Kultur

Die Belgier von Absynthe Minded: "Wir sind keine Playboys!"

Artikel veröffentlicht am 2. April 2010
Artikel veröffentlicht am 2. April 2010
Das belgische Jungs-Quintett Absynthe Minded hat sich Rock mit Jazz-Einflüssen verschrieben. Das Ergebnis: treue Fans und platingekrönte Alben! Als nächste Etappe steht eine Europatournee samt neuem Album an.

Im Sers, einem Schickimicki-Hotel im 8. Pariser Arrondissment, wirken die fünf Jungs von Absynthe Minded beinahe fehl am Platz. Doch Rockstars logieren bekanntlich luxuriös - und die fünf Belgier sind auf dem besten Weg dazu, Rockstars zu sein. Bis vor kurzem selbstproduzierend, haben die Musiker vor kurzem einen Vertrag beim französischen Label AZ, einem Ableger von Universal Music, unterschrieben. Und mit ihm öffnen sich die Türen zum europaweiten Erfolg.

Dafür war es auch höchste Zeit ist. Denn es ist schon einige Zeit her, dass sich Bert und Renaud auf der Musik-Hochschule von Gent kennenlernten. Im kleinen Belgien ging damals dann aber alles ganz schnell. Nun ist ihr viertes, mit Absynthe Minded betiteltes Album auf dem Musikmarkt erschienen und in Belgien bereits mit Platin ausgezeichnet worden. Das heißt im Klartext: mehr als 30.000 verkaufte Platten. Dazu kommen 15.000 Downloads der Singleauskopplung "Envoi".

Musik mit „Swing“ und schöne Töchter

9 Jahre ohne Unterbrechungen: das ist ziemlich selten in einer Rockband

Am Anfang war es ziemlich egal, mit wie vielen oder welchen Instrumenten die fünf Männer auf der Bühne standen, oder welches Etikett ihnen die Radiosender aufdrückten: Im Mittelpunkt stand - und steht noch immer - die Musik, und die soll „swingen“! Absynthe Minded sind „die netten Jungs von nebenan, die sich zur richtigen Zeit am richtigen Ort befanden“, erklärt Bert, der zusammen mit Renaud begann und mit dem Duo Acoustic-Combo in den Niederlanden, Deutschland und Norwegen tourte.

Nach einiger Zeit gesellten sich Bassist, Schlagzeuger und Pianist dazu. Gemeinsam begannen sie zu experimentieren: Verstärker, Hammond-Orgeln und Kontrabass sorgen für Abwechslung und Betreten von musikalischem Neuland. Denn so beschreibt Bert gute Musik. Sie bestehe für ihn darin, nach neuen Wegen zu suchen, originell zu sein und einen offenen Geist zu haben. So verbringe er viel Zeit damit, in Plattenläden zu stöbern, um alte, vergessene Platten wieder neu zu entdecken.

Wie das Logieren in Luxushotels gehören zu richtigen Rockstars auch die unzähligen Frauen. Wie sieht es in der fünfköpfigen Männerband mit dem schönen Geschlecht aus? Renaud zum Beispiel ist mit 29 Jahren bereits geschieden. Er erklärt: „Viele Frauen akzeptieren nicht, dass wir ein Zigeunerleben führen“, wobei er schmunzelnd hinzufügt:“ Ich muss aber auch nicht lange um eine Frau trauern - schließlich haben viele Mütter schöne Töchter“. Frauen sind eine unerschöpfliche Inspirationsquelle für die Songtexte von Bert: „Ich finde Frauen unglaublich interessant. Und da ich mit drei Schwestern aufgewachsen bin, waren Frauen schon immer ein Teil meines Lebens. Wir sind aber keine Playboys.“ Renaud, der gerade dabei ist, sich seinen zweiten Cocktail zu genehmigen, meint lachend: „Weißt du, was das Beste ist, wenn du Lieder über Frauen schreibst? Du hast immer ein weibliches Publikum.“

Erfolgsrezepte

"My heroics Part one" wurde vom belgischen Radiosender Studio Brussels zum besten Song des Jahrzehnts gekürt. Was aber ist das Geheimnis der Produktion eines solchen Hits? Als erstes ist es an Bert, die Akkorde, den Text und die künstlerische Richtung festzulegen. Erst dann kommt der Rest der Band ins Spiel. „Bert ist der Braten, wir vier sind die würzige Soße“, fasst Renaud die Rolle der Band zusammen und fügt an, was die größte Schwierigkeit ist, als Gruppe und nicht als Solokünstler zu arbeiten: „Es ist eine echte Herausforderung mit den Ideen von anderen zu komponieren, da jeder seine eigene Interpretation hat. Als Band müssen wir uns auf die gemeinsam festgelegte Essenz eines Songs konzentrieren.“ Dabei ist die Dynamik einer Band unverzichtbar. „Wir müssen gemeinsam proben, gemeinsam suchen und uns gemeinsam verbessern“, unterstreicht Bert den Teamspirit der Band.

Album Nummer 4!Für ihr neues Album Absynthe Minded (2009) haben die fünf jungen Belgier mit Jean Lamoot, dem Produzenten der bekannten französischen Rockband Noir Désir und dem französischen Sänger Alain Bashung zusammengearbeitet, was ihnen mehr Selbstvertrauen gegeben hat. „Die Zusammenarbeit war gut für uns. Wir haben in acht Jahren bereits vier Alben veröffentlicht, haben schon überall in Belgien und den Niederlanden gespielt. Aber jetzt haben wir internationale Ambitionen“, begeistert sich Bert. Und selbst wenn Renaud zugibt, dass er niemals gedacht hätte, einmal die großen Konzertsäle in Europa zu füllen, behält er einen kühlen Kopf: „Es wäre cool, wenn wir in Europa genauso bekannt würden, wie wir es in Belgien sind.“ Den transatlantischen Durchbruch streben sie allerdings momentan nicht an. „Wir wollen nicht auf mehreren Hochzeiten gleichzeitig tanzen - eine reicht uns vollkommen.“ Und deren Bühne soll Europa sein!

Fotos: ©Absynthe Minded