Kultur

Eugenia Loli: Photoshop statt Prittstift

Artikel veröffentlicht am 3. Februar 2015
Artikel veröffentlicht am 3. Februar 2015

Die griechische Globetrotterin und Collage-Künstlerin hält nichts von der Suche nach individuellem Stil - der sei heutzutage zu sehr auf Kommerz ausgelegt. Deshalb macht sie ihre Collagen ausschließlich mit Photoshop und verschenkt sie. Wieso? Erklärt sie euch hier.

Eugenia Loli ist in Athen geboren und in der Nähe von Preveza, einer Kleinstadt im Nordwesten Griechenlands, aufgewachsen. Dort verbrachte sie ihre Kindheit in einem kleinen Dorf in den Bergen. Später zog Loli nach Braunschweig, dann nach Surrey, England, bevor der Umzug mit ihrem französischen Ehemann nach California Bay folgte. Kurz: Eugenia Loli ist eine Weltbürgerin.

Das Fernweh ist ein wichtiges Kriterium, um die Arbeit der Collage-Künstlerin zu verstehen, die von Objekten und Menschen in neuen und äußerst surrealen Kontexten erzählen. Ohne diese vielschichtigen und persönlichen Erfahrungen wäre Eugenia Loli vielleicht nicht die Künstlerin, die sie heute ist.

Bereits in Jugendjahren liebte die junge Griechin das Zeichnen. Doch da Künster ja bekanntlich 'nichts Richtiges werden' beschloss sie, ihren Berufswunsch zunächst beiseite zu schieben und sich karrieretechnisch den neuen Technologien zu widmen. 

Loli studierte also zunächst Informatik, sie wurde Bloggerin und machte Animationsfilme. In dieser Zeit entstanden beispielsweise eine Reihe Musikvideos für lokale KünstlerInnen in der Bay Area um San Francisco im Jahr 2012. Und wie Loli selbst sagt: „collaging kind of came naturally after that“ - zur Collage kam sie danach irgendwie ganz natürlich.

Kommerz oder der Tod des Künstlers

Loli kreiert in ihren Kompositionen neben wilden und zum Nachdenken anregenden Welten auch noch eine Reihe philosophische Gedanken über Kunst, die sich oft nicht sofort aus den Arbeiten ableiten lassen. Und dann verschenkt Loli ihre Arbeiten und löst dabei Verwirrungen bei ihren KollegenInnen aus, die versuchen, von ihrer Kunst zu leben. „Ich glaube, die Kunst verliert ihren wahren Wert, wenn sie sich kommerzialisieren lässt, weil sich der Künstler automatisch dem Geschmack und den Wünschen des Käufers unterordnet. Wer bin ich? Wie viel ist meine Arbeit wert? Diese Fragen sind für mich widersprüchlich. Kunst sollte jedem frei zur Verfügung stehen.“

Aber sind nicht die bedeutendsten Kunstwerke großer Meister erst durch Aufträge ihrer Mäzene entstanden? Michelangelo oder Brunelleschi versuchten ebenfalls den Geschmack der Medici zu treffen. Wir jedoch leben in einem anderen Zeitalter, in dem Werkzeuge wie Computer oder das Internet jedem die Möglichkeit offenbaren, KünstlerIn zu werden. Das macht es noch schwerer, wahrgenommen zu werden. Ich nenne das künstlerische Inflation. Und aus diesem Grund sind die Dynamiken, um als Künstler anerkannt zu werden, auch heute sehr viel komplexer. Deshalb ist es für mancheinen eben umso wichtiger, seinen eigenen Stil zu finden, um sich von der Masse abheben zu können.

Eugenia Loli findet das vollkommen falsch. „Deinen eignen Stil zu finden bedeutet gleichzeitig, immer das Gleiche zu machen. Deine Arbeiten haben so Wiedererkennungsmerkmale, sind profitabler und lassen sich leichter verkaufen. Darauf läuft es am Ende doch immer hinaus.“

Obwohl Mäzene der Renaissance in Kunstwerken ein Statussymbol sahen, verfolgten  sie parallel dazu eine idealistische Absicht: Eine neuartige Vision der antiken Welt zu schaffen und die Gesellschaft damit von der Finsternis zu befreien. Doch heutzutage versuchen Mäzene und Galeristen, den Geist und die Freiheit der KünstlerInnen nach ihren Idealvorstellungen zu formen, um mit deren Arbeiten schneller an Geld zu kommen. „Genau das verlangen die Galerien, damit sie die Werke schneller umsetzen können: man soll immer an einem einzigartigen, wiedererkennbaren Stil arbeiten. Und nie davon abkommen. Und dieser Zwang verursacht, meiner bescheidenen Meinung nach, künstlerische Stagnation". Oder synonym den "Tod des Künstlers", so Loli.

Und Eugenia Lolis eigene Collagen? Auch in ihren Arbeiten sind einige Linien und wiederkehrende Motive zu erkennen. „Ich denke nicht, dass ich einen Stil habe. Ich mache Collagen zu Dada, Surrealismus und auch Pop Art. Vielleicht ist der Sarkasmus aber ein wiederkehrendes Element in meinen Arbeiten. Er bleibt stets konstant. Das wäre „mein Stil“, wenn ich einen angeben müsste. Mein Stil ist der Sarkasmus, keine visuellen Elemente."

Photoshoppen statt Kleben

Vielleicht überrascht es zu hören, dass Loli die Fotos nicht aus Magazinen ausschneidet oder Papier selbst klebt. Loli verwendet Photoshop, weil sie ihrer Philosophie damit treu bleiben kann: ihre Kunst erstens in hoher Auflösung machen und sie zweitens für umme produzieren. „Ich arbeite gerne digital. Es ist schneller  und flexibler. Die Drucke sehen vor allem aus wie Papierkollagen. Der einzige Unterschied ist, dass ich sie mit Photoshop ausschneide, statt auf traditionelle Weise mit einer Schere.“

So kann sich Eugenia Loli auch der Idee eines „einzigartigen Kunstwerks“ widersetzen, das viele Kunstsammler anstreben. Solchem "elitären Schwachsinn" entzieht sie sich. Ein Kunstwerk darf nicht von Menschen, die Geld haben, bewertet werden. Es spielt absolut keine Rolle, ob es auf Papier gedruckt oder mit Photoshop bearbeitet wurde, oder ob es aus alten Magazinen ausgeschnitten und mit Kleber zusammengeklebt wurde. Wenn das Kunstwerk am Ende die gleiche Botschaft vermitteln kann, spielt die Machart eine geringfügige Rolle. Die Botschaft einer Arbeit ist für mich wichtiger als die Technik."

Kunst als Utopie

Eugenia Loli betrachtet Kunst grundsätzlich als Teil einer Utopie. "Sie hilft dir, das Leben zu meistern und beschreibt gleichzeitig unsere Träume darüber, wohin wir uns als Art bewegen." Manchmal, wenn sie durch den Park oder durch die Stadt läuft, ertappt sie sich selbst dabei, wie ihre Gedanken aus der Realität Collagen werden lassen.

Auch wenn Eugenia Loli keine konkreten Beispiele erwähnt, habe ich den Eindruck, die Dinge erscheinen ihr oft wie riesige Kraken, die ihre Tentakel um die nahe gelegenen Wolkenkratzer schlingen. Oder wie bunte Bonbons, die aus Schornsteinen quellen.

Die meisten Arbeiten von Eugenia Loli stehen unter einer Creative-Commons-Lizenz frei zur Verfügung. Auf der Webseite oder  ihrem tumblr kann man alle Collagen frei downloaden oder ausdrucken. Ok, Eugenia verkauft auch Drucke (für Leute, die keine Drucker haben), Iphone-Hüllen oder Duschvorhänge.