Kultur

Du Schnecke!

Artikel veröffentlicht am 7. Februar 2007
Artikel veröffentlicht am 7. Februar 2007

In den 70ern musste die spanische Wüste als Kulisse für die so genannten « Spaghetti-Western » herhalten. Diese Western waren Karikaturen der amerikanischen Cowboyfilme und wurden so schnell und billig wie Spaghettis produziert. Italienische Regisseure wie Sergio Leone führten darin Regie.

In den Spaghetti-Western wird alles übertrieben – vor allem das Happy End. Obwohl für die Bösen alles glatt läuft (Postkutschenüberfall, Entführung der Verlobten des Sheriffs, etc.) gelingt es den Guten am Schluss doch, das Blatt zu wenden. Daher bezeichnet man im Spanischen langsame Menschen mit: ¡Eres más lento que el caballo del malo! (« Du bist ja langsamer als das Pferd des Bösen! »).

Ganz ähnlich auch das Rumänische Te misti ca un cal impiedicat (« Du bewegst Dich wie ein Pferd, das ständig stolpert »). (« Du bist langsamer als ein Ochsenkarren »), rufen die Griechen und greifen damit auch zu einem tierischen Vergleich. Und die ganze Welt kennt den Klassier: « Du bist ja langsamer als eine Schildkröte ! »

Die ganze Welt? Nein! Ein kleines gallisches Dorf leistet mal wieder Widerstand: Die Franzosen glänzen mit einer kulturellen Ausnahme und verwenden mit bissiger Ironie einen ganz und gar untierischen Ausdruck: Je t’enverrai chercher la mort - « Du bist so langsam, dass du mir den Tod holen darfst ».

Ist es also wünschenswert, langsam zu sein? Wohl kaum. Wahrscheinlich haben die Bulgaren doch recht, langsame Zeitgenossen mit einer Schnecke zu vergleichen (). Schließlich brauchen diese Tiere ganze sechs Stunden für die Begattung. Wenn der Sheriff auch so langsam wäre, dann würde seine Verlobte sich im Film wahrscheinlich freiwillig von den Bösen entführen lassen, oder?