Kultur

Englisch , die neue Lingua franca?

Artikel veröffentlicht am 25. September 2008
Artikel veröffentlicht am 25. September 2008
Anlässlich des Europäischen Tages der Sprachen gilt es, die Vorherrschaft des Englischen in Europa zu überdenken, auch im wirtschaftlichen Sinne. Eine Sprachsteuer fürs Englische?

Der Europäische Tag der Sprachen bietet die hervorragende Gelegenheit, die Aufmerksamkeit auf die Problematik der linguistischen Gerechtigkeit in Europa zu lenken. In der europäischen Sprachlandschaft ist das Englische nämlich nicht nur die meistgesprochene Fremdsprache, sondern auch jene Sprache, die in den Schulen auf dem europäischen Festland am Häufigsten unterrichtet wird. Europa ist also damit konfrontiert, dass eine Minderheit der Bevölkerung (also die Briten und Iren) den Vorteil hat, mit einem immer größeren Teil der europäischen Bevölkerung kommunizieren zu können, ohne dabei in die Sprachausbildung investieren zu müssen.

Das große Absahnen auf den Inseln

©andreasmarx/flickrDank der Vorherrschaft des Englischen können das Vereinte Königreich und Irland ihre Ausgaben für die Förderung der Fremdsprachenkenntnisse sehr gering halten. Dabei sparen sie beachtliche Summen, die anderswo investiert werden können. Schätzungen zufolge bringen diese Ersparnisse sowie die direkten Einnahmen durch den Verkauf von Artikeln zum Erlernen des Englischen in Europa dem Königreich insgesamt zwischen zehn und 17 Milliarden Euro jährlich ein. Zudem haben die Englisch-Muttersprachler einen weiteren, nicht materiellen Vorteil. Sei es nun in einer Diskussion oder einem Konflikt, bei einer Versammlung der EU-Kommission ohne Dolmetscher oder bei einer internationalen wissenschaftlichen Konferenz können sie nämlich immer auf die eigene Sprache zurückgreifen.

Welche Maßnahmen gilt es also in unmittelbarer Zukunft zu ergreifen, um den Ansprüchen auf Gerechtigkeit der nicht-englischen Länder gerecht zu werden? Zuallererst muss man sich mit der “Korrektur zugunsten des Vereinten Königreichs” befassen, also der Rückvergütung von Seiten der EU, die Großbritannien rund fünf Milliarden Euro jährlich einbringt. Dieses Geld könnte für die Verbesserung der Übersetzer- und Dolmetscherdienste in der EU sowie für die Subventionierung europäischer Sprachagenturen verwendet werden, die wissenschaftliche Werke von Nicht-Muttersprachlern revidieren, die in Englisch verfasst wurden.

Außerdem wurde der Vorschlag geäußert, dass die Rechte des geistigen Eigentums, bezüglich der Patente etwa, überdacht werden müssen. Nicht-englischsprachige Länder sollten Anspruch darauf haben, für die geistigen Eigentumsrechte, die in englischer Sprache verfasst sind, weniger zu bezahlen als englischsprachige Länder.

Der Autor ist Mitglied des Observatoriums für Sprachenökonomie: Wirtschaft, Sprachen und Bildung (ELF) an der Universität Genf – www.elf.unige.ch und Verfasser des BlogsLe politiche linguistiche.