Kultur

Craig David: 'Lasst mich einfach einen 26-jährigen Musiker sein

Artikel veröffentlicht am 8. Mai 2008
Artikel veröffentlicht am 8. Mai 2008
Der 26-jährige britische R'n'B Sänger - heute für den Grammy nominiert - half im Jahr 2000 der UK Garage Musik auf die Sprünge. In Paris erzählt er von seinem vierten Album, Grime und den Vorteilen eines Fitnessstudios.

"Ich bin ziemlich ehrgeizig. Wenn ich also etwas anfange, bleibe ich auch dabei", sagt Craig David über sich selbst. Der muskulöse Sänger ist kaum wiederzuerkennen, denkt man an den dünnen, spitzbärtigen Teenager, der in Großbritannien nach seinem Auftritt in dem UK Garage-Hit "Rewind" von 2000 Ruhm erlangte. "Ich habe versucht von einem Jungen zu einem Mann heranzuwachsen", lacht er. "Ich habe mit einem ehemaligem professionellen Boxer und guten Freund von mir, Faisal Mohammed, trainiert. Es macht dich selbstbewusster ins Fitnessstudio zu gehen: so wie 'Los, lass uns die Welt erobern!'"

Craig David bestreitet, seine Erscheinung bewusst verändert zu haben, nachdem er in einem berüchtigten Auftritt des Comedian Avid Merrion in der Sendung Bo' Selecta! des britischen Fernsehsenders Channel 4 karikiert wurde. Er war einmal ein übergewichtiges Kind, das in Southhampton aufwuchs. Nach dem Tod seiner Großmutter, die ihn nach der Trennung seiner halbjüdischen Mutter und seines grenadischen Vaters im Alter von acht Jahren mit aufzog, sagt er, habe er zu trainieren begonnen.

Trust him

Die zweite 'UK Number One' Singleauskopplung: 'Fill Me In' (2000)

Es gibt auch einen ausgesprochenen Wandel in seiner Musikausrichtung. Craig David begann seine Karriere mit vierzehn Jahren als Club-DJ. Sein Mentor war zehn Jahre älter, "was mir geholfen hat als es schließlich darum ging, Songs zu schreiben, weil ich mir ansehen konnte, wie Menschenmengen auf bestimmte Songs reagieren." Sein erstes Album Born To Do It (2001) verkaufte sich erstaunliche 7,5 Millionen mal. "Es war unglaublich so viel zu verkaufen. Mittlerweile bin ich seit vier Alben und mit 13 Millionen verkauften Platten dabei (3 Millionen davon allein in Großbritannien). Es ist eine verblüffende Leistung, ein Meilenstein, der mir ermöglicht hat, die Welt zu sehen. Ich habe die Mission, weiterhin gute Musik zu machen. Ich will noch zehn, zwanzig, dreißig Jahre mit dabei sein."

Dafür war auch ein Besuch bei der Plattenfirma nötig. "Ich habe denen gesagt, sie sollen mich einfach einen 26-jährigen Musiker sein lassen und mir nicht erzählen, welches Radio gerade was spielt und welche Art von Songs ich vorher gemacht habe." Das daraus resultierende vierte Studioalbum Trust Me ist, laut Craig David, eine "Nachricht an seine Fans von damals. Bleibt am Ball, bewahrt eure Integrität. Am schwersten ist es, wenn du versuchst einen Manager zu finden. Du weißt nie, ob sie wirklich dein Bestes wollen. Also mach die Musik, mit der du dich wohlfühlst. Dann kommt man auch durch den ganzen Nonsens, den Leute einem erzählen."

Reggae, Dancehall, R'n'B, Hip Hop, Soul, Pop, Jungle, Drum'n'Bass und UK Garage - die Liste, die Craig Davids musikalische Ambitionen beschreibt, ist erschöpfend. "Um ehrlich zu sein, wenn du all das zusammen mischst, erst dann hast du deinen eigenen Stil", verteidigt er sich. "Ich mag es auch MC ruhig mit einer akustischen Gitarre zu unterlegen. So hat man die Balance und versucht immer andere Sachen. Trust Me erzählt von Liebe und Beziehungen", erklärt er und führt dies am Beispiel einiger Singles genauer aus. Awkward beispielsweise beschreibt, wie es ist, wenn du mit einem Mädchen nicht richtig Schluss gemacht hast und sie dann acht Monate später wiedersiehst. 'Should I say, sorry, pretend that we weren't together'? Dann siehst du den Ring an ihrem Finger und denkst dir 'there's another guy who's thinking she is worth marrying, maybe I made a mistake and should be with you'." Und die erste Single Hot Stuff, eine Coverversion von David Bowies Let's dance!? "Du gehst in einen Club und siehst eine wirklich scharfe Frau... Dieser eine Eindruck bestimmt dann die ganze Nacht."

Craig David auf Rundreise: US-Europa

In Miami, wo er seinen Zweitwohnsitz hat, "gibt es wirklich hot stuff, vertrau mir!" scherzt Craig David. Trotzdem hat er Europa nicht den Rücken gekehrt. "Es ist mir wichtig in Europa zu arbeiten. Frankreich war schon immer ein großer Markt für mich und die Leute haben mich sehr unterstützt und respektiert."

Craig David und Mathieu bei der 'Star Academy' in Frankreich

Zurzeit ist für einen Gastauftritt bei der Reality-TV-Show Star Academy in Paris. Die Show "wurde immer stärker. Mit dem Finalisten Mathieu zu arbeiten war ziemlich cool. Er ist ein junger Künstler und hat einen meiner Songs auf Englisch gesungen und ich war sehr erstaunt über die Art, wie er sich präsentiert hat." In der Zukunft allerdings sieht David keine erneute Zusammenarbeit mit französischen Produktionen. "MC Solaar hat ein paar ziemlich coole Sachen am Laufen. Da sind ein paar großartige Sänger, aber ich würde lieber zusammen mit ihm eine gute Platte machen als nur ein Duett, um mich in die französische Musikindustrie einzuschleusen." Er hat auch schon von dem französischen Phänomen der Tecktonik gehört. "Das ist so eine Tanzgeschichte, oder? Ist sie gut? Machen die das auch mit Musik?"

Aber was ist mit englischen Trends, wie zum Beispiel dem Two-step und Garage Musikszenen, die in Frankreich nicht sehr bekannt sind? "Das sind Ableger der Dance music. Sie legen R'n'B Lieder, wie zum Beispiel Jaheims Ballade Just in Case über einen Garage-Takt. Die meisten Balladen würden nie wirklich außerhalb des Schlafzimmers gehört, aber mit einem Mal werden diese langsamen Tracks verändert. Die Leute hätten nie gedacht, dass sie einmal zu Freaking You von Jodeci tanzen würden. Das wird jetzt wieder richtig groß, seitdem es zum underground gehört."

Das kann man auch in Davids neuster Zusammenarbeit mit dem britischen Grime-Künstler Kano auf dessen Top Zwanzig Single This is the Girl hören. "Ich liebe die Veränderung und die Tatsache, dass es sich irgendwohin entwickeln musste. Als die Sache dann kommerziell wurde, wollte die Szene sich schon die Rechte sichern, aber der Underground hat es zurück gefordert und noch dunkler gefärbt. Und jetzt kommt es wieder durch - mit funky House-school-Garage-Elementen durchsetzt."

Craig David goes 'grime' mit Kano, Akustikversion

Craig David über...

...Produzentenwechsel

Verschiedene Produzenten holen ganz andere Sachen aus dir heraus. Es geht immer darum, sich selbst zu fordern. Martin Terefe, der zuvor mit Pharell Williams zusammenarbeitete, und Fraser T Smith (sein Gitarrist über vier Jahre) haben sehr gut zusammen gearbeitet und dadurch neue Elemente für das Album herausgearbeitet.

... die kubanische Färbung seines Albums

Terefe kannte einige der ursprünglichen Mitglieder des Buena Vista Social Clubs. Und ehe ich mich versah, waren wir da draußen und diese “Jungs” kommen auf uns zu und performen... Percussion, Horn, ein Pianist... es war krank.

... Must Sees in London

Movida am Freitag oder Kabarett am Montag.

Europatour März/ April 2009

Album in den USA und USA-Tour April/ Mai 2009