Kultur

Europäischer Tag der Sprachen in Paris - 'Sprachen sind wie Umarmungen'

Article published on 25. September 2008
Article published on 25. September 2008
Der amtierende EU-Ratspräsident Frankreich unterstreicht den menschlichen Aspekt des Sprachenlernens in Europa. Einblicke in eine rhythmische Pressekonferenz vor den Feierlichkeiten zum EU-Tag der Sprachen in der französischen Hauptstadt am 26. September.

Der ABBA-Dauerbrenner “Waterloo” schallt aus den Lautsprechern. Vielleicht ist das ja der offizielle Soundtrack des diesjährigen Europäischen Tages der Sprachen, der am 26.September in ganz Europa feierlich begangen wird. Auch in Paris. Ein paar Tage zuvor erklärten die französische Kulturministerin, Christine Albanel, und ihre Kollegen auf einer offiziellen Pressekonferenz im Louvre, welche Events sie für die Feierlichkeiten geplant haben. Die Franzosen hätten immerhin im Moment die Ratspräsidentschaft inne, ruft Albanel in Erinnerung. Im März berichtete sie der britischen Tageszeitung Daily Telegraph, dass die französische EU-Ratspräsidentschaft „eine Chance sei, verschiedene Sprachen zu sprechen und nicht nur Englisch oder eben globish - eine vereinfachte Version des Englischen, die rein gar nichts mit der Sprache von Virginia Woolf zu tun hat“.

©artypop/flickr„Einige sind der Meinung, dass kulturelle und sprachliche Vielfalt ein Kommunikationshindernis darstellen“, sagte Albanel weiter auf der Pressekonferenz und behauptet, dass die Franzosen dabei seien, moderner zu werden und sich in puncto Fremdsprachen zu mobilisieren. Am 19. September brachte Bildungsminister Xavier Darcos eine Reform durch, die zusätzlichen Englischunterricht für alle Schulkinder beinhaltet.

„Paris, Frankreich, Europa“ ist das Motto der in Bulgarien geborenen Philosophin Julia Kristeva. „Diversité, c’est ma devise.“ (Diversität ist mein Motto.) zitiert sie den französischen Poeten Jean de la Fontaine auf der Konferenz und macht sich über den französischen Staatspräsidenten Nicolas Sarkozy und seine Auffassung über den „positiven Säkularismus“ in der französischen Kultur lustig. In Anlehnung an Sarkozys ‚Hyperaktivität‘ spricht sie von ‘hyperpositiver Laizität’ (Trennung von Kirche und Staat, A.d.R.) und verursacht damit schallendes Gelächter im Raum. Die “europäische Bürgerin und intellektuelle Kosmopolitin”, die sich auch gut mit Chinesisch schlägt, lernte Französisch bereits in jungen Jahren.

Neben ihr sitzt die bekannte portugiesische Sängerin Lio, die auf der Flucht vor der portugiesischen Salazar-Diktatur im Kindesalter nach Belgien kam. Heute trägt sie ihren hippen Cardigan verkehrt herum und schüttelt ihre braune Mähne: Ein bisschen mehr HipHop möchte sie den Feierlichkeiten verpassen. „Eine Sprache zu sprechen ist so, als ob Dich jemand umarmt“, sagt Lio, die aktuell auch Jurymitglied bei ‚Frankreich sucht den Superstar‘ (A la Recherche de la Nouvelle Star) ist. Sie betont die Intimität, die das Lernen von Fremdsprachen mit sich bringt. Die holländische Präsidentin des Forums für Auslandskulturinstitute in Paris (FICEP), Rudi Wester, spricht sechs Sprachen, darunter auch ihre Heimatsprache Friesisch. Das FICEP organisiert über die ganze Stadt verteilt eine Woche lang Lesungen und Ausstellungen.

Der rumänische EU-Kommissar für Mehrsprachigkeit, Leonard Orban, wird im Rahmen der EU-Strategie zur Förderung von Sprachenvielfalt am 26. September in Paris sein. Einen Tag, den Albanel als einen „Tag der Reflexion über Mehrsprachigkeit, der die angeborene Neugierde der Pariser befriedigen soll “ bezeichnet.

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