendes Programm vor. Es wird von der der Europäischen Union unterstützt, Künstler aus 35 Ländern sind dabei vertreten. So konnte man in den letzten Tagen die bekannte italienische Theatergruppe „Societas Raffaello Sanzio“ und die charismatische Tänzerin und Choreografin Lucinda Childs aus Amerika, die „Päpstin“ des minimalistischen Tanzes, erleben. Unter den gefragtesten Events sind die Auftritte vom Reittheater Wild vom 25.-31. Mai, mit der Reitkünstlerin Eva Schakmundès und dem afrikanischen Tänzer Jean Kouassi Konan.

Zentrum der modernen Kunst

Kann Florenz, die Wiege der Renaissance, der Provinzialität die Stirn bieten? Vielleicht schon, obwohl die Stadt wegen ihrer Stagnation als Kunstherberge des Cinquecento oft dafür kritisiert wurde, keinen Raum für Neues zu bieten. Veranstaltungen dieser Art zu organisieren, sei schwierig, denn „die Stadt Florenz lebt von ihrer Rolle als Hüterin des klassischen Kulturerbes und leistet gegen die Entfaltung zeitgenössischer Kunst erheblichen Widerstand“ erklärt Luca Dini, Präsident der Stiftung „Fabbrica Europa für zeitgenössische Kunst“, einer der Veranstalter des Festivals.

So gab es Schwierigkeiten mit fehlender oder verspätet gewährter Finanzierung. Das Programm konnte erst vier Monate vor der Eröffnung endgültig verabschiedet werden. „Leider sieht man bei der zeitgenössischen Kunst nicht unmittelbar die Resultate“, so Dini. „Diese zeigen sich vielmehr darin, dass gesellschaftliche Veränderungen reflektiert werden“.

Schade, denn das Publikum scheint solche Initiativen zu schätzen. Das bezeugen die langen Schlangen vor den Kassen und die ausverkauften Veranstaltungen. An die zwanzigtausend Menschen haben sich in den ersten zwei Wochen des Festivals der zeitgenössischen Kunst genähert und wurden dazu angeregt, über den Einfluss anderer Kulturen, die Wichtigkeit des Experimentierens, die Integration in ein künstlerisches Europa und die gesellschaftlichen Veränderungen unserer Tage nachzudenken. Nicht zufällig gab man dieser 14. Ausgabe den Titel „Variable Geometrien“, der auf den Unterschied zwischen physischen Nationalgrenzen und symbolischen kulturellen Grenzen hinweisen sollte.

Viel Raum wurde der jungen Künstlergeneration gewährt mit Projekten zur Förderung ihrer Arbeit und ihrer Kreativität. Eines der wichtigsten davon war „Roots&Routes“, das von verschiedenen europäischen Kulturorganisationen für junge Leute, hauptsächlich aus ethnischen Minderheiten zwischen 15 und 25 Jahren, konzipiert wurde. Einige von ihnen traten am 18. Mai auf die Bühne mit dem multiethnischen Orchester Musipolitana.

Fabbrica Europa wurde für alle beteiligten Künstler zur Gelegenheit und zur Ort der Hoffnung. „Ich habe Italien verlassen, da ich hier keine Entwicklungsmöglichkeiten für zeitgenössischen Tanz fand“ - erzählt der florentiner Choreograf, Damiano Foà, der seit 17 Jahren in Frankreich lebt. „Ein Festival, das neuen, experimentellen Produktionen Raum gibt, ist ein Hoffnungsschimmer für uns alle“. Nur wird es ausreichen, der Stadt ein neues, moderneres Image zu geben?