Kultur

Die Csángó: Immer noch diskriminiert

Artikel veröffentlicht am 13. Januar 2006
Artikel veröffentlicht am 13. Januar 2006
In der Moldau-Region im Nordosten Rumäniens leben die Csángó, eine ungarische Volksgruppe. Ihre Geschichte ist geprägt von erbitterten Kämpfen für die Anerkennung ihrer Rechte.

Der Balkan ändert sich mühsam. Die ehemals kommunistischen Donauländer sind dabei, den politischen und sozialen Zerfall ihrer Länder hinter sich zu lassen. Und das, obwohl die Region von einer politischen Elite beherrscht wird, die aus eineinhalb Jahrhunderten der Spaltungen, Rassismen, Nationalismen und Nationalkommunismen hervorging. Die Balkanländer durchlaufen denselben Prozess wie seinerzeit Griechenland, Spanien und Portugal, die sich aus blutigen Bürgerkriegen und Militärdiktaturen befreiten. Sie arbeiten hart daran, politischen und sozialen Fortschritt zu finden. Die Zeichen mehren sich, die auf eine demokratischere und „sozialere“ Zukunft des Balkans hindeuten.

Langsame Assimiliation

Besonders interessant ist dabei die Lage in Rumänien. Das Land ist reich an Geschichte, Kunst und Kultur. Es ist ein Schnittpunkt zwischen slawischer, deutscher, lateinischer, ungarischer, türkischer und Roma-Welt. In der Umgebung der Städte Iasi, Bako und Roman leben die Csángó, eine ungarische Minderheit der rumänischen Moldau-Region. Seit dem 19. Jahrhundert sind sie Opfer einer langsamen und fortschreitenden Assimilation an die rumänische Mehrheit. Dies zeigen die offiziellen Volkszählungen der rumänischen Regierung: 1859 kamen 37.825 Ungarn auf 52.811 katholische Moldauer, 1992 waren es nur noch 1.826 auf 240.038. Die staatlichen und kirchlichen Herrscher haben vor 150 Jahren den Ungarn Moldaus den Krieg erklärt – lediglich in den 1950er Jahren hat das kommunistische Regime der ungarischen Minderheit das Recht zugestanden, die eigene Sprache auch in den Schulen zu benutzen.

Bis 1989 waren die Csángó praktisch unbekannt. Die Csángó versuchen seit Jahrhunderten auf friedliche Weise für ihre eigenen Rechte zu kämpfen. Es mangelte es an einer ausreichend ausgebildeten Gruppe innerhalb der Csángó, die der staatlichen Repression hätte widersprechen können. Wer sich als Csángó bezeichnete oder versuchte, die Rechte seines Volkes zu verteidigen, wurde eingeschüchtert und von den zivilen und religiösen Autoritäten verfolgt. Ab 2000 sind die Csángó jedoch aus ihrer Jahrhunderte andauernden Isolation ausgebrochen und haben immer mehr Sympathisanten gefunden.

Kampf gegen Diskriminierung

So hat der Europarat im Jahr 2001 seine Empfehlung Nr. 1521 verabschiedet. Sie ist an die rumänische Regierung und den Heiligen Stuhl adressiert und will die Csángó minority culture in Rumänien schützen. Von diesem Zeitpunkt an mussten die Autoritäten in Rumänien (leider nicht die am Heiligen Stuhl) ihre Einstellung gegenüber den Csángó ändern. Diese haben jetzt das Recht, in einigen Grundschulen in Ungarisch zu lernen. Aber die Diskriminierungen sind noch nicht beendet. Jüngst wurde der Bischof von Iasi bei der nationalen rumänischen Kommission gegen Diskriminierungen angezeigt. Er wollte den Csángó nicht das vom zweiten vatikanischen Konzil garantierte Recht einräumen, liturgische Messen in ungarisch zu feiern. Der Weg ist dennoch vorgezeichnet und wird Rumänien und das Donau-Europa dahin führen, aktiver Teil der Europäischen Union der Völker zu sein. Wie schon in der Vergangenheit könnte Europa auch in Zukunft von der Kultur der Csángó Moldaus profitieren. In diesem Teil unseres Kontinents wurde 1446 die erste Bibel in Ungarisch, fanden Protestanten aus ganz Europa Schutz. Und es war ein Csángó, der große Ethnologe Lük Gábor, der den rumänisch-ungarischen Freundschaftsverein gründete.