Kultur

Don Pasta: Kultur-Confit nach italienischer Art

Artikel veröffentlicht am 1. Juli 2010
Artikel veröffentlicht am 1. Juli 2010
Daniele de Michele, alias Don Pasta, kommt ursprünglich aus Salento in Süditalien und lebt heute in Toulouse, im Süden Frankreichs. Der Küchen- und Orchesterchef ist zugleich DJ, Gastronom, Ökonom und Umweltschützer… Sein Metier: Die Zutaten, die Musik und die Kulturen beidseits der Alpen miteinander zu mischen.

Es ist nach zwölf Uhr mittags. Nachdem er den Morgen in einem etwas verlassenen Sendesaal verbracht hat, wartet Daniele di Michele alias Don Pasta auf der Terrasse einer recht schicken Bar. Er ist zwar ohne seine Töpfe gekommen, doch mit ihm zu diskutieren ist wie ein gutes Essen zuzubereiten. Als Antipasto denken wir uns die Spezialitäten der französischen Region Franche-Comté - der Gedanke an ein Würstchen mit Cancoillotte (eine Käsespezialität) aus Morteau weckt die Neugier dieses „Comté-Käse-Süchtigen“. Es folgt die würzige Hauptspeise: Das Leben und das Werk dieses Italieners aus Salento, der sowohl Musik, das Kochen und Frankreich liebt. Noch bevor wir zum Dessert kommen, schmelze ich dahin, denn es ist ein wahrer Gaumenschmaus, sich mit Don Pasta zu unterhalten: Er spricht Französisch, in einem unglaublich schnellen Tempo, mit einem ziemlich markanten italienischen Akzent, gespickt mit dem typischen Tonfall eines Toulousers…

Die richtige Mischung

Don Pasta tourte mit seinem französisch-italienischen Team Cook and Roll Circus eine Tournee durch Italien

Don Pasta ist der Inbegriff des Kulturmix'. Er ist noch Daniele, als er mit dem Musik-Auflegen seine Karriere in Italien beginnt, bevor er Ende 1990 für drei Jahre nach Paris geht. Erasmus-Student am Tag, DJ in der Nacht; vom Guinguette Pirate bis zum Favela Chic entdeckte er letztlich seine Berufung im Herzen vom Montmartre:Musik, Kochen und Kultur miteinander zu vermischen. „Ich habe in einer senegalesischen Bar gejobbt, dem Jungle Montmarte in Paris. Das ist ein äußerst sinnbildlicher Ort der Mischung unterschiedlicher Kulturen. Dort gab es Senegalesen, Leute von überall her und ich war es - ein Italiener - der Funk mit Reggae und Soul mischte!“, sagt Don Pasta.

Dann gibt er eine Anekdote zu seinem Namen zum Besten, die er bestimmt schon tausend Mal wiederholt hat, ohne dass ihm dabei aber jemals die Begeisterung ausgegangen wäre: „Eines Abends, es war zwei Uhr nachts, die Party ging zu Ende und diejenigen, die geblieben waren, schlossen mich in der Küche ein. Sie verlangten von mir, dass ich Nudeln für die ganze Mannschaft koche. Woche für Woche ist es dann immer mehr zur Tradition geworden, dass ich für alle Pasta zubereite. Dort hat man mir den Spitznamen Don Pasta gegeben und ich habe ihn bis heute behalten.“

Es ist auch der Ort, an dem zukünftige Projekte aufkeimten. Food Sound System, In the Food for Love, Cook and Roll Circus: Ein Buch, zwei Performance-Shows, eine Verbindung aus Kochkunst, Geschichte und Musik: „In Salento ist es Tradition, jemanden mit Essen zu empfangen… mit viel Essen! Alles geschieht um und in der Küche, sie ist eine Art kultureller Begegnungsort. Und oft wenn wir kochen - sei es in Frankreich, in Italien oder anderswo - hören wir Musik dazu. Einige Lieder können uns sogar daran erinnern, was wir gegessen haben. Es ist all das, was ich mit anderen teilen wollte.“

Pasta mit multikultureller und antirassistischer Sauce

Don Pasta ist Küchen- und Orchesterchef geworden. Mit seinem italienisch-französischen Team des Cook and Roll Circus hat er im Frühling dieses Jahres den Stiefel von Norden nach Süden durchquert. Eine Show, die um die Zubereitung auf der Bühne angeordnet ist - um das, was Don Pasta am besten kann: Pasta kochen. Mit dem Publikum teilt er sein Lieblingsgericht: Selbstgemachte Nudeln mit „multikultureller und antirassistischer“ Sauce. „Es ist eine Sauce mit vielen Gewürzen, was in Italien nicht oft gemacht wird, außer auf Sizilien“, führt Don Pasta aus. „Genau das finde ich aber interessant, denn die Verwendung von Gewürzen ist das Ergebnis arabischer Einflüsse, die nach und nach Teil des kulturellen und gastronomischen Erbes der Insel geworden sind.“ Tief inspiriert von der italienischen Küche kommt Don Pasta zu keinem geringeren Schluss, als dass die Bewahrung von Traditionen darin besteht, sie miteinander zu vermischen: „Es ist der Ursprung jeder gastronomischen Tradition. Jedes Gericht ist immer das Ergebnis einer Dynamik. Dafür setze ich mich ein, wenn ich pikante Polpette (Fleischbällchen) mache.“

Große Anliegen und süßes Farniente

alias Don Pasta Don Pasta verfolgt außerdem minutiös den Produktionsweg eines Produktes, um an gute Zutaten zu kommen: „Die Herkunft der Produkte ist wesentlich“, bekundet er überschwänglich. „Zum Beispiel erkläre ich auf der Bühne, dass die Tomatensoße im August hergestellt werden muss. Die Saison zu berücksichtigen, ist die Grundlage jeder guten Küche.“ Derweil ist Don Pasta beunruhigt wegen der Einführung gentechnisch veränderter Organismen und den Zwängen, denen das Gewerbe unterliegt: „Das ist der Beginn einer kulturellen Katastrophe und deshalb sehe ich es als meine Aufgabe, die Leute für die Qualität von Produkten zu sensibilisieren.“ Die andere kulturelle Katastrophe ist Don Pasta zufolge jene, die gerade Italien heimsucht: „Meine Laufbahn ist das Beispiel einer Glaubwürdigkeit, die ich in Frankreich erworben habe, ausgehend von einer Intuition, die überhaupt nicht französisch ist.“ Er erzählt, wie seine Projekte unmittelbar Anklang gefunden haben und wie ihn die Region Midi-Pyrénées und die Stadt Toulouse unterstützt haben, während in Italien „sehr schlechte Gewohnheiten fortbestehen, was die fehlende Transparenz bei der Auswahl von Projekten betrifft. Einer der Gründe dafür, dass sich das Land in einem so tragischen Zustand befindet.“

Doch selbst wenn er sich derzeit in Frankreich niedergelassen hat, ist Don Pastas Seele noch immer in Italien. Seit die Tournee des Cook and Roll Circus beendet ist, fördert er wieder Veranstaltungen in den besetzten Häusern von Rom, in denen er Produzenten auf die Bühne kommen lässt, um sich für die italienische Landwirtschaft, ihre regionalen Erzeugnisse und ihr sowohl kulturelles als auch gastronomisches Erbe einzusetzen. Aber auch um diesen kleinen Seelenzuschlag der Italiener zu pflegen, der den Franzosen so gefällt, sagt er, dass das „dolce farniente“ (süßes Nichts-Tun), dessen geheimes Rezept auf „otium“ (Muße bzw. Freizeit auf Lateinisch) beruht, seit Jahrhunderten sorgfältig auf der anderen Seite der Alpen bewahrt wird.

Fotos: ©Luca Innocenzi/flickr