Kultur

Carla Bruni und E-Quad: Café Label im Juli

Artikel veröffentlicht am 17. Juli 2008
Artikel veröffentlicht am 17. Juli 2008
Frankreichs First Lady singt wieder, holländische Weltverbesserer drehen auf, italienische Rockpoeten lassen es krachen und ein finnischer Casting-Star will es in Asien wissen: Die Europa-Musikagenda.

Carla Bruni: Comme si de rien n’était

Quel scandal! Schon im Vorfeld der Veröffentlichung des dritten Albums der Präsidentengattin und Musikerin Carla Bruni gab es Spekulationen, Belustigungen, Kritik seitens der kolumbianischen Regierung (Songtext: "Du bist mein Stoff, mein kolumbianischer Schnee") und vor allem Unmengen an Schlagzeilen in der Regenbogenpresse. Dabei ist doch alles halb so schlimm. Comme si de rien n’était wurde lange vor Brunis Liaison mit Nicolas Sarkozy geschrieben und dass die Sängerin Männern nicht abgeneigt ist und Erlebtes gerne in ihren Liedern verarbeitet, dürfte seit dem Chartstürmer "Quelqu’un m’a dit" kein Geheimnis mehr sein. Es geht um Liebe, Lust und Leidenschaft, mit der gewohnt sanft-lasziven Stimme, aber gereifter und mutiger als auf den Vorgängeralben. Wer sich daran sowie an einer 'bruniesken' Version des Bob-Dylan-Klassikers "You belong to me" erfreuen möchte, muss sich vorerst mit dem Album begnügen. Denn so lange ihr Mann das Präsidentschaftsamt inne hat, wird Frankreichs First Lady nicht auf Tour gehen.

VÖ : F : 11. Juli, restliches Europa : August Label: Naïve (F), Ministry of Sound (restl. Europa)

E-Quad: no smoke

©myspace.com/equad

Mal wird Holland als Beispiel einer gut funktionierenden Multi-Kulti-Gesellschaft gelobt, mal wird die ©E-Quad/New MusicUtopie der gelungenen Integration als gescheitert abgetan. Die niederländische Band E-Quad jedenfalls hat beschlossen, den Blick über den Tellerrand zu wagen. Das beweist sie nicht nur durch die Zusammenarbeit mit südafrikanischen Bläsern, sondern auch durch ihre Tourneen durch Lesotho und Südafrika - und nicht zuletzt durch ihren waghalsigen Stilmix aus Jazz, Hip Hop, House und Drum’n’Bass. Die unterschiedlichen Persönlichkeiten, die zum Album no smoke beigetragen haben, geben dem Sound ihre besondere Würze. Kein Rauch ohne Feuer, das beweist das niederländische Quartett auf besonders phantasievolle Weise.

VÖ: Juni/Juli 2008 Label: 

My Own Parasite: God 3 - Myself 0

©My own Parasite/myspace.comIn der italienischen Musikszene sind die Postrocker aus Verona/Bologna My own Parasite schon seit ©ERICAILCANEüber zehn Jahren aktiv. Furore machten sie bereits mit einer ganz eigenen Version des Nirvana-Klassikers "Milk it" und für Toni D’Angelos Film Una notte haben sie exklusiv den Soundtrack geliefert. Auch für ihr aktuelles Album haben sie sich wieder etwas ganz besonderes ausgedacht: God 3 - Myself 0 ist als Doppelalbum erhältlich, als akustische und als elektrische Version. Die Optik kommt ebenfalls nicht zu kurz: Das Cover, das zwei halb-Mensch, halb-Tier-Gestalten im Fußballduell zeigt, erinnert an Goyas berühmte "Caprichos" und wurde vom bekannten Künstler Ericailcane angefertigt.

Fazit: Intelligenter, düsterer Postrock, weniger für einen Sommertag am Strand, dafür umso mehr für die langen Nächte danach geeignet.

Label: Plumbea Records

Ari Koivunen: Becoming

©Ville Akseli Juurikala

Ani Koivunen ist momenten sicherlich einer der beliebtesten Musiker in Finnland. Nachdem sich sein ©Sony BMGDebütalbum hervorragend verkauft hat, ist nun mit Becoming der Nachfolger - in den (zunächst nur finnischen) Plattenläden - bereits auf Platz 1 der Suomi-Charts geklettert. Eigentlich Produkt einer Casting-TV-Show hebt sich der Musiker, der auch unter dem Namen 'Iso A' (= großes 'A') firmiert, mit seinem dunklen, schweren Metal- und Hardrocksound angenehm von geklonten Plastikbands ab. Nach Lordi wusste es bereits ganz Europa, jetzt soll, auch im Rahmen einer Japan-Tournee, der Rest davon überzeugt werden: Die rocken, die Finnen!

Label: Sony BMG