Kultur

Das 3D-Kino heute - immer noch revolutionär?

Artikel veröffentlicht am 19. März 2009
Artikel veröffentlicht am 19. März 2009
Ein Blick auf die Innovationen des modernen Digitalkinos im Rahmen des Kinostarts von Monsters vs. Aliens.

Cameron, Katzenberg und Spielberg sind einige der Hollywood-Größen, die die Einführung des 3D-Kinos für eine Revolution, vegleichbar mit der des Übergangs vom Stumm- zum Tonfilm, halten. Obwohl der Begriff 3D Erinnerung an die Plastikbrillen weckt, die vor etwa fünf Jahren einen Epochenwechsel ankündigten, der nicht eintraf, könnte es Experten zufolge diesmal klappen.

Porno in 3D

©Futur Film Festival

Die Idee des 3D gefällt vor allem den Meistern der Branche, die haufenweise Dollar dafür investieren. Der Film Avatar von Regisseur James Cameron, der im Dezember 2009 anläuft, wird 200 Millionen Dollar verschlingen. Andere angekündigte Blockbuster sind Monsters vs. Aliens (Kinostart 27. März 2009), Shrek 4, Madagascar 3, Ice Age 3, Final Fantasy 4, Tron 2.0, Fluch der Karibik 4 und Tim Burtons Alice im Wunderland.

Für die Produktionsfirmen verheißt die neue Technologie Hilfe im Kampf gegen die Piraterie, der es so nicht mehr gelingt, die Filme zu kopieren. Darüberhinaus bedeutet die technische Innovation eine Eindämmung der Vertriebskosten für die Kopien, für deren Rücknahme und Lagerung. Dazu kommt eine Modernisierung der Kinosäle, die so zu multimedialen Zentren für die Übertragung von Sportereignissen und Konzerten in 3D werden. Weitergehend schließt diese Entwicklung auch dreidimensionale Heimkinos mit ein, mit der Möglichkeit auf Systeme, die eine selbstständige Vorführung durch die Nutzer erlauben. Wenn man sieht, dass die Pornoindustrie schon beginnt, die Innovationen für sich zu nutzen und dass das italienische Brillen-Imperium Luxottica Sonnenbrillen mit entsprechenden Linsen für das dreidimensionale Kino plant, wird es wohl nicht mehr lange dauern, bis man auch vom heimischen Wohnzimmer dank dunkler Brillen erotischen Abenteuern frönen kann.

Arm, aber kreativ

Nach Meinung des Futurologen Bruce Sterling, der als einer der Väter des Cyberpunk angesehen wird, könnte uns die Anfertigung einer Raubkopie in dieser kostspieligen digitalen Welt das Leben kosten. Sterling malt aber auch ein alternatives Szenario, ein technisch besseres Kino, das dank seiner Möglichkeiten an Vernetzung anarchischer funktioniert. Das entspricht einem auf die kinematografische Kunst angewandten YouTube-Effekt, so dass jeder mit wenig Geld als Regisseur agieren kann.

Das Kino 2.0 bietet Möglichkeiten zur Beteiligung, entwickelt sich durch Open-Source-Software, zeichnet sich durch kollektive Storyboards aus und legt Teile der Produktionsphase in die Hände einer Fangemeinde, die das hierfür nötige Wissen besitzt. Dies entspricht dem von der Blender Foundation eingeschlagenen Weg, einem Projekt des Holländers Ton Roosendaal, der eine Open-Source-Software für dreidimensionale Modellierung geschaffen hat. Zwei Kurzfilme sind schon auf dem Markt, Elephant’s Dream und der kürzlich erschienene Big Buck Bunny, Gewinner von zwei Preisen auf dem holländischen Animationsfilm-Festival 2008. Die Geschichte von Blenders Software ist einzigartig: ins Leben gerufen als ein kommerzielles Produkt, wurde sie infolge des Scheiterns der Gesellschaft, die sie entwickelt hatte, als ein von jedem zum Nulltarif nutz- und änderbares Programm wieder geboren.

Enrico Valenza, dem künstlerischen Kopf von Big Buck Bunny, zufolge, sei die Leistungsfähigkeit von Blenders 3D-Modellierungs-Software den Angeboten von Autodesk Maya, dem Programm, das die Großen der Filmbranche für Werke wie den Herr der Ringe oder Spiderman nutzen, sehr ähnlich. Mit dem Unterschied, dass hinter den Projekten der Blender Foundation nicht Unmengen an Dollar stehen, sondern eine Community von Nutzern, die wie eine wirkliche Produktionsgesellschaft arbeitet. So könnte man also die europäische Variante der modernen Kinotechnologie beschreiben: arm, aber kreativ.