Kultur

Café Label im Februar

Artikel veröffentlicht am 5. Februar 2008
Im Magazin veröffentlicht
Artikel veröffentlicht am 5. Februar 2008
Berliner Alltagstristesse trifft auf britische Coolness, eine frankophile Kalifornierin bringt das San-Francisco-Feeling nach Europa, dänische Sehnsucht und ein frankophones Rapkollektiv: Die Europa-Musikagenda für Februar.

The Aim of Design is to Define Space: Aimthusiasm

(Foto: ©Andreas Mühe)

Wenn eine deutsche Band ihren eigenen Sound als 'Angst-Pop' bezeichnet, lässt das zunächst nichts Gutes vermuten. Tatsächlich ist die Musik von The Aim of Design is to Define Space keineswegs beängstigend. Sie beschreibt ganz einfach nur das, was in den Orten, aus denen die Bandmitglieder stammen, zum Alltag gehört: Armut und Alkoholismus zum Beispiel. Die Kombo, die aus vier Berlinern beziehungsweise Brandenburgern besteht, tut dies auf eine besonders geschickte Weise: Mit Melodien, die sich unterschiedlicher Rockstile bedienen und Texten, die auf den ersten Blick sehr einfach wirken, beim zweiten Hinhören aber voll intellektuellem Witz und Doppeldeutigkeit sind. Pathos des Alltags, Sehnsucht und Humor, klassisches Songwriting und früher U2-Gitarrensound gehen mit einem stilsicheren Äußeren einher. Powerrock nicht nur für Designfans.

"Geboren im Winter"

Haute Areal

VÖ: 22. 2. 2008

Morcheeba: Dive Deep

(Foto: ©morcheeba.co.uk)

Keine andere Formation hat den Begriff 'Downtempo' so eindeutig definiert - und sich dabei doch immer wieder musikalischen Kategorisierungen entzogen wie Morcheeba. Auf ihren bisher fünf Alben kreierte die Londoner Band ohne Berührungsängste eine zeitgemäße, auf Songs gebaute Form der Dance Music, die als Trip-Hop oder Chill Out Furore machte. Und das alles als eklektisches, aufgeschlossenes Kollektiv, das immer wieder die Fühler nach den unterschiedlichsten Sängern und Musikern ausstreckte. Dive Deep, das neue Album von Morcheeba, führt diese Idee nun so konsequent vor, wie keines zuvor. Mit einer Gästeliste, die von Soulsängerinnen bis Rappern reicht, könnte Dive Deep zu einem der besten Alben für das Jahr 2008 werden.

PIAS Germany

VÖ: 8.2.2008

Brisa Roché: Takes

(Foto: ©Ami Barwell)

Ein europäisches Album von einer amerikanischen Künstlerin? Das geht sehr wohl, wenn die Musikern Brisa Roché heißt, äußerst frankophil ist und seit Jahren vorwiegend in Paris lebt. Dass das Album Takes für die Franzosen dennoch "sehr kalifornisch" klingt, führt Brisa auf die verträumten und harmonischen Klänge zurück. Die 15 Stücke, die in Zusammenarbeit mit Nick Zinner, dem Gitarristen der Yeah Yeah Yeahs entstanden, haben sicherlich eine gute Portion San-Francisco-Feeling abbekommen, das sich aber wunderbar mit britischer Theatralik vereint. Wer noch im Besitz eines Plattenspielers ist, sollte sich das Album unbedingt in der Vinyl-Version kaufen. Die Selbstporträts auf der Plattenhülle zeigen, dass Brisa Roché eine Allroundkünstlerin ist - die ihre Bilder übrigens Anfang des Jahres erstmals in der Pariser Galerie Art All Access ausstellte. Wer Emilie Simon oder Charlotte Gainsbourg mag und nichts gegen einen Hauch dezenten Wahnsinns hat, wird Brisa Roché lieben.

Brisa Roché: Takes

AL!VE

VÖ: 29.02.2008

Moi Caprice: The Art of Kissing Properly

(Foto: ©myspace.com/moicaprice)

Die dänische Band mit dem französischen Namen Moi Caprice ist in Europa noch relativ unbekannt. In Dänemark aber haben sie bereits Popgeschichte geschrieben. Mit ihrem Song 'The Sun & The Silence' kamen sie bis auf die vorderen Plätze der Alternative-Charts - und das, ohne einen Plattenvertrag zu haben. Das hat vor ihnen noch keiner geschafft und katapultierte sie Ende der Neunziger in die obere Liga der dänischen Indiemusik. Ihr drittes Album The Art Of Kissing Properly besticht durch intelligente Texte und wunderschöne, melancholische Popmelodien. Sänger und Texter Michael Møller packt in seine Stimme so viel Sehnsucht, Weltschmerz und Leiden, dass es manchmal fast schon schmerzt. Süß-liebliche Melodien für Tage, an denen man einfach nur im Bett bleiben und die Decke über den Kopf ziehen will.

Divine Records

VÖ: bereits erschienen (Januar 2008)

Beni Snassen: Spleen et Idéal

Im Jahr 2007 rief Rapper, Autor & Poetry Slammer Abd al Malik das Kollektiv Beni Snassen ins Leben. Der Name der Crew bezieht sich auf einen marokkanischen Stamm, der für seinen friedlichen Widerstand bekannt war. Im zweiten Weltkrieg wurde zudem ein französischer Panzer nach diesem benannt. Nun ist das erste Album Spleen et Idéal in den Plattenläden erhältlich. Beste Kritiken erhielten Beni Snassen bereits vorab von Institutionen, wie der hochkarätigen, französischen Musikzeitschrift Les Inrockuptibles, die die Musiker mit Jean-Paul Sartre vergleichen, "da beide gezeigt haben, dass man im Kollektiv die Dinge vorantreiben kann". Abgemischt und arrangiert von Renaud Létang, der durch seine Arbeit mit hochkarätigen Musikern wie Feist oder Philippe Katerine bekannt ist, ist Spleen et Idéal weitaus mehr als ein typisches Rapalbum.

Beni Snassen: Spleen et Idéal

Gibraltar

VÖ: bereits erschienen (Januar 2008)

Foto: ©benisnassen.com