Kultur

Europakino grenzenlos

Artikel veröffentlicht am 8. Juni 2007
Artikel veröffentlicht am 8. Juni 2007
Vom 8. bis 14. Juni ist London Gastgeber für die dritte Etappe des Filmfestivals "Picture Europe": das erste Filmfestival, das (fast) zeitgleich in 3 europäischen Städten stattfindet.

Eröffnungsfilm des Londoner Festivals wird der spanische Film Alatriste sein. In der Hauptrolle spielt der Däne Viggo Mortensen (Der Herr der Ringe) an der Seite des erfolgreichen spanischen Schauspielers Eduardo Noriega. Der Film spielt zur Zeit der Inquisition und erzählt die Geschichte des Soldaten Diego Alatriste, der aus dem Krieg in ein brutales und korruptes Spanien zurückkehrt, wo er jeglicher Hoffnung beraubt zum Söldner wird.

Das europäische Kino in Szene setzen

Zum ersten Mal wird in Europa ein Filmfestival in drei verschiedenen Städten in drei unterschiedlichen Ländern organisiert. Den Europäern das europäische Kino näherzubringen stellt sich zunehmend als schwierig dar, denn das amerikanische Kino mit seinen Special Effects und dümmlichen Komödien verbreitet sich wie Unkraut auf europäischen Leinwänden. So erzielen amerikanische Verleihfirmen bisweilen hohe Quoten mit wettbewerbswidrigen Methoden.

"Picture Europe, das Beste des europäischen Kinos" ist die innovative Initiative der European Film Promotion (EFP), ein vor zehn Jahren ins Leben gerufener Verein, dessen Ziel die Förderung und Verbreitung des europäischen Kinos ist. Unterstützung gibt es von der Europäischen Kommission und von zahlreichen anderen Verbänden. Fast zwei Monate lang werden in Madrid, Berlin und London zum Preis von 4 Euro 25 europäische Filme in Originalversion mit Untertiteln gezeigt. In Zusammenarbeit mit ausgewählten Kinos (Princesa und Roxi in Madrid, Cinestar in Berlin und dem Curzon SOHO in London), haben europäische Schauspieler und Regisseure den Auftrag, dem Publikum der jeweiligen Stadt eine Woche lang die Europa-Kassenschlager des vergangenen Jahres zu präsentieren.

Erleben statt Preise abräumen

Bislang war das Europäische Filmfestival in Sevilla die einzige Kino- Großveranstaltung, die über Europas Grenzen hinaus Beachtung gefunden hat. "Picture Europe" folgt aber einer anderen Philosophie: hier geht es nicht darum Preise zu vergeben oder die großen Stars auf dem roten Teppich zu empfangen. Die Kinovorstellung und nicht das Festival soll im Mittelpunkt stehen. Es werden ausschließlich europäische Filme gezeigt, für die jedoch keine Preise vergeben werden.

Der Festival-Auftakt in Madrid war ein voller Erfolg. Die katalanische Schauspielerin Assumpta Serna eröffnete die Veranstaltung in Spanien mit Sebastian Schippers Ein Freund von mir. Die Kinosäle waren bis auf den letzten Platz ausverkauft. Das Publikum applaudierte sogar nach einigen Vorstellungen, was in spanischen Kinos eher ungewöhnlich ist. Die Berliner Ausgabe fand vom 26. April bis 2. Mai statt und wurde von Doris Kunstmann eröffnet. Sie spielt die Hauptrolle im letzten Teil des französischen Kultfilms Les Bronzés 3, der ebenfalls auf dem Festival-Spielplan stand.

Explosionen statt Dialoge!

Aber nicht alles lief so glatt! Auch das europäische Kino erlebte einige böse Überraschungen. Mit dem Ausruf "Hoch leben die Explosionen!" versuchte eine Gruppe radikaler Demonstranten das Festival in Madrid wenige Tage vor der Eröffnung zu boykottieren. Einige gelb gekleidete Gestalten der Vereinigung "Boom-Action" verteilten Flugblätter gegen das europäische Kino, das ihnen zufolge mit "zu wenig Spezialeffekten" arbeite. "Bei so vielen Dialogen und so wenigen Explosionen, sind wir bald arbeitslos!", riefen sie den Besuchern am Eingang des Kinos zu. Ihre Hauptforderungen: die unverzüglichen Kürzung der Dialoge auf maximal vier Wörter pro Satz und mindestens 4,3 Explosionen pro Film.

Allerdings stellte sich im Nachhinein heraus, dass die Radikalen gar nicht so radikal waren, und dass es sich bei der Aktion um eine eigens initiierte Werbekampagne der Festival-Veranstalter handelte. Die Demonstranten, die sich als Angestellte aus der "Special Effects-Branche" ausgaben, verteilten einige Flugblätter ihrer erfundenen Vereinigung an die Zuschauer, um diese für ihr Anliegen zu gewinnen. Einmal auf der Internetseite der Vereinigung gelandet, wird man über die erfundenen Forderungen direkt auf die Homepage des Festivals weitergeleitet. Ein wohlüberlegter Scherz.

Fast forward nach London

Unter den Filmen, die in der britischen Hauptstadt zu sehen sein werden, verdient Ein Freund von mir (2006), mit Daniel Brühl in der Hauptrolle, besondere Aufmerksamkeit. Die Geschichte von zwei Freunden - einer karrierebesessen, der andere ein Lebemann - verspricht ein ähnlicher Erfolg zu werden wie die Vorgänger Goodbye Lenin und Lola rennt.

Außerdem lohnt es sich Nynne, die dänische Version von Bridget Jones, den angsteinflößenden Film Dead in Three Days (In 3 Tagen bist du tot) oder das einfühlsame Werk Little Secrets anzusehen. London bietet ein breites Spektrum an Filmen: von Themen wie Homosexualität und Inzest, über die rumänische Produktion Love Sick, bis hin zu Geschichten über Integration wie Schnitzel Paradise.