Kultur

Café Label im Dezember

Artikel veröffentlicht am 10. Dezember 2007
Im Magazin veröffentlicht
Artikel veröffentlicht am 10. Dezember 2007
Englische Teenager machen gute Laune, ein schwedischer Winterpunsch wärmt das Herz, deutsche Poesie und italienischer Pop für lange Kaminabende und die neue Musikhoffnung aus Polen.

WinterKids: Wonderland

WinterKids (Foto: ©Tapete Records)

Auf eine Sache kann man sich mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit verlassen: Die Engländer sind nicht die besten im Elfmeterschießen - aber wenn sie eines können, dann Musik. Und so macht sich in regelmäßigen Abständen eine Band nach der anderen auf, den so typischen Britsound über die Landesgrenzen hinweg zu verbreiten. Viele werden schnell in den Starolymp gehievt - und auch schnell wieder vergessen. Den WinterKids ist hoffentlich eine längere Halbwertszeit vergönnt. Von renommierten englischen Musikmagazinen schon mit den legendären "Pulp" oder gar den "Buzzcocks" verglichen, kann man wohl kaum mehr von einem Geheimtipp sprechen. Nachdem in England bereits drei Singles erschienen sind, in Japan sogar ein Album, beglücken die fünf jungen Briten nun endlich den Rest Europas mit ihrer ersten EP. Wurde auch Zeit, denn die Wonderland-Platte liefert einen Ohrwurm nach dem anderen.

WinterKids: ©Tapete Records

Lena Malmborg: A new Time, a new life, a new religion

Lena Malmborg (Foto: ©Crying Bob)

Lena Malmborg wird von den schwedischen Medien bereits als weibliches Pendant zu Tom Waits gehandelt, was nicht zuletzt an ihrer mit Whisky-geölten Stimme liegt. Oder, wie es ihr Management lieber kommuniziert haben will: an ihrem "warmen und dunkel beseelten Gesang". Die Künstlerin, die in ihrer Heimat zu den derzeit besten Liveacts zählt, gelangte mit ihrem von großartigen Kritiken überhäuften Album A New Life, A New Time, A New Religion bereits in die schwedischen Top 30. Die elf Eigenkompositionen, die an Stücke von Lucinda Williams oder Aimee Mann erinnern, halten sich nicht an einen Stil, sondern wandern munter durch die Genres Pop, Country, und Folk. Gelegentliche Anleihen beim Blues oder Soul sind kein Wunder, denn die Künstlerin stand schon im zarten Alter von neun Jahren auf die Musik von Muddy Waters. Tourdaten auf lenamalmborg.com.

Lena Malmborg: ©Crying Bob

Tchi: Stehen Stolpern

Tchi (Foto: ©virb.com/tchi;Siluh Records)

Wenn in Frankreich plötzlich Jugendliche wieder Deutsch lernen wollen, weil sie Tokio Hotel verehren, ist das in etwa so, wie wenn Paris Hilton plötzlich die neue Gallionsfigur der Antiglobalisierungsbewegung werden würde. Man freut sich über das Ergebnis, hätte sich aber einen anderen Initiator gewünscht. Im Falle der Liebe zu deutschen Texten wäre zum Beispiel das Braunschweiger Trio Tchi so ein Wunschkandidat. Noch relativ im Verborgenen entstand hiermit ein deutschsprachiges Indierock-Album der Sonderklasse zwischen Poesie und Pop. Stilsicher und mit einprägsamen Melodien sowie intelligent reflektierenden Texten präsentiert sich das Debüt Stehen Stolpern. Mit den prägnanten und vielschichtig arrangierten Indie-Gitarren-Tracks werden sie es hoffentlich bald schaffen, nicht nur von der Fachpresse bejubelt zu werden.

Tchi: ©Siluh Records

(Tchi - "Schöne Grüße": Video © 2007 Christian Heine, Johanna Laute)

Laura Pausini: San Siro 2007

Laura Pausini: San Siro 2007 (Foto: ©Wmi/Warner Music)

In acht Jahren über 16 Millionen Tonträger abzusetzen, ein Album gleichzeitig auf italienisch, spanisch und portugiesisch zu veröffentlichen - trotz ihres jungen Alters ist Laura Pausini in ihrem Leben schon einiges gelungen. Mitte der Siebziger Jahre in Ravenna geboren, beginnt ihre Karriere 1993 beim San Remo-Festival, das sie in der Kategorie 'Jugendliche' gewinnt. Mittlerweile ist Laura Pausini mit ihren poppigen Songs und ihrer einzigartigen Stimme längst nicht mehr nur in Italien ein Star. Im Juni des letzten Jahres hat es die Sängerin geschafft, das drittgrößte Stadion Europas - das "San Siro" - zu füllen. 70.000 Menschen teilten dieses Erlebnis mit ihr, das nicht nur durch die perfekte Harmonie von Publikum und Sängerin gekennzeichnet war, sondern auch durch den besonderen Umstand, das die Pausini sich selbst von wolkenbruchartigen Regenanfällen nicht davon abhielten ließ, ihre über zweieinhalbstündige Bühnenshow durchzuziehen. Wer es vorzieht, doch lieber im Trockenen zu bleiben, muss auf dieses Erlebnis nicht verzichten. Die Doppel-CD San Siro 2007 ist ab sofort im Handel erhältlich.

Laura Pausini: ©Wmi/Warner Music

Muchy

Muchy (Fotos: ©marcin cecko)

Es ist schade, dass man auf internationaler Ebene wenig über die polnische Musikszene weiß. Gerade hat eine Band aber einen Plattenvertrag unterschrieben, die das ändern könnte. Muchy - 2004 gegründet - bekamen im Sommer darauf schon positives Feedback auf ihr erstes Demoalbum. Ihr Engagement und das viele Touren kreuz und quer durch das eigene Land haben Ihnen zum Titel "beste polnische Band ohne Plattenvertrag" verholfen. Schließlich wurde dann Polskie Radio auf sie aufmerksam. Sie nennen ihre Musikrichtung selbst "post-beat-power-puff-dance-punk-garage-pop". Und auch wenn das etwas nach querbeet klingt: Diese Band hat eine Energie und Freude an der Musik, die sich augenblicklich auf den Hörer überträgt. Ihre Texte sind größtenteils in polnischer Sprache, doch auch auf Englisch klingen sie absolut glaubwürdig. Ihr Song 'Big City Girl' könnte auch aus der Feder des Babyshambles-Frontmanns Pete Doherty stammen und hat das Potential, eine polnische Band international bekannt zu machen.

Muchy: ©Polskie Radio