Kultur

Ein Sommer, viele Farben

Artikel veröffentlicht am 24. Juli 2006
Im Magazin veröffentlicht
Artikel veröffentlicht am 24. Juli 2006
Italienische Zwitscherwettbewerbe und katalanische Pyramidenbauer: Noch gibt es auf dem ganzen Kontinent Festivals zu entdecken, die keiner kennt.

Finnland: Luftgitarre international

Du triffst keinen Ton, denkst aber, du könntest dennoch Rockstar sein? Dann nichts wie ab nach Finnland! Dort findet vom 7. bis 8. September in Oulu der erste internationale Luftgitarren-Wettbewerb statt.

Die Idee dieses Festivals ist es, den bekannten Rockgrößen nachzueifern ohne Instrumente zu benutzen, einzig und alleine durch die Kraft der mimischen und gestischen Ausdrucks.

Ob du ein Deutscher, Österreicher, Franzose, Italiener oder Holländer bist ist ganz egal. Auch du kannst – gänzlich talentfrei – zum Star werden. „Wie einst die Bee Gees! Die Luftgitarre ist international!“ lautet etwa der Schlachtruf des französischen Teilnehmers Side Burn. Sein Erfolgsrezept sind seine langen Haare. Sie die geben ihm das das gewisse rockige Etwas – sogar in den schwersten Stunden.

Oulu, Finnland. Vom 7. bis 8. September

Katalonien: Pyramiden bauen

Hunderte Menschen in Tracht treffen sich auf einem Platz. Sie steigen sich nach und nach auf ihre Schultern und bilden so eine menschliche Pyramide, die bis zur ersten Etage eines Hauses reicht. Es braucht viel Konzentration und Gewandtheit, damit diese eigentümliche Konstruktion nicht in sich zusammenstürzt.

Kleine Kinder klettern flink wie Äffchen an den Erwachsenen empor. Als Krönung des Ganzen stellt sich einer der kleinsten zum Schluss auf die Spitze und hebt die Hand: Das „Schloss“ ist fertig und der gesamte Platz jubelt, während die oberen Etagen der Pyramide im Eiltempo wieder heruntersausen.

Die „Castellers“, wie die menschlichen Schlösser in Katalonien genannt werden, entstanden aus einer bäuerlichen Tradition des 18. Jahrhunderts. Derzeit haben alle größeren Städte Kataloniens ihre Baumeister, welche untereinander um die Höhe der „Schlösser“ rivalisieren. Der Tradition zufolge muss man Kraft, Gleichgewicht, Mut und nicht zuletzt Weisheit besitzen, um ein großer Baumeister zu sein.

Die „Castellers“ kann man sich am 30. August in Vilafranca del Penedès ansehen, das etwa 48 Kilometer von Barcelona entfernt liegt. Diejenigen, die nicht nach Spanien reisen können und sich das Spektakel live und in Farbe ansehen möchten, können dies am 3. September in London auf dem Regent Street Festival tun, wo eine Gruppe aus dem katalanischen Matarò ihr Können präsentieren wird.

Vilafranca del Penedès, 30. August

Sizilien: Das Fest der Vögel

Im kleinen sizilianischen Städtchen Sacile, findet zwischen dem 18. und 20. August das „Fest der Vögel“ statt. Um fünf Uhr Morgens begrüßt eine Amsel zwitschernd den neuen Tag. Dann wecken die Sonnenstrahlen einen anderen Musiker, die Drossel, die in die Melodie einstimmt. Tausende dieser Singvögel bevölkern die Straßen Saciles, das gerne „der Garten Venedigs“ genannt wird. Tausende Besucher lauschen den morgendlichen Klängen, während eine Jury bon Käfig zu Käfig geht, um das beste Lied zu wählen. Zwei Stunden später sind dann die Kanarienvögel dran, die sich gegenseitig durch eklatantes Pfeifen zu überbieten versuchen.

Seit sieben Jahren findet das „Fest der Vögel“ nun schon statt, dieses Jahr ist es ausnahmsweise frei. Es sind übrigens nicht nur Vögel, die singen. Es gibt auch zwitschernde Männer, die während des Vogelfestes versuchen, die Vögel nachzuahmen. Und auch hier erhält der Beste natürlich einen Preis.

Sacile, Italien, vom 18. bis 20. August. Mehr Infos unter www.prosacile.com

Litauen: Der Sommer sagt Auf Wiedersehen

In der ersten Augusthälfte feiert man in Litauen das so genannte „Zoline“-Fest, was sich etwa mit „Totenfeier“ übersetzen ließe. Dahinter verbirgt sich die traditionelle heidnische Verabschiedung des Sommers, die in Litauen „Zoline“ heißt. Es ist die symbolische Beendigung der Erntezeit und der Feldarbeit sowie die festliche Begrüßung des sich ankündigenden Herbstes.

Die Bewohner der Dörfer und kleinen Städtchen machen sich mit Sträußen aus Kräutern, Gräsern und Blumen sowie Körben voller Obst und Gemüse auf den Weg in die Kirche.

Nach der Messe versammelt sich die gesamte Familie am Eßtisch, um gemeinsam die aus dem gesegneten Gemüse und Früchten zubereiteten Gerichte zu verzehren. Das wichtigste Nahrungsmittel ist Brot, das die Einheit der Familie symbolisiert. Dem traditionellen Glauben nach soll „Zoline“ die Familie vor Krankheiten beschützen, den Zusammenhalt fördern und an die Verstorbenen erinnern. Die Haustiere nehmen an diesem Ereignis ebenso teil: Sie werden mit gesegnetem Heu und Gras gefüttert.

Polen: Bergbewohner fahren Droschke

Vom 18. bis 26. August findet im polnischen Zakopane das 28. „Internationale Folklorefestival der Bergvölker“ statt. In dieser Zeit präsentieren Gòralen aus der ganzen Welt den Festivalbesuchern traditionelle Lieder und Gedichte. In verschiedenen Wettkämpfen wie beim Droschkenfahren, Reiten, Gesang und Tanz stellen sie sich der Konkurrenz.

Unter den vielen Attraktionen findet man auch Tanz-Workshops, Künstler-Ateliers aus Zakopane, von erfahrenen Bergführern organisierte Ausflüge an Plätze die der „normale“ Tourist nicht zu sehen bekommt, sowie echte Gòralen-Hochzeiten. Das Festival ist ein hervorragendes Beispiel für den grenzenlosen Reichtum der Kultur der Bergvölker und der Gòralen, die in fast jedem Land Europas heimisch sind. Während der Wettkämpfe kann man beobachten, wie sich Gòralen-Teams aus dem gesamten Kontinent in aller Freundschaft konkurrieren. Sie kommen aus Rumänien, Ungarn, Tschechien, Italien und Spanien angereist!

Mit Dank an Nicolas Baker (Finnland), Mariona Vivar (Katalonien) und Anna Castellari (Sizilien)

Copyrights: Fabulous Fab (Finnland), Josep Santacreu (Katalonien), Pro Sacile (Sizilien), Janina Danieliene (Litauen), Biuro Promocji Zakopanego (Polen)